Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 15-16 (13.4.1881)
- Date
- 1881-04-13
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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366 affen und als die Bewunderer und Verehrer des schönen Tänzers die von seinem Blute befleckte Stätte mit Blumen bestreuten, wurden sie ergriffen und zum Tode vcrurthcilt. Die ungetreue Gemahlin war in die Verbannung geschickt worden; aber Domitian konnte die Trennung von ihr nicht ertragen und hatte sie wieder zu sich berufen und sie, wie cs in dem betreffenden Dccrete heißt, seinem „heiligen Pulvinar" zurückgegeben. Man kann sich denken, daß diese Vorgänge den Spott der Römer berauswrderten. Es war eine Satyre erschienen und Helvidius Priscus war beschuldigt, der Verfasser derselben zu sein. Die drei angeklagten Männer wurden zum Tode verurtheilt und in öffentlicher Senatssitzung im Beisein des Kaisers, der sich an ihren Todesqualen tveidete, hingerichtet, so daß das Blut der Gctödtcten die Gewänder der Senatoren bespritzte. — Jetzt folgte Schlag ans Schlag. Je freundlicher und liebevoller Domitian sieh gegen einen hervorragenden Mann benahm, desto sicherer durste derselbe seine baldige Hinrichtung erwarten. So überhäufte er den Eonsnlaren Arretinus Clemens mitGnnstbezeugnngen, und während er sich mir demselben in einer Senfte spazieren tragen ließ, begegnete ihm einer seiner Delatoren (Angebern Der Kaiser ließ die Senfte halten, rief den Delator herbei und beauftragte ihn, einen Grund zur Anschuldigung gegen seinen Nachbar in der Senfte zu ersinnen. Am anderen Tage wurde Arretinus angeklagt und hingerichtet. Auch Domitians erasser Aberglaube forderte viele Opfer. Wenn irgend einer der vielen Wahrsager in Rom irgend einem Römer den Purpur prophezeite, so wurde der mit solcher Prophezeiung Bedachte hingerichtet, sobald dieses zu den Ohren des Kaisers gelangte. Gin Vetter Domitians, Flavins Sabinns/war zum Eonsnl ernannt worden. Der die Ernennung verkündende Herold irrte sich und sagte statt Eonsnl „Imperator". Der Jrrthum des Herolds kostete Flavins Sabinus das Leben. So waren die Zustände in Nom als die vier Nabbincn daselbst ihren Einzug hielten. „Wollen wir nicht", sagte Rabbi Josua, „zuerst unfern Freund, den Philosophen Artemidorns, aufsuchen? Die Philosophen, von denen Domitian viele mit Tod und Verbannung gestraft hat, sind unsere natürlichen Bundesgenossen." „Nein," antwortete Nabbon Gamliel, „wir wollen uns zunächst zu Demjenigen begeben, der unsere Reise nach Nom veranlaßt hat. Führe Mts in das Haus des Flavins Elemens, Akiba!" Flavins Elemens und seine Gemahlin Domitilla empfingen Rabbi Akiba und dessen Gefährten auf das Herzlichste. „Meine verehrten Gastfreunde," sagte Rabbi Akiba, „hier ist der Fürst Israels, Rabbon Gamliel, der Lehrer und die Leuchte unsres Volkes; und hier ist mein verehrter Lehrer Rabbi Josua, dessen Licht wie die Sonne leuchtet; und hier mein junger Freund und Genosse Eleasar, zugleich der Stolz und die Hoffnung meines Volkes. Wir sind Eurem Ruse gefolgt, den Ihr uns durch unseren Bruder Taddäus gesandt habt, um mit Euch zu berathen, wie wir unter göttlichem Beistände das schwere Geschick abzuwenden vermögen, das unserem Volke droht". „Seid mir willkommen", sprach Elemens, „meine Freunde, meine Lehrer. Ich nenne Euch so, weil Domitilla und ich entschlossen sind, das Jndenthum zu bekennen, wiewohl Domitian ein solches Bekenntniß mit dem Tode bestraft. Von den Göttern der Römer haben wir uns längst losgesagt." „Ucbcrlcge, o Herr", sagte Rabbon Gamliel, „diesen Entschluß, ehe Tn ihn ausführst. Die Frommen aller Nationen fjohen Antheil an der zukünftigen Welt und wenn Ihr von den Götzen Euch losgesagt habt, Euch freihaltet von Mord und Ehebruch, kein Fleisch von lebendigen Thieren genießet, den Namen Gottes nicht lästert, Eure Hände rein haltet vom Unrechten Gute und Gerechtigkeit übet, so bedarf cs des förmlichen Ucbertrittcs zum Judenthum nicht, um Euch der ewigen Seligkeit theilhastig zu machen." Während Nabbon Gamliel sprach, hatte Domitilla Trauben und andere Früchte herbcigcholt, die sie den Nabbinen vorletzte. „Verzeiht", sprach sie, „daß ich Euch nichts Anderes vorsetze. Wohl habe ich bereits mein Hans nach jüdischer Sitte einrichten lassen; aber ich fürchte, Ihr werdet andere Speisen nicht bei uns genießen, weil wir ihatsächlich noch nicht zum Judenthnm übcrgetretcn sind." Die Nabbinen setzten sich nieder und aßen von den Früchten, welche Domitilla ihnen anbot. Und nun mußte Rabbi Akiba erzählen von Allem, was sich ihm ereignet hatte. Als er von dem Tode seines Lehrers Nachum berichtete, vergoß Dpmitilla heiße Thränen. „Auch wir haben Schweres erduldet" sprach sie. „Unsere beiden Söhne . . ." Thränen erstickten ihre Stimme. „llnsere beiden hoffnungsvollen Söhne" nahm Elemens das Wort „sind in der Blüthe ihrer Jugend gestorben. Eine berrliche Zukunft lächelte ihnen. Domitian liebte sie und wollte den älteren von ihnen, der seines Vaters Namen trug, adoptiren." „Ich beklage ihr Loos nicht", sagte Domitilla, die ihre Thränen getrocknet hatte. „Es ist besser, jung zu sterben, als Kaiser dieses großen Reiches zu sein. Mein Ohm Domitian war einer der best-