Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1881)
- Date
- 1881-05-18
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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489 haben, theilweise ihn nicht zur Geltung bringen konnten. Die große Ausdehnung der Stadt erschwerte auch ein sich gegenseitiges Finden von Leuten, die wohl nach einem Ziele strebten, aber, wie es in der Natur der Sache lag, gegenseitig nichts von ihrer Existenz wußten. Einen Mittelpunkt zu gründen, um den die Gleichstrebenden sich sammeln konnten , um dann erst zu erkennen in welcher Stärke die Gleichgesinnten vorhanden seien, dazu hatte die Nothwendigkeit noch nicht getrieben, denn es konnte sich jeder religiöse Jude ja für seinen Theil zufrieden geben, da die Gemeindeinstitutionen vollständig im alten Sinne jedes religiöse Bedürfnis) befriedigten. So blieben denn die Vertreter des religiösen Elementes so ziemlich im Hintergründe, während die, welche sich die Freisinnigen 'nannten, in den Vordergrund traten. Auf den oberflächlichen Beobachter mußte das Leben und Treiben der Berliner Judenheit den Eindruck machen, als ob das fromme Judenthum vollständig aus der Metropole Preußens geschwunden sei. Namentlich die Jugend that sich was zu gute daraus, die Aufgeklärten auf den Promenaden und in den Wirthshäusern in einer Nolle zu spielen, die von Selbstbewußtsein zeugen sollte: mit lautem Sprechen über Alles zu urtheilen, damit auch der Nachbar höre, daß man den Bildungsfragen der Gegenwart nicht fern stehe, durch vornehme Nonchalance ein aristokratisches Wesen zu affectiren und sich in einer Weise bemerkbar zu machen, die bei Tactvolleu unangenehm berühren mußte. Die Sucht, bcn Juden ganz und gar vergessen zu machen, hat gerade erst die Erinnerung an den Juden wachgerufcn und ist mit der Zeit für Judenfeinde ein willkommener Vorwand für die Aeußerung ihrer niederträchtigen Gesinnung geworden. Aber selbst in den Kreisen, in denen utau dem alten Judenthum eine Heimstätte bereiten wollte, auch da beruhte Vieles aus Schein, auch da entdeckte derjenige, welcher Gelegenheit fand, in solchen Kreisen zu verkehren, Verhältnisse, die urkomisch hätten wirken können, wenn sie nicht gar zu traurig gewesen wären. Es ist keine Mythe, sondern aus dem Leben erzählt, daß in einem Hause, in dem der Vater ein eifriges Vorstandsmitglied eines Talnrudvereins war, der zum Ueberflnß an: Sabbat - Vormittag den Sohar; studirte, während die Haussrau sich der Pijutini eri barmte, die in der Synagoge abgeschafft waren, daß zur selben Zeit im Nebenzimmer der Sohn desHauses , im Geschäfte des Vaters den Sabbat entweihte, und sich nicht genirte, in Gegenwart der Besucher um 12 Uhr in» Zimmer zu treten und den Vater zu! fragen, ob er nicht für ihn an der Börse etwas dort! zu besorgen habe. So lagen die jüdischen Verhältnisse in Berlin. Das ossieielle fromme Jndcuthnm war nur ans Nücksichten geduldet. Als nun der letzte amtliche Vertreter des orthodoxen Jndeuthums, der durch Pcr- . sönlichkeit, Thätigkeit und Wissen Achtung und Ehrerbietung auch seinen Gegnern abzwang, dahingegangen war, sielen die Nücksichten hinweg, und das ossieielle orth. Judeüthum wurde zu den Todten geworfen, und die Gemeinde wurde durch Berufung voll Männern der Reform zu einer reformirten gestempelt. Durch eine neue Leichenbestattnngsordnung wollten die Herren vom grünen Tische zeigen, wie Ernst es ihnen war, alle Rücksichten fallen 311 lassen. Und das war ein Glück. Das rüitelte und schüttelte die Zaghaften und Unentschiedenen auf, das öffnete den Halben die Augen, man trat zu energischen Schritten zusammen, der Alaun, der ein „Halt" gebieten konnte, war bald gefunden, ein Mittelpunkt für die Besscrstrcbenden war geschaffen, und die Partei, welche , geglaubt hatte, nur aus wenigen Einzclncll zu be- | stehen, die zu schwach sei, in Bcrlill das Judeuthum zu retten, sah sich bald stärker, als sie cs geahnt; halte. So lagen die Verhältnisse, als Kolm nach langer Zeit, die nur durch ein kurzes Verweilen in der! Vaterstadt unterbrochen war, dieselbe wieder betrat. (Fortsetzung folgt.) AKZEIGfiX. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht nerantwortlich. TED Koscheren Lchweizerkäse, prima Qualität, ä Psd. 1 Mk. 10 Pf., 9 Psd. für 9 Ml., bki grösseren Posten ü, Psd. 90 Pf., sowie hochfeinen koschere« Tahnkäfc, 9 Psd. für 3 Mk., versendet in Postpaketen gegen ' Nachnahme oder Emi'enduug des Betrages Julius Nocder, Posen, 1975) Judenstr. 9. .tieferen;: Herr l)r. Weilchen seid. abbiner Hirsch e „r-mn", sehr gut erhalten und fein gebunden, ist bei mir gegen Einsendung von -1 Euldcn öst. 2s?. oder 10 FrZ.;u haben. Lalonron Klein, .'ttabbiuals r Eandidat, M. QPgot, Ungain, 1715) rMieilgasse 752