Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1881)
- Date
- 1881-05-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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470 und bleibt ihm verschlossen, und das wahrhafte Wesen Gottes zu erkennen, ist keinem Steblichen gestattet. Da bemächtigt sich oft der Zweifel des menschlichen Gemüthes. Alles, was ihm bisher feststehend erschien, gerätst ins Wanken und dem Zweifel folgt nur zu häufig die Verzweiflung. Da ist es der ewig hell und klar fließende Born der Gotteslehre, der stets den erquickenden Labetrunk zu bieten vermag, tsmon rvaa irrere, m ia jns cn, „Wenn Dich der häßliche Zweifel anpackt, so führe ihn in das Lehrhaus." Auf alle Deine Fragen gibt die Thora die Antwort, sie vermag alle Deine Zweifel zu lösen und Dick so tief in die Erkenntniß der Wahrheit eindringen zu lassen, wie es dem menschlichen Erkenntnißvermögen überhaupt zulässig ist. Wenn Deine Seele bekümmert ist, in der Thora findest Du Trost; sie zeigt Dir die Bilder der großen Dulder, die von Leiden niedergcbeugt, in der Gottergcbenheit verharrten und so alle Drangsale zu überwinden vermochten. Und wenn Enttäuschungen, an denen das menschliche Leben so reich ist, Dich treffen, so lehrt Dich die Thora, daß Du nicht schlaff die Hände sinken lassest, sondern stets die Arbeit wieder beginnest mit erneuter Kraft. Und wie das Wasser ein Bild des Wachsthmns ist, so wird die Thora Dich hoch erheben. '2 nun nai *p a’noy n«< O’ö no .lDlTC’ »3 1 DM» DH2 bQPL? „Wie das Wasser das Wachsthum der Pflanzen fördert, so erhebt die Thora denjenigen, der sich mit ihr beschäftigt, wie cs heißt: Durch mich werden Könige herrschen." Der wahre Herrscher ist der Weise. Wenn Jemand die reichsten Länder des Erdbodens beherrscht, ein Gebieter ist der gebildetsten und mächtigsten Nationen, wenn Jemand auf goldenem Throne sitzt und das Sccpter unumschränkter Macht in seiner Hand hält und wenn Tausende gehorchen seinem Winke und zahlreiche Heeresmassen unterthan sind seinem Willen und er verstände es nicht sich selbst zu beherrschen, er wäre unfreier, denn der niedrigste Sclave. Das Streben des Weisen geht dahin, sich selbst zu beherrschen und die Thora lehrt uns, diese Herrschaft zu erringen. Sie zügelt unsere Leidenschaften, sie bändigt 'unsre Begierden, sie beugt den Stolz und wehrt der Habsucht, sie verbannt den Neid und bezwinget den Ehrgeiz; sie setzt der Selbstsucht Grenzen und lehrt uns, für das Wohl der Mitmenschen zn leben. Der wahre Herrscher ist der Weise. In Liebe und Freundlichkeit sucht er Einfluß auf seine Mitmenschen zu gewinnen, sie zu allem Guten zu führen, sie mit Rath und That zu unterstützen und sie auf die Pfade der Tugend und Gottesfurcht zu leiten. Da ein Jeder von den guten, edlen und selbstlosen Absichten des von idem Geiste der Thora Beseelten überzeugt ist, so folgt man ihm gern uud beugt sich freudig seiner Herrschaft, die der Gesammtheit zum Heile gereicht. Der wahre Herrscher ist der Weise. Auch der mächtigste König vermag nichts in Dingen, die sich dem Kreise menschlicher Wirksamkeit entziehen. Der Fromme allein kann durch sein Gebet in Gottes Weltenlenkung eingreifen und oft das nach menschlichen Begriffen Unmögliche, möglich machen. War es nicht Moscheh, der es durch sein Gebet ermöglichte, daß die Kinder Israels trockenen Fußes durch das Meer zogen, daß ihnen Wasser aus dem Felsen floß und Bröd vom Himmel hernieder fiel? War es nicht Josua, durch dessen Gebet der Lauf der großen Himmelskörper verändert und der Tag verdoppelt wurde? Waren es nicht Elijahu und Elischah, durch deren Gebet Todte ins Leben zurückgerufen wurden? Noch heute ist die Kraft des Gebetes groß und mächtig; noch heute findet das Gebet des wahrhaft Frommen bei Gott Erhörung. ON"P >202 pns „Es herrscht der Gerechte durch Gottesfurcht." (Fortsetzung folgt). Zwischen Schach und Schaöuoth. Bon Naphtali Simon. II. Wenn wir in den Tagen der „Sefirah" uns die Frage vorlegen: warum sind wir noch so weit ab von dem Ziele; warum steht unser Geschlecht der Thora ferner als die vergangenen, deren Gedächtnis; uns um diese Zeit lebendig vor die Seele tritt, Di-p^na D'D'ym Danton, welche im Leben der Thora hold und treu gewesen D’anwn, ms* »a omca cy, und mit dem 'Märtyrertod diese Liebe und Treue besiegelten; warum sind unsere Gemeinden so wenig ebenbürtig den tcnpn n^np, jenen „heiligen Kehilloth" Dtcn nttfip py Dtt-sj noetET, die ohne Zaudern den Scheiterhaufen bestiegen, um Gottes Namen zu heiligen dann werden wir in allererster Linie uns die Antwort geben müssen: weil viele unsrer Lehrer und Führer, unsrer Rabbiner, uns nicht das Beispiel der vollsten Hingebung an die Thora gewährten, weil sie, die vor Allem hierzu Berufenen, nicht mit ganzem Herzen und ganzer Seele zur Thora hielten und darum auch nicht in dem Kreise ihrer Gemeinden das Berständniß und die Begeisterung für die Thora zu wecken im Stande waren. Als der lange entbehrte milde Strahl einer freundlichen Gesinnung unserer nichtjüdischen Brüder in die Ghetti drang und dort die Hoffnung auf