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Der Israelit · 1881-05-18 · Heft 20 (18.5.1881) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 20 (18.5.1881)
Date
1881-05-18
Page
– (sequence 20)
Language
German
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488 P a l ä st i it a. Jerusalem, 27. April. (5'tu trauriges Erciguist hat die israel. Bevölkerung von Jerujalem im Allgemeinen und die Einwohner der in der!Nähe der Stadt befindlichen Kolonie „Meah Schearim ganz besonders, unmittelbar vor dem nos Feste in tiefe Trauer versetzt und mit Kummer und Angst erfüllt. Der einzige und hoffnungsvolle Sohn des sehr geliebten und allgemein geachteten Mitgliedes des LokaleomMs der Armenn.Pilgerwohmmgen, des Herrn M. Schönbaum, ein junger Mann von biederem Charakter mit vielen mm Kenntnissen, Namens I. (51). Schönbanm, wurde bei einem Raubanfall tödtlich verwundet und ist nach 7 Tagen in Folge der ihm von Mörder bcigebrachten Stichwunden gestorben. Um ihn trauern der schwergeprüfte greise Batcr, eine trostlose Mutter und die junge Gattin sammt 4 kleinen verlassenen armen Waisen. Der Mörder, der bei dem Raubanfall noch mehreren anderen Bewohnern obiger Eolonie bedeutende Stichwunden beibrachte, wurde zwar nach einigen Tagen ergriffen; doch ist bei den traurigen Justiz-Verhältnissen , die im Orient herrschen, eine angemessene Bestrafung kaum zu erwarten, die Behörde behandelt solche Fälle in gleichgiltigster und kaltblütigster Weise. Die österr.-ungarische israelitische Gemeinde, welcher der Ermordete angchörte, hat bei dem hohen k. k. konsular energische Vorstellungen gemacht, bis jetzt ist aber nichts geschehen. Möge der Allmächtige der trauernden Familie seinen Trost verleihen, fvn sny ns sdiv. (5. Feuilleton. Die Jugendfreunde. Von A. Königshofen. XVIII. Noch an demselben Tage sprach Hulda ihren ihr theuren Pflegling. Schon Tags zuvor war Arno auf ein Zusammentreffen mit Kohn vorbereitet worden; die Freunde hatten sich alsdann nach vielen Jahren wiedergesehen, Kohn hatte Alles seinem Freunde mitgetheilt und ihm entdeckt, wer ihn mit so treuer Liebe und Hingabe und ängstlicher Besorgniß gepflegt hatte. Das war ein Wiedersehen, eine Freude, ein gegenseitiges Fragen; und als nun Hulda dazugekommen, und sie durch ihr Verhalten jede Frage seitens Arno's, ob sie ihm verziehen, abgeschnitten hatte, da leuchtete cs ans in den Herzen Aller, und es war nur ein Gefühl, das sie Alle erfüllte, das Gefühl der höchsten Glückseligkeit. Aber die Zeit schwand schnell, zu schnell. Der alte Herr v. Botho, der in der Freude der jungen Gemüther sich wieder zu verjüngen schien, hätte die jungen Leute gerne noch beisammen gelassen, aber es knüpften sich so traurige Erinnerungen an seinen Aufenthalt auf französischem Boden, daß er zur Abreise drängte. Andererseits mußte auch Arno am andern Tage noch als Reconvalescent nach dem Norden abrücken. Doch sollte das Wort, das Arno so gern über seine Lippen brachte, nicht ungesprochen bleiben, noch ehe die Scheidestunde schlug, sollte, was er und Hulda in ihren Herzen fühlten, ausgesprochen sein. Und es wurde ausgesprochen das Wort, und der Onkel, der Hulda ein Vater sein wollte, segnete den Bund. — — Am folgenden Tage war nur Kohn allein von den Freunden in Frankreich zurückgeblieben. Ein Brief seiner Mutter berichtete ihm bald daraus von der Ankunft Hulda's in Berlin, die bei ihr und ihrem Bruder Reicherssohn die besten Nachrichten von dem Wohlsein und der aufopferungsvollen Thätigkeit Heinrichs nberbracht hatte. Roch einige Wochen, der Frankfurter Friede machte dem traurigen Kriege ein Ende, und Kohn kehrte geschmückt mit dem Verdienstzcichen für seine reiche Thätigkeit in seine Vaterstadt zurück. In Berlin hatte sich seit den Begebenheiten, die mir im Anfänge unsrer Erzählung kennen lernten, bis zur Rückkehr Kohn's dorthin Vieles geändert sowohl in Betreff der gemeindlichen Verhältnisse, die ihre Wirkungen in die einzelnen Familienkreise hinein übten, als auch in den Beziehungen des streng fromlnen jungen Arztes zu seinem aufgeklärten Onkel. Die Partei der ausgesprochenen Reform hatte mit dem Jndenthum fast nichts mehr gemein als die hebräischen Buchstaben, die sich über dem Portale ihres Tempels befanden und den von einem christlichen Dirigenten geleiteten Ehorgesang des „Schema Jisroel". Was noch äußerlich, aber auch nur äußerlich, als ein Band mit dem Judenthmne hätte angesehen werden können, die „gottesdienstliche" Sabbatfeier, war beseitigt, die Reformjuden Berlins hatten sich den Sonntag als Besuchstag ihres Tempels erwählt. Dieser Reformgemeinde stand nun die große Gemeinde gegenüber, welche ihren Institutionen nach zu urtheilen als fromme gelten konnte; sie war officiell orthodox, aber in ihren Elementen durch und durch zersetzt. Diejenigen, deren Frömmigkeit nicht eine Sache der Rücksicht, sondern Lebensprincip war, hätte für sich genommen schon eine kleine Gemeinde bilden können, aber tm Vergleich zur ganzen Gemeinde bildeten sie nur einen kleinen Brnchthcil, die teilweise keinen Einfluß ihrer persönlichen Stellung nach

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