Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 17 (27.4.1881)
- Date
- 1881-04-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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395 Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Mainz, 13. April. Nach einem Berichte der „Times" befanden sich auf der vom Erdbeben zerstörten Insel Ehios auch fünfzig israel. Familien. Fürth, 12. April. Sie haben bereits Ihren Lesern von dem großen Verluste Kunde gegeben, welchen unsre Gemeinde durch das Hinscheiden des verewigten Rabbi Menki Zimmer y"j erlitten hat. Gestatten Sie mir heute, Ihnen einige Notizen über den allgemein tief Betrauerten mitzutheilen. Rabbi Menki Zimmer war ein Schüler des hochberühmten Rabbi Wolf Hamburg v"p"i"L",; schon als 13jähriger Knabe wurde er von seinem großen Lehrer bevorzugt. Bald nachher entbrannten die religiösen Streitigkeiten in unsrer Stadt auf das Heftigste. Die Gemeinde wählte einen Reformrabbiner, den Dr. Löwi, gegen dessen Erwählung Rabbi Wolf Hamburg yp'V's"! auf das Energischste protcstirte. Bei diesen Kämpfen stand ihm sein damals 17jähriger Schüler thatkräftig zur Seite, und war es namentlich diesem zu verdanken, daß trotz des Reformrabbiners die religiösen Institutionen in unsrer altehrwürdigen Gemeinde in ihrer vollen Integrität erhalten blieben. Rabbi Menki Zimmer widmete sich später dem kaufmännischen Berufe und bewährte auch hierin seine großen Geistesgaben. Vor Allem zeichnete er sich durch strenge Rechtlichkeit in Handel und Wandel ans, und war sein kaufmännisches Gebühren derart, daß es stets als eine Heiligung des göttlichen Namens, als ein D'njn 'ryP dkm tyrrp betrachtet werden konnte. So war überhaupt sein ganzes Leben. Sämmtliche Vorschriften unsrer heiligen Religion, auch die scheinbar geringfügigsten, beobachtete er mit der größten Sorgfalt. In Verbindung mit seiner edlen Gattin ‘nv, einer wahrhaften np«, erzog er seine Kinder DMDn htdjj mmX Den Armen war sein Haus stets weit geöffnet, und zu der Gabe fügte er Trost und freundlichen Zuspruch. Viele Hunderte hat er in den Abrahams-Bund ausgenommen. Vor Allem aber galt sein Fleiß und sein Eifer dem Studium der heiligen Gotteslehre, dem er den größten Theil seiner Nächte widmete. Was der Verewigte für unsre Gemeinde geleistet, ist kaum zu beschreiben. Ihm verdanken wir die vorzügliche Einrichtung unsrer Fleischbänke; unter seiner Mitwirkung wurde von dem hochberühmten Rabbi Mendel Kargau p"rr"i, dem Verfasser des mno Hn'Z, die Mikwah eingerichtet; ihm verdanken wir die Herstellung der Eruw-Drähte. Unter unablässigen Kämpfen hielt der Verewigte die religiösen Einrichtungen bei der Todtenbestattung aufrecht. — Vor ungefähr 30 Jahren machten sich gewissenlose Leute ein Geschäft daraus, den Landgemeinden unter falschen Vorspiegelungen ihre unbrauchbar gewordenen Thora-Rollen abzukaufen und diese an die Goldschläger als altes Pergament zu verkaufen. Rabbi Menki Zimmer war es, welcher dieses verabsckeuungswürdige Verfahren an die Oeffentlichkeit brachte und diesem unsauberen Geschäfte ein Ende machte; durch seine Vermittelung wurden die heil. Thora-Rollen, die noch zu retten waren, ausgelöst. Auch die hiesige Waisenanftalt, welche gegenwärtig unter der umsichtigen Leitung des Herrn Dr. König s h ö f e r blüht und gedeiht, verdankt dem Verewigten den Aufschwung, den sie genommen. Er war im wahrhaften Sinne des Wortes ein Vater der Waisen, und länger als 40 Jahre gehörte er der Verwaltung des Instituts au, dem er seine besten Kräfte widmete. Das Hauptverdienst, welches sich der Verewigte um unsre Gemeinde erworben, ist die Gründung der israel. Bürgerschule, in welcher die Jugend in die heilige Wissenschaft unsrer Gotteslehre eingeführt wird, während sie zugleich mit genügenden Kenntnissen in den profanen Unterrichtsfächern ausgestattet wird. Diese Schule, deren erster Leiter Herr Dr. Auerbach, gegenwärtig Rabbiner in Halberstadt, war, und die jetzt unter dem Directorate des Herrn Dr. Dessau steht, ist das schönste Denkmal, welches der Unvergeßliche seinem edlen und gottgefälligen Streben gesetzt hat. Schon hat das Central-ComitL für palästinensische Angelegenheiten zu Amsterdam in diesen Blättern die großen Verdienste anerkannt, die Rabbi Menki Zimmer sich um die Armen des heiligen Landes erworben hat. Es ist nur Weniges, was ich aus dem Leben dieses großen und bedeutenden Mannes mitgetheilt habe; ich könnte noch Vieles hinzufügen, wenn ich nicht fürchtete, den mir gegönnten Raum zu überschreiten. Allein aus dem Wenigen ersehen die geehrten Leser, welch' großen Verlust unsre Gemeinde erlitten. Nur der Trost ist uns geblieben, daß die Brüder und Söhne des uns Unvergeßlichen in seinen Fußtapfen wandeln und die große Lücke, die der' Tod hier gerissen, auszufüllen sich bemühen werden. Er selbst aberlebt in seinengroßen und edlenThaten ewig fort. Berlin, 14. April. Die gestern Bismark übermittelte Antisemitenpetition erhielt in ganz Deutschland 255,000 Unterschriften; in Berlin 12,000, in Württemberg, Baden und Hohenzollern 7000, in