Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 17 (27.4.1881)
- Date
- 1881-04-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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402 gewaltsam aus dem Gottesbau herauszureißen und die Lehrer solchen Unterrichts gehören zu den 'i 012 und zu den rrtro ‘i my. Kein andrer Unterrichtsgegenstand verlangt von dem Lehrer so entschieden das Durchdrungensein von der Sache als der Religionsunterricht. Der Lehrer soll das h. Gottesgesetz ganz und voll in sich ausgenommen haben; es muß klar und rein in seinem Geiste und durch Ueberzeugung in sein Herz und Gemüth übergcgangen sein, um auch fesselnd, anregend, begeisternd, überzeugend auf das Gemüth der Jugend zu wirken, bei der die einmal angeschlagenen Saiten ihrer zarten und leiäit empfänglichen Seele einen dauernden und wirkungsvollen Nachhall erzeugen, der entscheidend für ihre ganze nachherige religiöse Anschauungsweise wird. Denn schwer ist es später, im gereiften Alter, die einmal empfangenen falschen Eindrücke aus der Seele des Jünglings oder Mannes herauszureißen oder auch nur abzuschwächen. Darum ist es eine irrige Meinung, wenn man glaubt, cs sei schon genügend, daß der Lehrer nur orthodox unterrichte, mögen auch seine Anschauungen und sein Leben oft mit seiner Lehrweise in Eonflict gerathen. Fürwahr, es müßte schon ein geschickter Heuchler, ein vortrefflicher Schauspieler, ein vollendeter Gaukler sein, der immer konsequent, so inkonsequent sein könnte, daß nicht selbst einmal der scharfe, kritische Blick der Kinder, welche bekanntlich die strengsten Sittenrichter sind, ihn auf Widersprüchen ertappte! Bon dem Lehrer muß man sagen können: „1122 inn," „sein Inneres entspricht seinem Aeußeren!" Und Diesterweg, der große Pädagoge, sagt: „Was man nicht selbst in lebendiger Anschauung in sich trägt, kann man auch in Andren nicht zu lebendiger Anschauung erwecken. Darum ist es sehr wichtig und durch nichts zu ersetzen, daß der Lehrer in sittlicher, religiöser, ästhetischer, reinmenschlicher und socialer Beziehung ein Musterbild aufstelle. So viel er ist, so viel gilt sein Unterricht, sein erziehender Unterricht. Er selbst ist den Schülern der lehrreichste, unmittelbarste, ergreifendste Gegenstand der Anschauung." Gar lächerlich ist es aber, wenn eine Reformgemeinde einen „orthodoxen" Religionsunterricht verlangt. Wenn ein Anhänger der Reform das orthodoxe Judenthum, als für alte Zeiten passender, von sich abgeschüttelt, so kann er doch konsequentermaßen sein Kind in diesem alten Firlefanz nicht unterrichten lassen und ihm so den Weg zur „Aufklärung" versperren? — „Ja," sagen solche Leute, „mein Kind soll Alles, was zum Judenthum gehört, lernen; später kann es dann machen, was es will." — Aus solchen und ähnlichen Redensarten aber muß man doch ganz logisch folgern, daß jene Leute denn doch das „Alles, was zum Judenthum gehört," als einen wesentlichen Theil des Judenthums anerkennen, denn, was ich einmal als wirklich richtig anerkannt habe, vertheidige ich, und was sich als falsch mir darstellt, verwerfe ich. Ihr Gewissen muß also doch nicht mir jenen hochweisen Gedanken, mit welchen sie sich einzulullen pflegen, und die sie aus einzelnen abgerissenen biblischen und talmudischen Citaten zu mächtigen Wällen, zu ihrer Rechtfertigung aufgeworfen, wodurch unsre h. Thora als den „Errungenschaften der Wissenschaft" widerstreitend blosgestellt werden soll und so oft die erhabendsten Lehren und tiefsten Gedanken des Judenthums in den Staub gezogen werden, so ganz beruhigt sein, denn sonst würden sie doch ihren Kindern einen ganz ihren „Anschauungen" entsprechenden Religionsunterricht ertheilen lasten —, was denn wirtlich auch Biele thun: — sie lassen ihrenKindern gar keinen ertheilen! — „MeinKind braucht keinen Religionsunterricht!" Diese Letzteren jedoch sind schon wieder etwas weiter „fortgeschritten", sie stehen schon auf einer Stufe mit den Träumern von einer „Allerweltsreligion", deren ganzes Gesetzbuch nur die zwei Paragraphen enthält: „1. Humanität, 2. Moralität." Wenn sie aber auch nur diese befolgten und nicht nur so thun, als ob sie die humansten und sittenreinsten Menschen der Welt wären! Das; solche Ideen selbst in den Herzen ganz junger Leute Platz gegriffen haben, kann ich selbst aus eigner Erfahrung bestätigen. Wie muß cs um ihren Religionsunterricht geständen haben? Doch, ich bin weit davon entfernt, die ganze Schuld solcher Verirrungen auf die Schule zu wälzen. Nein! einen großen Theil der Schuld trägt das Elternhaus. - (Fortsetzung folgt.) Literarischer Bericht. Der Orient. Geschildert von Am and von S ch w e i g e r - L e r ch e n f e l d. Mit 200 Illustrationen in Holzschnitt und 32 Kartenbeilagen. Wenn schon für jeden Gebildeten der zum größten Theil klassische Boden des Orients ein hohes Interesse hat, um wie viel mehr muß er ein solches für uns Juden haben, deren Geschichte so eng mit jenen Ländern verknüpft ist, deren Wiege daselbst stand und deren Ahnen in der Centrale dieser Länder, in Palästina, ein selbstständiges und in jeder Beziehung hochentwickeltes Reich bildeten. — Wir wollen deßhalb schon heute die Aufmerksamkeit unserer Leser auf obengenanntes neue Prachtwerk lenken, welches demnächst in 30 Lieferungen ä 30 kr. 80 Pfennig in A. Hartlebens Verlag in Wien zu erscheinen beginnt. Die Schilderungen des prächtig