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Der Israelit · 1881-04-13 · Heft 15-16 (13.4.1881) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 15-16 (13.4.1881)
Date
1881-04-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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359 zerrissen ihre Kleider und sprachen: Zion ist zur Wüste, zur Einöde geworden, unser heiliges, herrliches Haus, in welchem unsere Voreltern den allmächtigen Gott gepriesen haben, ist zum Schutthausen geworden und alle unsere Lust ist in Trümmer gegangen. Dann sprach Rabbon Gammel mit lauter Stimme: O Gott, es sind gekommen die Völker in Dein Eigenthum, haben verunreinigt Deinen heiligen Tempel, haben Jerusalem zum Schutthaufen gemacht, haben gegeben die Leichen Deiner Diener den Vögeln des Himmels zur Speise, das Fleisch Deiner Frommen den wilden Thieren, haben ausgegossen ihr Blut wie Wasser rings um Jerusalem, und Niemand begräbt. Wir sind zum Spott unsrer Nachbarn, unserer Umgebung zu Hohn und Verachtung geworden. Wie lange noch, o Gott? Willst Du aus ewig zürnen? Wird Dein Grimm denn ewig wie Feuer lodern? Geuß Deinen Zorn aus auf jene Barbaren, die Dich nicht kennen wollen, und auf Reiche, die Deinen Namen nicht anrufen, weil sie Jakob verschlingen und seine Wohnungen verheeren. Gedenke uns nicht vergangene Sünden; komme uns mit Erbarmen bald zuvor, denn wir sind verarmt gar sehr. Hilf uns, Gott, unser Helfer, um Deines Namens Ehre willen, rette uns, verzeihe uns unsere Sünden um Deines Namens willen. Warum sollen die Heiden sprechen: Wo ist ihr Gott? es möge kund werden unter den Völkern vor unfern Augen, daß Du nicht gleichgiltig das Blut Deiner Diener vergießen lassest. Es möge zu Dir dringen das Seufzen der von der Gefahr Bedrohten, befreie mit Deinen starken Armen die dem Tode Geweihten! Vergilt unseren bösen Nachbarn siebenfach die Lästerung, mit der sie Dich lästern, o Herr! Wir aber. Dein Volk, die Heerde, die Du weidest, werden Dich bekennen in Ewigkeit, den kommenden Geschlechtern Deinen Ruhm verkünden!" Schweigend halten die Andern ihm zugehört; jetzt brachen sie aufs Neue in Wehklagen aus, zerrissen nochmals ihre Kleider und riefen mit lauter Stimme: „Gelobt seist Du Ewiger, unser Gott, König der Welt, Du wahrhafter Richter! Der Fels, vollkommen ist sein Thun, denn alle Seine Wege sind Gerechtigkeit, der Gott der Wahrheit, an ihm ist kein Unrecht, gnädig und wohlwollend ist Er!" Dann gingen sie den Berg hinunter, bis sie an die Westmauer des heiligen Tempels kamen. Hier zogen sie die Schuhe von ihren Füßen und beteten in heißer Andacht. Plötzlich lief ein Fuchs herzu, aus der Gegend kommend, wo einst das Allerheiligste des Tempels gewesen war. Da erhoben die Weisen Israels ihre Stimmen und weinten laut; nur Rabbi Akiba schwieg; ein Lächeln verklärte sein Antlitz. Da sprachen die Weisen zu ihm: Akiba, warum lachst Du? — Dieser aber fragte: Und Ihr, meine Lehrer, warum weint Ihr: — Und sie sprachen: Im Allerheiligsten, das nur einmal im Jahr vom Hohenpriester in Reinheit und Heiligkeit betreten werden durfte, im Allerheiligsten, von dem es heißt: Und jeder Fremde, der hinzutritt, soll getödtet werden, dort laufen jetzt Füchse umher, und die Augen, die Solches sehen, sollen nicht überströmen in Thränen? — Meine Lehrer, antwortete Rabbi Akiba, gerade deßhalb freue ich mich. Es heißt in der heiligen Schrift: Und ich werde mir nehmen treue Zeugen, den Uriah, den Priester, und den Secharjahu, den Sohn des Berachjahu. — Wie kommen diese zwei zusammen? War nicht Uriah zur Zeit des ersten Tempels und Secharjah zur Zeit des zweiten Tempels? Aber die heilige Schrift knüpft die Weissagung des Secharjah an die Weissagung des Uriah. In Bezug auf Uriah heißt es: Fürwahr, um euretwillen soll Zion wie ein Feld umgepflügt werden, wird Jerusalem eine Einöde und der Tempelberg zu bewaldeter Höhe werden*). — In Sechariah aber steht geschrieben: Also hat der Ewige gesprochen: Ich kehre zurück nach Zion und throne in Jerusalems Mitte; dann wird Jerusalem genannt werden Stadt der Wahrheit, und der Berg des Herrn der Heerschaaren, der heilige Berg. Also hat gesprochen der Ewige Zebaoth: Wiederum werden wohnen Greise und Greisinnen in den Straßen Jerusalems, auf ihre Stäbe sich stützend wegen ihres hohen Alters: und die Straßen der Stadt werden sich füllen mit Knaben und Mädchen, die in ihren Straßen Spielen. Solange noch die Weissagung in Bezug auf Uriah nicht erfüllt war, mußte ich fürchten, daß auch Secharjah's Verheißung unerfüllt bleibe. Jetzt, da das heilige Haus ein Wald geworden, ein Aufenthalt der Füchse, wie es Gott um Uriah's willen verheißen, jetzt dürfen wir der festen Uebei^eugung leben, daß Gott Sein heiliges Haus und Seine heilige Stadt wieder ausbauen wird, wie Er es durch Seinen Propheten Secharjah hat verkünden lassen." Und die Weisen sprachen: „Du hast uns getröstet, Akiba, Du hast uns getröstet." Voll freudiger Zuversicht traten nunmehr die Weisen Israels ihre Reise an; in Jaffa bestiegen sie das für sie bereit gehaltene Schiff, und nach glücklicher Ueberfahrt landeten sie in Brundisium. Während Kaiser Domitian gegen die Vornehmen und Großen der römischen Hauptstadt auf das Gewaltsamste verfuhr, Hinrichtungen auf Hinrichtungen häufte und so die Senatoren und andere hochgestellte Männer in Schrecken und Todesangst versetzte, schmeichelte er dem Volke und den Legionären: *) Bergle che Jirmijahu Cap. 28. V. 20.

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