Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 15-16 (13.4.1881)
- Date
- 1881-04-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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geschenkten Vertrauens nicht wieder zu furchten sein wird. Nicht minder wesentlich ist uns die zweite unserer Forderungen; die Anstellung des Herrn Tr. Ehemann als Rabbiner der Gemeinde. Wir sehen von den sactischen Verpflichtungen, die uns ein auf eine Reihe von Jahren eingegangenes Engagement anferlegt, vollständig ab, erachten selbst unsere moralische Verpflichtung gegen unseren Rabbiner als untergeordnet im Vergleich zu der Schädigung unserer heiligsten Interessen, die wir uns gegen uns selber durch das Ausgebcn eines Mannes zu Schulden kommen ließen, der sich in einer Weise bewährt hat, wie es eben bei unserem Rabbiner der Fall ist. Ter bloße Name unseres Rabbiners bedeutet ein Programm, die rastlose Hingebung desselben an seinen Berns, die Lehr- und Kauzelthätigkeit, die uugewöhnliche Uneigennützigleit, die seltene Vereinigung strengster Eonsequcnz nut versöhnlichem, friedfertigem Leben und Wirken, diese und andere glänzende Vorzüge und Eigenschaften haben unseren Rabbiner jedem einzelnen Mitglied unserer Neligionsgcsellschast so werth und theuer gemacht, daß auch ,licht ein Einziger von uns 'für rinq Wiedervereinigung zu gewinnen wäre, bei welcher er aus unseren bisherigen Üiabbiner verzichten müßte. Wenn man uns auf die Wabl irgend eines anderen Rabbinen vollständig frei geben würde, so hätte sich ein solcher zu wählender Rabbiner doch imtnerhin erst noch zti bewähren, während sich der uuserige i\t einer Weise bewährt hat, die unsere größten Erwartungen zurückläßt. Tas Gemeiudestatut in einem das gesetzeslrene Princip wahrenden Sinne zu modisieiren, trägt allem Vorausgeschicktem seine Berechtigung in sieh selber und bedarf daher keiner weiteren Begründung. Falls von Seiten der Sonagogengemeinde diese : drei Punkte aceeptirt werden, scheint uns der Boden : für eine Vereinbarung gesunden.; Zn dieser Erwartung haben wir die Ehre zu; feil! X. JC. Tie Verwaltungskörper der Synagogengemeinde haben aus diese von der Religionsgesellschast gestellten Friedensbedingungen durch die Wahl eines Rabbiners! der Breslauer Schule geantwortet, und zwar mit einer i seltenen aber im vorliegenden Falle wohl berechneten j Hast. Zn der Synagogengemeinde selber entwickelte! sich nämlich eine sehr starke Bewegung zu Gunsten einer; Wiedervereinigung. Es circulirte eine von den angesehendsten Mitgliedern der Gemeinde ausgehende Adresse, j welche an die Repräsentanten das Ersuchen stellte, durch - die Wahl des Herrn Dr. Ehrmann die Wiedervereinigung der beiden Genicinden zu ermöglichen. Zahlreiche Unterschriften hatten schon die Adresse bedeckt, als die Verwaltung der Gemeinde davon unterrichtet, telegraphisch Herrn Dr. Zuckermandl berief und ihn sofort wählte, ehe noch jene Adresse zur Unterzeichnung bei sammtlichen gleichgesinnten Gemeindcmitgliedern circuliren und dieselbe überreicht werden konnte. So betrübend es nun auch sein mag, daß es den Freunden des Friedens aus beiden Seiten nicht nur nicht gelungen ist, ihre Bestrebungen verwirklicht zu sehen, sondern daß die Trennung durch diese neueste Vorgänge noch einen acuteren Ebarakter angenommen hat, so erfreulich ist doch die Klärung der Sachlage, welche bei dieser Gelegenheit;n Tage trat. T nrch diese Vorgänge ist nun zur Genüge constatirt, auf welcher Seite die Trennung provoeirt wurde und noch beule geschürt wird. Auch die vollendetste Schönfärberei wird folgende Thatsachen nicht vertuschen können. „Vor ca. 2 .Fahren wählten die Repräsentau- „ten der Svnagegengcmcinde einen Rabbiner der „Breslauer Schule. Daraufhin tritt ein großer „Theil der Gemeinde aus und constituirtc sich zu „einer Religionsgesellschast. Dieselben Repräsentan- „tcn wählten hieraus einen Rabbiner der Hildes- „hcimerschen Schule und nach dem Tode dieses Rab- „bincrs wählteir dieselben Repräsentanten wieder „einen Rabbiner der Breslauer Schule Y‘ Tie Religionsgesellschast dagegen ist ihrem Principe von der ersten Stunde ihres Bestehens an bis heute treu geblieben und wird es auch für alle Zukunft bleiben. Sie ist jeden Augenblick zum Frieden bereit, sobald sic dieses ihr Princip gewahrt weiß und beharrt unerschütterlich aus ihrem Standpunkte, solange ihrem Princip die Anerkennung versagt wird. Sie hat für die Ansrechlerhaitung dieses Princips schwere materielle Opfer gebracht und wird auch in der Zukunft nicht vor ihnen zurückscheuen. Sie hat in den wenigen Fabren ihres Bestehens sämmtliche Institutionen eines jüdischen Gemeindewesens geschaffen und wird mit Gottes Hilfe schon in allernächster Zeit zum Ban einer eigenen Synagoge schreiten. Tie jüdische Synagegcngemeindc in Trier ist mundtodt. Eine bestimmte Zahl von Vormündern bevormundet die Gemeinde und wählt heule einen Rabbiner der gesetzestreuen Richtung, morgen den Rabbiner einer Schule, deren erster Lehrer die Göttlichkeit unserer Thora leugnet. — Wer will es den Bevormundeten verargen, wenn ihnen die Allüren ihrer Vormünder zu theuer zu stehen kommen, und sie wegen der stets größer werdenden Gcmcindestencrn zu murren anfangen? — Am Samstag den 2. April hat deshalb der Vorstand der ^ynagogengemeinde die Herren Steuerzahler zu einer Versammlung berufen und ihnen plausibel zu machen gesucht, daß die Zukunft doch