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Der Israelit · 1881-04-13 · Heft 15-16 (13.4.1881) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 15-16 (13.4.1881)
Date
1881-04-13
Page
– (sequence 15)
Language
German
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367 angelegten Menschen. Als er Kaiser wurde, war es sein heißes Streben, dieses große Reich zu beglücken durch eine gute und kräftige Regierung, durch weise und wohlwollende Gesetze. Und welche Wandlung ist mit ihm vorgegangen! Als er die Regierung antrat, sprach er: Wer den Delatoren seine Verachtung nicht bezeigt, ermuntert sie. — Anfangs verfuhr er nach diesem Grundsätze; aber bald stellte es sich heraus, daß er die Delatoren nicht entbehren konnte. Seit der Empörung des Sartorius Antoninus, des Feldhcrrn in Germanien» wittert er überall Verschwörungen. Der Gedanke, daß jeder Römer sich berechtigt glaubt, nach dem Purpur zu streben, läßt ihm keine Rübe. Er muß um die! Gunst des Volkes buhlen und für kostspielige Vergnügungen sorgen Er muß sich die Liebe der Le-; gionäre durch reichlichen Sold zu erhalten suchen. Dadurch werden die Staatskassen geleert, und um sie wieder zu füllen, müssen die Provinzen unter Erpressungen leiden und die reichen römischen Bürger werden unter nichtigen Vorwänden zum Tode ge- - ■ ährt, damit ihr Vermögen dem Fiscus^anheimfalle. Deßhalb preise ich das Loos meiner dröhne glücklich, weil sie diesen schrecklichen Versuchungen durch einen frühen Tod sind entzogen worden/' „Ich bewundere," sprach Rabbi Iosua „den Edelmuth Deiner Gesinnung, o Herrin. Du verdienst cs, daß Du Dich unter die Fittige der göttlichen Majestät begebest und eine Tochter Juda's werdest". „Laßt uns", sprach Rabbon Gamliel, „von dem Zwecke unserer Reise reden, und von dem, was wir thun können, um den Zorn des Kaisers von uns abzuwenden." „Die Gesinnung Domitians gegen die Juden zu ändern," sagte Clemens, „liegt nicht im Bereiche der Möglichkeit. Er haßt die Juden, weil sie die Feinde seiner Götter sind, gerade so wie er die Philosophen haßt. Dazu ist in neuerer Zeit noch etwas Anderes gekommen. Man sagt, der schöne Tänzer- Paris, der das Weib des Kaisers verführt hat, sei ein Jude gewesen. Mit Bestimmtheit weiß man nichts darüber. Wenn er ans jüdischem Stamme war, so war er sicherlich ein abtrünniger Jude. Allein für Donlitian ist das Grand genug, alle Juden zu hassen und aus das Aenßerste zu verfolgen. — Ich kenne nur ein Mittel, die Juden zu retten, und dieses einzige Mittel ist: der Tod des Tnrannen." Clemens hatte mit feierlichem Ernste gesprochen. Entsetzen malte sich auf den Gesichtern seiner jüdischen Zuhörer. „Wenn Gott ihn straft", sprach Rabbou Gamliel, „so werden wir seinen Tod als unsere Rettung - begrüßen; aber unsere Hand wird nicht dazu beij tragen, den Tod des Kaisers herbeizuführen. Das! Gesetz unseres Gottes verbietet uns die Tödtung selbst des grausamsten Herrschers." „Die Verhältnisse liegen günstig," antwortete! Elemens. „Die edelsten und besten Bürger ersehnen nichts heißer, als daß das Mordschmert der Hand j des Tyrannen entwunden werde. Wenn die zahl-! reiche jüdische Gemeinde sich bewaffnen und die Fahne des Aufruhrs aufpstauzen wollte, so würden alle edle Männer für die Juden Partei ergreifen, und die Macht Domitians wäre bald zu Ende." „Wir können Deinem Worte nicht zustimmeu," nahm Rabbi Elasar ben Asarja das Wort, „wir dürfen keine Schritte thun, die unseren Verfolgern den Vorwand liefern würden, uns zu vertilgen. Rur von gesetzlich erlaubten Mitteln dürfen wir Gebrauch machen, um uns und unser Volk zu retten." „Ich fürchte," antwortete Elenwns, „daß es kein gesetzliches Mittel gibt, um einen römischen Imperator von seinem Entschlüsse abznbringen. Und Ihr, wollt Ihr, da das Verderben ganz Israel bedroht, davor znrückschrecken, der Gewalt Gewalt entgegenznsetzen r" „Gott wird uns nicht verlassen", sagte Rabbi Akiba. „Es heißt in der heiligen Schrift: Wie die vier Winde habe ich Euch ausgcbrcitct. — Wie die Welt der Winde nicht entbehren kann, so kann sie Israels nicht eutrathen. Gott wird uns Mittel und Wege zeigen, wie wir die Gefahr in weniger gewaltsamer Weise abznwenden vermögen." „Roch ist kein definitiver Entschluß gefaßt," sagte Elemens. „Wir können daher noch abwarten. Wo habt Ihr Quartier genommen?" „Unser erster Weg galt Dir," antwortete Rabbon Gamliel. „Ich rathe Euch nicht," sprach Elemens, „in dem Hause eines Inden zu wohnen, damit Ihr den Spähern des Tnrannen nicht ausfallet. Ich werde Euch durch meinen .Hausverwalter in das Hans eines unverdächtigen römischen Bürgers führen lassen. EoccejnS Rerva wird Euch mit Freuden gestatten, in einem seiner Häuser zu wohnen." Er klopfte dreimal mit einem an der Wand angebrachten Klopfer; nicht lange nachher erschien der Hausverwalter. „Dtcphanns," sagte Elemens zu diesem, „führe diese Männer in das Haus meines freundes Eocccjus Rerva und bitte ihn in meinem Namen, daß er ihnen gestatte, während der Zeit ihres Aufenthaltes in Nom in seinem Hanse zu wohnen." (Fortsetzung folgt.)

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