Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 17 (27.4.1881)
- Date
- 1881-04-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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394 Am Sabbat war der Mensch losgelöst von allen Sorgen und Kümmernissen. Nun nahet die Werkzeit wieder mit all' den Hindernissen und Wirrnissen des Alltaglebens. Da tritt uns nun der Schlußvers des 90. und der 91. Psalm entgegen, um uns im Vertrauen auf unfern allmächtigen Beschützer zu bestärken. „Mögen auch tausend fallen an deiner Seite und zehntausend zu deiner Rechten, zu dir wird das Schlimme nicht herantreten können. Seine Engel wird er dir entbieten, dich zu hüten auf allen deinen Wegen. Mit langem Leben werde Ich ihn sättigen und ihn schauen lassen Meine Hilfe." Und nun kommen Verheißungen der Erlösung, des Segens, des Friedens und des Glückes. Nachdem die Heiligung Gottes ausgesprochen, werden aus der heiligen Schrift die wundervollen Aussprüche des Gottessegens citirt, wie sie den Vätern zu Theck geworden und wie sie uns verheißen wurden. Gottes Güte ist unerschöpflich. ]m -mm ]-■> —;m. Er wird geben und iininer wieder geben Und zum Schlüsse der 128. Psalm, in welchem das Glück des Frommen, der von den Mühen seiner Hände sich nährt, und das wundervolle jüdische Familienleben verkündet wird. Auch im Schoße der Familie wird dem Sabbat eine Abschiedsfeier bereitet, rß-Gn. Vier Segenssprüche sind es, die sich daran knüpfen: über den Wein, der das Herz erfreuet, über den Duft der Gewürze, der die Seele erquicket, über das Licht, das die Augen erleuchtet, und über die Verstandeskraft, die uns befähigt, das Heilige von dem Unheiligen zu unterscheiden. Es ist die Zeit, in welcher Gott einst bei Beginn des Schöpfungswerkes das Licht hat erstehen lassen, das Licht, durch welches die Unterschiede wahrgenommen werden können. Die Freude des Herzens, die uns der Sabbat gebracht, die Verklärung des seelischen Lebens, die uns an ihm zu Theil geworden, das Licht des Geistes, das der Sabbat uns hat leuchten lassen, die Zunahme an Verstand, die uns das Studium der heiligen Gotteslehre gebracht hat, — diese erhabenen, unschätzbaren Güter begleiten uns in's Alltagsleben. Wir haben uns im Vorstehenden bemüht, die Feier des Sabbats nach allen Seiten hin zu beleuchten und die hohe Wichtigkeit derselben unfern geehrten Lesern und Leserinnen an das Herz zu legen. Wir wollen diese Abhandlung mit einer Erzählung unsrer Weisen (Sabbat 119 a.) schließen: Rabbi Chija bar Abba erzählte: Einst war ich als Gast bei einem Manne in Lydien. Am Sabbat brachte man einen goldenen Tisch, an welchem sechszehn Menschen schwer zu tragen hatten; daran waren sechszehn silberne Ketten befestigt, und auf ihm befanden sich Schüsseln, Becher, Schaalen und Flaschen, gefüllt mit allen Arten von Speisen, Getränken und Gewürzen. Wenn die Träger den Tisch uiedersetzten, so sprachen sie: Dem Ewigen ist die Erde und was sie füllt, die Welt und ihre Bewohner. Und wenn sie den Tisch wieder hinwegnahmen, so sprachen sie: Die Himmel sind Gottes Himmel; aber die Erde hat er dem Menschen gegeben. — Mein Sohn, fragte ich den Hausherrn, wie bist du zu allem diesem Reichthum gelangt? — Und dieser antwortete: Ich bin ein Metzger gewesen, und wenn mir ein besonders schönes Stück Vieh vorkam, so bestimmte ich es für den Sabbat. — Da sagteich zu ihm: Heil dir, daß du das Alles erlangt hast, und gelobt sei Gott, der dich also gesegnet hat. Literarisches. Die Verlagsbuchhandlung von Eduard Hallb erger in Stuttgart wird im Laufe dieses Monats die ersten Lieferungen eines neuen, großartigen Prachtwerkes heransgeben, von dem uns soeben der Prospcct zugeht und das wohl geeignet erscheint, in weiten .Kreisen das lebhafteste Interesse zu erregen. Es handelt sich um ein „Palästina in Bild und Wort", welches zugleich in England, Deutschland, Frankreich und Amerika erscheinen, und von hervorragenden Künstlern auf's Reichste illuftrirt, den Beschauern und Lesern ein vollständiges Gemälde der Schauplätze der biblischen Bücher (auch die Sinaihalbinsel und Gose» finden eingehende Berücksichtigung) vorführen wird. Die deutsche Ausgabe des von den größesten englischen Palästinaforschern Wilson, Holland, Triftram, Warren, Eonder, Jessnp, Rogers u. A. verfaßten Grundtextes besorgt Georg Ebers in Gemeinschaft mit seinem Leipziger Collegen Hermann Guthe, dem Leiter der Zeitschrift des aufblühenden Vereins für Palästinakunde. Dies neue Prachtwerk wird keine bloße Nachbildung des britischen Originals sein, sondern — dafür bürgen die Namen der Herausgeber, von denen sich der eine auf dem Weg nach Jerusalem befindet — auch die deutsche Forschung besonders berücksichtigen und dem englischen Palästina .in mehr als einer Beziehung den Rang ablaufen. Das Werk werden 40 prachtvolle Stahlstiche und gegen 600 Holzschnitt- Illustrationen schmücken. Trotz dieser glänzenden Ausstattung ist sein Preis ein verhältnißmäßig billiger. Es erscheint in ca. 56 reich illustrirten Lieferungen groß Folio und kostet die Lieferung nur 172 Mark.