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Der Israelit · 1881-04-27 · Heft 17 (27.4.1881) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 17 (27.4.1881)
Date
1881-04-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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398 österreichisch-ungarische Flagge. Auch das deutsche Consulat war beflaggt. Die Straßen der Stadt waren meist leer und die Laden geschlossen; alle zwanzig Schritte stand aber eine aus einigen Mann bestehende Militärwache. Ucber den Synagogen der „Aschkenasim" und den Häusern und GeschäftSläden österreicknscher llnterthanen flatterten die Fahnen der österreichischungarischen Farben. Unter dem Thore saß mit mehreren anderen Efendis der Stadtbürgermeister und außerhalb des Thores bewegte sich eine bunte Menschenmenge eine halbe Stunde weit hinaus. Die Straße war zu beiden Seiten mit mehreren Reihen sitzender Zuschauer eingefaßt. Es waren weitaus zumeist die Frauen der Pilger und Einheimischen, welche auf den Garten- und Feldmauern oder im Schatten unterhalb derselben mit ihren Kindern saßen. Da die Sonne heiß niederbrannte, so waren überall Sonnenschirme aufgespannt. Das Ganze machte einen in dieser orientalischen Umgebung äußerst malerischen Eindruck. So wartete alles bis zum Abend. Etwa eine Viertelstunde vor dem Thore war die Straße mit einem Triumphbogen überspannt, der von den Israeliten erbaut worden war. Zu beiden Seiten des Bogens waren kleine Gemächer angebracht, in denen die Decken und Verzierungen der Gesetzesrollen der verschiedenen Synagogen als eine Art Trophäen aufgehängt und ausgestellt waren. Die Straße entlang standen auserwählte und festlich gekleidete Knaben aus den jüdischen Schulen, jeder mit einer Fahne. Die Lehrer und Rabbinen waren auch da und überhaupt eine dichte Menschenmenge. Aus der Höhe, wo man, wenn man von Jaffa kommt, die heilige Stadt zuerst erblickt, stand das türkische Militär mit allen höheren Offizieren. Das Militär war stärker durch die Offiziere als durch die Mannschaft vertreten. Alle sahen gut aus und waren besonders gut bekleidet. Es schien, daß alle zu diesem Anlasse neue Monturen bekommen hatten. Auch die Stadtsoldaten (das heißt Stadt-Polizeidiener oder Sabdies). waren gut gekleidet. Die außerhalb der Stadt liegenden deutschen Anstalten hatten die deutsche und die österreichischen Schutzbefohlenen aus ihren Häusern die österreichisch-ungarische Flagge aufgehißt. Gegen halb 4 Uhr kam der Kronprinz mit Gefolge bei den ersten, zu Jerusalem gehörenden und in den letzten Jahren von Israeliten neuerbanten Häusern an, die den Namen „Haus Jakob" tragen. Hier hatte sich die ungarische israelitische Gemeinde mit ihrer Schule ausgestellt, die einen kurzen Hymnus sang, während dessen der Kronprinz den Wagen, in welchem er fuhr, halten ließ. Oben auf der Anhöhe stieg der Kronprinz, als er der Stadt ansichtig wurde, ab, kniete nieder, betete und neigte sich tief zu Boden. Alle Personen seiner Begleitung, auch die Pascha's, waren abgeftiegen. Er bestieg dann ein bereit stehendes Pferd und so thaten alle Begleiter und die anderen anwesenden Herren. Die Militärmusik begann zu spielen und der ganze Zug setzte sich ohne weiteren Aufenthalt in Bewegung. Der Prinz war in Uniform rmd ritt allein; er schien etwas sonnverbrannt zu sein, sah aber sehr frisch und jugendlich aus und grüßte stets nach rechts und links. Hinter ihm ritt der kaiserliche General-Consul Graf Caboga in Maltescr-Nitter-Uniform, der Großherzog von Toscana und Gras Schönburg, kcum die anderen distinguirten Personen und schließlich das ganze Gefolw des Kronprinzen. Als der Kronprinz sich dem Thore näherte ertönten in abgemessenen Zwischenräumen die Salut-Kanonenschüsse von der nahen Davidsburg. Vor dem Thore stiegen der Kronprinz und alle ihn begleitende Herren ab, kein Pferd ward hereingelassen und als der Prinz mit dem Gefolge und der Elite der Begleitung innerhalb des Thores angekommcn war, wurde dasselbe geschlossen. Abends waren alle Gebäude der israelitischen Gemeinde und die Kuppeln der großen Synagogen glänzend illuminirt. Auf dem von Baron Rothschild in Frankfurt a. M. erbauten Gebäude der Armen- und Pilgerwohnnngen auf dem Berge Zion prangte ein schönes Transparent, welches die Worte „Kronprinz Rudolph" trug; ein solches war auch ans der Kuppel der großen Synagoge zu sehen Heute besuchte der Kronprinz in Begleitung seines Gefolges, sämmtlichcr Consuln, wie auch der türkischen Civil- und MilitärgouverneurS von Jerusalem die große Synagoge rva woselbst er von allen Rabbinen und Vorständen empfangen wurde. Der Oberkantor sang ein sehr schön, intonirtes Gebet und recitirte nywn?nun für den Sultan, das österr. Kaiserpaar und den Kronprinzen in hebräischer Sprache. Die Synagoge war glänzend ausgeschmückt und beleuchtet. Der Kronprinz dankte freundlich für das Gebet und beit Empfang. In der Synagoge wurde ihm auch eine kunstvoll ansgestattete, in Olivenholztafeln gebundene Adresse überreicht. C. Feuilleton. Ukiba. XVII. Marcus Coccejus Nerva empfing die Fremden aus Judäa mit der größten Freundlichkeit und wies ihnen eine Wohnung in seinem Palafte an. Nerva gehörte zu den angesehensten Senatoren und hatte zweimal das Consulat bekleidet. Er war bereits ein bejahrter Mann und zählte 64 Jahre; auch war er Mitglied des geheimen Raths des Kaisers.

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