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Der Israelit · 1881-05-18 · Heft 20 (18.5.1881) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 20 (18.5.1881)
Date
1881-05-18
Page
– (sequence 19)
Language
German
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4b 7 eilies ixt Häuser üi'aiui ein Hause ein, au desscu Spitze ein junger Mann sich befand, der sich an's Klavier setzte und unter dem Gejohle der Plünderer Weisen ans „Faust" und „Draviata" spielte. Als die Wohnung wo sich dies zutrug genügen) aufgeräumt schien, stand der musikalische Plünderer auf und gab durch Zerschneiden der Sailen des .Klaviers das Zeichen zur vollständigen Zerstörung des Instrumeutes, das, in Stücke zerbrochen, dnrch's Fenster auf die Straße wunderte. Die Plünderer, die zu einer Menge von 4- bis r>Oou Mann amzewachsen wareii, Geilten sich. Die Ginen zogen zur ^unagoge. >vo sie die Buudeslade ullsrisseu, alles an Werth Vorhandene die silbernen Geräihe und sonstigen ^chinuckgegenstäude — einsackten, die Perganlentroiien zerschnitten und das Gebäude deniolirteu. Andere zogen in die Michaelowstaja, wo viele reiche Joden wohnen und demolirteu die Wohnungen, uackdem sie dieselben ansgcptündert hatten. Dann zog uiau in die Wladimirskaja und in die Alexandrowskaja, um dort in gleich barbarischer Weise zu wirthschaften. Neberall wo die stlottc eiufiel, flüchleteu die Bedrängtet!, um sich der blinden Wnch der trunkenen, beutegierigen Menge zu entziehen, die alles sinnlos zerstörte. Wehe den!, der sich Urnen in den Weg stellte. Gin Jude, der sein Gigenthinn zu schützen suchte, wurde von den Plünderern vom dritten Stock ans das Slraßenpstaster geworfen imb blieb tobt, und ein jüdischer Knabe endete unter dcn Händen der Wütheriehe, die mit Steinen niuherwarfen. Durch einen solchen Steiuwurf wurde auch ein Oberst getödtet, der endlich als die Verwüstung auf's Höchste gestiegen war, mit seinen Truppen herbeigezogen kam. Gs hatte sich nämlich auch ein Haust der Plünderer nach dem Stadtviertel Dimiewka begeben lvo sie die ausgeraubteu Häuser auzuzüudeu begannen. Die Juden hatten int Bause des Tages eine Deputation zum General-Gouverneur Drenteleu geschickt, dem ehemaligen Ghef der dritten Abtheiluug, und um Schutz ihrer Person und ihres Gigenthuins gefleht. Gs war wohl zunächst Polizei und Atilitür ausgerückt, aber die Polizei sah ruhig, ohne eiuznschreiteu, dem Vorgehen der Greedenten zu und die Kosaken halsen den Plünderern aufräumeu. Gs hatte fast den Anschein, als hätte die Behörde ihre Freude au diesem Treiben. General Drenteleu sagte den um Schm; flehenden Inden, er könne nichts für sie thnn, er könne wegen einiger Inden seine Soldaten nicht in Gefahr bringen. Die Inden mögen sich nur selber Helsen, da sie ja sonst recht gut wissen, wie sie diese Beute zu behandeln haben. So kam die Pacht vom Sonntag. Die Plünderer, die sich an den geraubten Spirituosen roll und voll getrunken hatten, machten tu ihrem Zerstörnugswerke eine Pause. Am Montag begann die Plünderung von Neuem. Man zog vor die Bierbrauerei und Brauut'.veinbreuuerci der; Firma Brodskh, die gegen 200 Arbeiter beschäftigt. * Diese mußten der llebermacht weichen, das Gebäude! wurde demolirt, die Bierfässer und Lrauntweiufässer! ließ mau auslaufen, uachdeui Alles wieder berauscht war Daun zog mau zur Mühle des Brvdskn, bei der sich auch ein Zuckermagaziu befindet. Tort wurde j Alles zerstört, alle Borräthe, namentlich eine große j Masse Zucker in den nahen Dcjcper geworfen. Ein; großes Tabakmagazin eines gewissen Salamon Korn! wurde geleert und deinolirt. Alan sah junge Bursche 1 mit gestohlenen Wen'stachen, mit den sonderbarsten; Dingen belastet, johlend und schreiend durch die i Straßen laustn. Versuchte ein Polizist, ein solches , Individuum anznhalten, schrie der Pöbel und ließ i die Arretirnng nicht zn. „Wegen der Inden lassen i nur Astemanden gelang!m nehmenschrie die Menge.! G'udlich schritt das Militär ein, und da die Meufcheuiiiasse der Ansforderuug, auseinander zu gehen, nicht Folge leistete, wurde geschossen. Wie mau fügt, blieben sieben Plünderer tobt, und viele Andere wurden verwundet. „In Petersburg hat man mehrere hingerichtet", schrieen die Nädelssührer, „und hier tödtet man uns gar wegen der Inden.!" Dennoch gelang es bald der bewastncten Macht, die Straße von den Plünderern zn räninen. General Drenteleu hatte am ^ouutag eine Art Kriegsrath gehalten und am Montag ein Plakat affichireu lassen, in welchem er ohne ein Wort des Bedauerns unter Konftatirung der Vorgänge des sonntags die Aufrührer zur Ordnung aniforderle. Aber noch den ganzen Montag dauerte der Tumult, bis General Drenteleu sich entschloß, energisch vorzngehen. Mittlerweile hatte der Aufruhr sich weit über das Weichbild unserer Stadt hinaus ansznbreiten begonnen. Die Plünderer zogen in die Nachbarorte, um dort ihr Zerstörungswerk forlzusegeu. Hunderte von Familien sind obdachlos und haben ihr letztes Hab und Gut verloren. Der vermögendere Dhcil der Inden verschaffte sich Pässe und verließ die Viele retteten nichts als das nackte Beben. Petersburg, ist. Mai. 'Aach einer amtlichen Meldung des Gouverneurs von Iekerteriuvslaw wurden in der Stadt Alexvudrowsl die den Juden gehörigen Baden von Gisenbahnarbeitern angegriffen und einige derselben geplündert, weiteren Unvrdnnngen aber durch das herbeigerufene und noch am selben Dage eingetrvffene Militär ein Ziel gesetzt. Iii der Stadt Konotvp und im Kreise Auaüjew des Ghersonschen Gouvernements ist, wie im Ministerium des Innern eingegangene Nachrichten besagen, die blühe wiederhergestellt.

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