Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 21 (25.5.1881)
- Date
- 1881-05-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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499 zum Heiligthume, tu welches sie ein Feuer hineintragen wollten, welches Gott ihnen nicht geboten, den Untergang fanden, und durch diesen Untergang der Priesterjünglinge für alle Zeit die Unantastbarkeit und Heiligkeit des Gotteshauses documentirt worden ist, also mahnt der Tod jener zwölftausend Schüler des Rabbi Akiba, welche allesammt in der Zeit von Pcßach bis Schabuoth starben, jeden Jünger und Meister der Thora, sich die Reinheit der Gesinnung und die Lauterkeit des Geistes zu bewahren. Rabbi Akiba nannte seine späteren Schüler: (Midrasch Koheleth) ’jsd k:>n iro co o'jnpson p rnn?p dhn np m miro rrrj D“\ry nmnv „Diese früheren Schüler sind nur deßhalb gestorben, weil sie sich wegen des Wissens gegenseitig beneidet hatten — seid ihr nicht ihnen hierin gleich;" und in Jebamoth 02 wird als Grund des Dterbens angeführt: np nr ipd uhj && »jsd „weil sie sich nicht gegenseitig die gebührende Ehre erwiesen hätten," während aus der Todesart, welcher sie gleichmäßig verfielen, nach der Ansicht mancher Erklärer aus die Sünde der jnn )wb der üblen Nachrede -an P’un nujp n?oa rrm jnn jieo geschlossen werden soll. Welche besondere Verschuldung aber auch diese Schüler des Rabbi Akiba treffen mag, so viel ist jedenfalls klar, daß ein außergewöhnlicher Tod stets um die Zeit zwischen Peßach und Schabuoth eine große Anzahl gelehrter Männer in Israel hinraffte, weil diese sich nicht zur vollen Höhe des Thorageistes emporgeschwungen hatten, auf welcher jede kleinliche, selbstsüchtige Regung des Herzens schweigt. Nicht umsonst lebt der Name der wahrhaft großen und weisen Männer unsterblich in dem Gedächtnisse des jüdischen Stammes, jener „Rabbanim und Chachamim," deren treue Hände die Thora der Nachwelt überliefert hat. Ihnen war die Thora in Wirklichkeit das Höchste und Theuerste und schmückte sie mit einer Krone geistiger und sittlicher Hoheit, zu welcher noch die spätesten Enkel bewundernd hinaufschauen. Was sie lehrten, was sie als wahr erkannten, das verstanden sie durch die That zu besiegeln, das prägte sich in ihrem Leben aus und war die einzige Richtschnur aller ihrer Handlungen. Sie waren die Ersten, welche ihren Anssprüchen den unverbrüchlichsten Gehorsam leisteten und in peinlicher Gewissenhaftigkeit die letzten Consequenzen ihrer Lehren praktisch zur Anschauung brachten. Wie sie lehrten jpi 0.13 t>"unnb moy D^yn ora omp, benutze die Kenntniß und Weisheit niemals, um Dir Ruhm und Ansehen zu verschaffen, oder Dir materielle Vortheile zu gewinnen, „mache Dir aus denselben keine Krone, um durch sie zu glänzen, und auch keine Axt, uni damit zu arbeiten," so gewährte ihr Lebelt das erhabenste Beispiel für diese Lehre. Sie erkannten es ^bn «aro „wer von der Krone der Thora Nutzen ziehen will, geht unter;" wer aus der Thora und dem Ansehen, welches die Kenntniß derselben im Kreise der Menschen gewährt, irdischen Vortheil ziehen will zur Befriedigung des Ehrgeizes und der Geldgier, der weiht sich dem Verderben. Der große Maimonidcs schreibt in seinem Commentar zu Masecheth Aboth: „Wir finden nirgends, daß unsere Weisen nach irdischem Besitz gestrebt haben; sie haben auch nicht Geld gesammelt für die Lehranstalten, für die Richter und Lehrer, nicht für einen der Großen oder sonst irgend einen Mann. Wohl aber finden wir zu jeder Zeit unter ihnen sowohl die Aermsten, wie die Reichsten. Und wir können doch wahrlich nicht annehmen, daß zu damaligen Zeiten es keine wohlthätigen Menschen gegeben Habel sicherlich wnroe der arme Weise nur seine Hand auszustrccken gehabt haben, um sich mit Reichst) um überschüttet zu sehen. Aber er verschmähte dieses. Er wollte von seiner Arbeit leben, sei es in Kärglichkeit, sei es in Ueberfluß; — er' verschmähte, von der Hand der Menschen zu empfangen." Und so war Hillel, den man seiner Größe halber mit Moses, Ahron und Joseph verglich, ein armer Holzhauer. Von Rabbi Ehanina den Doßa heißt cs, daß Gott von ihm gesprochen: die Welt wird nur ernährt um des Verdienstes meines Sohnes Ehanina willen, und er muß sich mit dem Rothdürftigsten behelfen. R. Joseph war ein Lastträger und freute sich seine Bernssthätigkeit rrbya nocnov „daß sie ihrem Herrn Wärme gewährt." „Wir finden auch nirgends," schreibt Maimonides, „daß sich irgend ein Weiser beklagt habe, daß seine Zeitgenossen ihm nicht Besitzthümer zugewendet haben. Sie setzten ihre ganze Zuversicht in Gott und in die Thora, durch welche allein der Mensch der Glückseligkeit theilhaftig wird. Sie gestattete sich nicht, irgend etwas von den Menschen zu verlangen, sie glaubte durch die Annahme eines Guts den Namen Gottes zu entweihen, daß das Volk wähnen könnte, die Thorawissenschaft wäre eine Arbeit, wie jede andere, durch welche man sich ernährt. Rührend ist es, wie noch N. Simon ben Zemach Duran (forn) sich gleichsam rechtfertigt, daß er Gehalt von seiner Gemeinde angenommen. Er habe erst darüber bei den zeitgenössischen Größen angesragt, die es ihm gestattet. Er versichert aber, daß er bei seinem Studium nicht die entfernteste Absicht gehabt habe, jemals Rabbiner zu werden und Ansehen zu erzielen. Er haben Vermögen besessen und