Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 17 (27.4.1881)
- Date
- 1881-04-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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397 eines jeden einzelnen Gemeindevorstandes verpflichtend werden für die Gesammtgemeinde, ohne Rücksicht auf das bestehende religiöse Gesetz, auf den thatsächlichen Brauch der Gesammtjudenheit, auf die Lhatsächliche Ausübung in den Ländern des Reiches, also einerseits die Gesammtjudenheit aufzulösen in einzelne Gemeinden und dann wieder in den einzelnen Gemeinden die Mehrheit einer weder durch Gesetz, Stellung, Wissenschaft controllirbaren Körperschaft als höchstes Forum, dessen Ausspruch für den Einzelnen und Einzelne trotz nachweisbarem, besserem Wissen, trotz Hinweises auf bisherigen Brauch unappellirbar verbindend sei, anzuerkennen, ist eine Monstrosität, wie sie grausamer und verderblicher nicht denkbar ist. Dieses Monstrum einer Ordnung „der Rechtsverhältnisse der israel. Gemeinden nach Außen", wie der Entwurf so harmlos überschrieben ist, in Wahrheit aber die gröbste Vergewaltigung alles religiösen Lebens im Innern enthält, wurde auch in einer ihm entsprechenden Weise eingeleitet. Bei der Besprechung erließ sich Herr Reichsrathsdeputirter vr. Kuranda, Vorsteher der Wiener Gemeinde, in Schmähungen und Verhöhnungen der ey'Pp min der not>nn -nan, wie solches bei solch' feierlicher höchst officieller Gelegenheit noch nicht gehört wurde. Wie schrecklich muß der mn r«jr bei unseren eigenen abgefallenen Stammesgenossen sein, wenn ein Kuranda, der auf so vielfachen Gebieten der Literatur, der Bildung. der Politik und des allgemeinen bürgerlichen Lebens unbestreitbare, hohe Verdienste hat, gerade in seiner Wirksamkeit auf dem heimischen Boden r.pasriD enp jri, dem doch Dr. Kuranda der Abstammung nach angehört, von solch' blindem, wüthendem Haß erfüllt sein konnte. Es war nicht der Vorsteher der größten israel Gemeinde des Reiches, nicht der Vorsteher Wiens, jener Stadt, in welcher unsre Vorfahren so oft die Feuerprobe ihrer Strenggläubigkeit abgelegt, jenes «rv des iw yn?, jenes des Rabbi -yo"r.enyu jipdp und der glanzvollen Reihen der piw und D’pnpn d’dj-i?, die als Sterne erster Größe an dem geschichtlichen Himmel Israels alle Zeit glänzen werden, den man glaubte zu hören: man mußte annehmen, Prof. Roling hätte seinen Talmudjuden im vertrauten Kreise mm Besten geben wollen, die Personification der Antisemitenliga hätte das Wort genommen in sachverständiger Vertretung der israel. Gemeinden des großen österreichischen Reiches, myoip -pp dpt«? u«! Neben dem verschlägt es dann wenig, wenn Herr Baron Königswarter, der Sohn und Nachfolger Jonas Königswarter's, wie schmerzlich es auch sein mag, das orthod. Judenthum ganz leichthin, kavaliermäßig und mit gänzlichem Mangel an Sachkenntniß auf'S Korn nimmt. Schließlich faßt der Herr Baron seinen Ideenreichtum für das hilfsbedürftige Judenthum in dem Vorschlag zusammen: eine ähnliche Institution wie das französische Consistorium in Oesterreich zu begründen. Dieser Vorschlag wurde allgemein abgelehnt — der reichere Jude 'ist nicht nur nicht immer der Bessere, ist auch nicht immer der Gescheidtere, dürste sich der Regierungscommissär gedacht haben. Zum guten oder eigentlich schlimmen Ende hat auch ein Herr Baumgarten, ein weiser Wiener Literat und neuestes Gemeindevorstandsmitglied, sein Lichtlein leuchten lassen und gegen die gefürchtete Trennung deklamirt, daß nicht die bessere, wahre Mutter das Kind theilen wollte. Warum hat der brave Mann dies nicht gesagt, als der Wiener Vorstand beschlossen, die Wiener Gemeinde thatsächlich von allen nSnpo zu trennen und die Leugnung n'pD n«p? dekretirt. Wenn wir schon den hier nicht ganz passenden Vergleich gelten lassen sollen, so kann es doch nur geschehen in dem erhabenen Sinn, wie ihn P cma« parabolisch gebraucht,! inn pp) non us o ttp ’n 'p' p?p« d'Dvt to Dieses Eitat paßt also schlecht in dem Munde eines Vertreters der heutigen Wiener Gemeinde. Möge der Allgütige Alles zum Guten wenden! Palästina. Jerusalem, 30. Marz. Gestern Nachmittag hat bei herrlichstem Wetter und unter dem Jubel der Bevölkerung und der gerade zahlreich hier anwesenden Pilger, Kronprinz Rudolph von Oesterreich seinen Einzug in die heilige Stadt gehalten. Es waren Vorbereitungen zu seinem Empfange getroffen worden, die man unter den hiesigen Verhältnissen außerordentlich nennen muß. Die Straßen der Stadt wurden durchaus gereinigt: überall, wo man hinkam, erblickte man eifrig beschäftigte Arbeiter, selbst im „Heran Escherif" — dem alten Tempelplatze — und die großen Moscheen sind noch nie so sauber und aufgeräumt gewesen, wie dieser Tage. Die Straßen vom Jaffa-Thore all, wurden mit einer Schichte feuchten gelben Sandes bedeckt, der sich bald hart trat und so einen guten Weg bildete. Die Kasernen und andere Gebäude wurden geweißt, die türkische Flaggenstange auf dem Davidslhurme angestrichen und' zwar grüll. Am Montag rückten die Truppen mit Musik aus, um die Probe der Aufstellung und der Ehrenbezeugung zu machen; ebenso die Polizeidiencr oder Madsoldaten. Nach mehrerell Regentagen und schneidend kalter Luft und starken Stürmen war das Wetter sehr schön und warm geworden; die ganze Landschaft prangt in üppigem Grün, allch der sonst altersgrau aussehende Oelberg hat sein Festkleid angezogen und schaut freundlich auf die Stadt hernieder, während noch in der letzten Woche feuchte Nebel seine Spitzen verschleiert hatten. Ueber dem österreichischen Hospiz flatterte die