Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1881)
- Date
- 1881-05-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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475 sich vollzogen, begab er sich zum Kaiser, bekannte sich als Jude, um durch seinen Tod eine neue Consulwahl nothwendig zu machen Er bat mich. Euch zu sagen, daß er den Namen Schalom angenommen, und den Beinamen Ketia, weil er zuvor selbst Hand an sich gelegt, um in den Bund Abrahams einzutreten." „Gesegnet wird sein," sagte Rabbon Gamliel, „das Andenken Schalom Ketias für alle Zeiten. Es heißt im letzten Verse des 47. Psalms: Versammelt sind die Fürsten der Völker zu einem Volke des Gottes Abrahams; denn Gottes sind der Erde Schilde; gar sehr erhaben ist er. — Einst hat Gott zu Abraham gesprochen: Ich will Dich machen zu einem großen Volke und ich will Dich segnen und ich will groß machen Deinen Namen, und Du selbst sollst Segen sein, und ich werde segnen, die Dich segnen, und denen, die Dir fluchen, werde ich fluchen, und es sollen gesegnet werden durch Dich alle Geschlechter der Erde. — Und nach allen diesen Verheißungen erst befahl Gott dem Abraham, den Bund der Beschneidung an sich zu vollziehen, und Er sprach zu ihm: Fürchte Dich nicht, ich bin Dir ein Schild. — Dem Schalom Ketia aber hat Gott keinerlei Verheißung gemacht, und dennoch ist er in den Bund Abrahams eingetreten und hat sein Leben geopfert zur Rettung der jüdischen Nation — deßhalb ist er mehr und größer als Abraham, und auf ihn bezieht sich die Verheißung: Denn Gottes sind die Schilde der Erde, gar sehr erhaben ist er, erhabener und größer als unser großer Vater Abraham.*) Als Rabbon Gamliel geendet hatte, stürzte der Haushofmeister der Domitilla, der Freigelassene Stephanus, ins Zimmer. „Fliehet eilig von hinnen," rief er den Weisen zu „es nahet eine Botschaft des Kaisers. Folgt mir, ich führe Euch durch einen andern Ausgang ins Freie!" „Geht," sagte Domitilla, „und betet für mich und meinen theuren Gatten." „Für Schalom Ketia," sagte Rabbon Gamliel, „brauchen wir nicht zu beten. Er hat das Höchste vollbracht, was ein Mensch auf Erden zu leisten vermag. Die ewige Seligkeit wird ihm zu Thcil werden, und auch Du, theüre Herrin, wirst einst eingehcn in die Wohnung der Seligen " „Eilt," rief Stephanus, „die Boten des Kaisers dürfen Euch hier nicht finden." Die Rabbiner folgten dem voranschreitenden j Haushofmeister. ' j Bald nachher trat die Gesandtschaft des°Kaisers > bei Domitilla ein; sie verkündete ihr, daß der Kaiser; eigentlich die Verpflichtung habe, auch sie vor Gericht *) Liehe Midrasch Jalkur zur Lrelle. zu stellen, und zum Tode verurtheilen zu lassen, daß er aber von dem hohen Vorrechte seiner kaiserlichen Gewalt Gebrauch mache und ihr das Leben schenke; sie müsse jedoch nach der Insel Pandateria in die Verbannung ziehen. Die Angst, welche die römischen Senatoren erfaßt hatte, wurde noch vermehrt als einer der Vornehmsten und Besten aus ihrer Mitte, der gewesene Consul Acilius Glabrio, des Verbrechens angeklagt wurde, daß er einst im Amphitheater mit wilden Thieren gekämpft hätte. Er wurde zum Tode verurtheilt und alsbald hingerichtet. Die Delatoren des Kaisers waren über ganz Rom verbreitet. Unter allerlei Verkleidungen wußten sie sich überall einzuschleichen. Sie schimpften auf den Kaiser und dessen Grausamkeit so lange, bis sie das auserkorene Opfer dazu brachten, die eigenen Klagen laut werden zu lassen. Dann wurde der zum Tode Ausersehene denuncirt, auf die nichtigsten Vorwände hin angeklagt und hingerichtet. Alle diese Grausamkeiten und Hinrichtungen veranlaßten endlich einige Senatoren, sich im Hause des Eoccejus Nerva zu versammeln und den Tod des Tyrannen zu beschließen. Die Furcht für das eigene Leben trieb sie dazu, die Gefahr nicht zu scheuen. Diese war sehr groß. Selbst wenn es gelingen sollte, den Kaiser zu tödten, so war zu befürchten, daß das niedere Volk und die Soldaten, denen Domitian immer geschmeichelt hatte, den Tod des Kaisers rächen würden. Daher wollte sich Niemand dazu verstehen, den durch die Ermordung des Tyrannen freiwerdenden Purpur um die eigenen Schulteru zu legere es war ja voraus zu sehen, daß die Rache der Legionäre den Erben der kaiserlichen Gewalt treffen würde. Als Alle sich weigerten, sprach Marcus Eoccejus Nerva: „Ich bin ein alter Mann und hätte gewünscht, daß jüngere, kräftigere Schultern bereit wären, die Last der Regierung auf sich zu nehmen. Allein, da Keiner das Wagniß übernehmen will, so erkläre ich mich bereit, die wenigen Tage, die mir noch zu leben vergönnt sein mögen, dem Dienste des Vaterlandes zu opfern." Die versammelten Senatoren beglückwünschten Nerva und dankten ihm für seinen heroischen Entschluß. Nun wurde der Plan zur Ermordung des Tyrannen festgestellt. Wie einst Julius Cäsar sollte er inmitten der Senatsversammlung niedergcftoßen werden. Allein es sollte anders kommen. Domitian vertraute seinen eigenen Dienern nicht mehr. Er ließ den Präfecten des Palastes und der Leibwache, Casperius Aelianus, festnehmen, und einige seiner Delaj toren, die ihm verdächtig geworden waren, hinrich-