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Der Israelit · 1881-04-27 · Heft 17 (27.4.1881) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 17 (27.4.1881)
Date
1881-04-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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404 auswärtigen Konsuln unterstützt, boten nun Alles auf, um den Aufstand zu unterdrücken. Alle Wachen wurden verdoppelt. Militär wurde von Kairo berufen und mehrere Gassen militärisch besetzt. Die Juden konnten nur unter Militärbegleitung ausgehen. Nach der Secirung des Knaben und der wiederholten Erklärung der Aerzte, daß das Kind durch Ertrinken gestorben, legte sich nach und nach die Aufregung. Feuilleton. Die Jugendfreunde. Von A. Königshofen. XV. Es war schon spät am Abend, als Kohn wiederum das Lazareth betrat, um den Zustand Arno's u prüfen; er fand den Puls besser, und der Kranke chien in einen gesunden Schlaf versunken. „Ich habe Ihnen Aufklärung über den heutigen Vorfall am Bette Edgars v. Botho versprochen, Herr Doctor," begann die Wärterin, nachdem der Arzt sich über das Befinden Arno's zufrieden geäußert hatte. „Sie glaubten, ich könnte frei der Nennung dieses Namens schon den Zusammenhang errathen, doch suche ich immer noch vergebens nach demselben." „Ich habe Sie erkannt, nur aus dem, was man über Sie erzählte und aus der schmerzhaft freudigen Ueberraschung, die Ihnen der Anblick dieses Kranken bereitet hat; da glaubte ich denn, daß auch Sie mich wohl kenneten, daß man Ihnen vielleicht auch Manches von mir erzählt hat." „Sie sprechen noch immer in Räthseln, mein Fräulein." „Nun wohl, ich stand in Berlin einer Familie Reicherssohn nahe, die Tochter Emilie war meine vertraute Freundin — als nun hier ein Dr. Kohn angesagt wurde, und dieser auf den ersten Blick Arno v. Hauenstein erkannte, da wußte ich wohl, daß das kein Andrer sein konnte als der Vetter meiner Freundin , von dem man so viel Liebes und Gutes erzählt hat." „Und da wären Sie am Ende das Fräulein Hulda von-" „Botho, meinen Sie, ganz richtig. Und Sie erschrecken nicht, daß ich es wage, hier ein heiliges Amt-" „Um Gotteswillen, Fräulein, wo denken Sie hin? Erschrecken? Wer wäre würdiger als Sie, dieses heilige Amt zu üben?" „Und man hat Ihnen nichts Böses über mich berichtet? Nicht, daß ich heimlich von Berlin entwichen und, wer weiß was für Gründe meiner Flucht unterschoben?" „Von Ihrer Flucht habe ich erfahren; aber gerade in meiner Familie ist man davon überzeugt, daß Sie schuldlos dastehen, daß irgend ein Schurkenstreich Sie aus Berlin gedrängt haben muß." „Nun Gottlob, daß man mir in den Kreisen, in denen ich so gern verkehrte, Gerechtigkeit widerfahren läßt; aber aufrichtig, Herr Doctor! Kennen Sie nicht einen von Natur sehr mißtrauischen Menschen, der durch jene Affaire noch mißtrauischer gegen mich gemacht wurde?" In diesem Moment regte sich der Kranke, er fing an unruhig zu werden, die Pulse jagten, und ein heftiges Fieber stellte sich ein. Die Unterhaltung war also abgebrochen, und Kohn hätte doch so gern über einen Zweifel, der Hulda's Gemüth so sehr zu peinigen schien, beruhigt, aber der Zustand des Kranken schnitt alle weiteren Erörterungen ab. Arno begann zu phantasiren bald im wilden Aufschrei, bald in sanften Tönen, je nachdem das erregte Seelenleben die Vergangenheit vor feiner erhitzten Phantasie auftauchen ließ. Besonders waren es die Namen: Hulda — Arno — Amanda, die häufig über seine Lippen kamen, und wenn er der Schwester gedachte, rief er: Rothkops — Schurke! und so schwirrte es wild und kraus durcheinander, bis der Kranke in Schweiß gebadet, ermattet in die Kissen zurücksank. Gegen Morgen senkte sich ein sanfter Schlaf auf Arno nieder, und Kohn glaubte die Krisis überwunden, empfahl die größte Schonung und bat Hulda, bei dem etwaigen Erwachen des Kranken zu verhüten, daß er sie erkenne. Bange Tage verlebten Arzt und Wärterin am Bette dieses geliebten Kranken, die größtmögliche Sorgfalt und Selbstverleugnung nur konnten Arno retten; gerade jetzt, da das Bewußtsein allmählich wiederkehrte, mußte die größte Sorgfalt angewendet werden, die geringste Gemütsbewegung konnte ihm Gefahr bringen, darum mußte Hulda auf's peinlichste sich hüten, daß sie von ihm erkannt werde, konnte ja vielleicht ihre Stimme schon eine alte Erinnerung an sie in ihm wecken, also auch diese mußte sie verstellen. Arno mußte, so ungern er es auch that, die Behandlung dem ersten Arzte überlassen, nur wenn der Kranke schlief, dann saß er lange an seinem Bette, um jeden feiner Athemzüge zu beobachten. Als noch vierzehn Tage vergangen waren, konnte Kohn erklären, daß Arno außer Gefahr sei; jetzt aber stand Hulda ein größeres Opfer zu bringen bevor als alle die, die sie durch ihre Hingabe und durch ihren rastlosen Pflichteifer gebracht hatte. Sie mußte die Pflege des geliebten Mannes andern Händen anvertrauen. Der Arzt drang aus zwei Gründen

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