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Der Israelit · 1881-04-13 · Heft 15-16 (13.4.1881) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 15-16 (13.4.1881)
Date
1881-04-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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358 Tausende. Dem entsprechend mußten natürlich auch die Bet- und Lehrhäuser vergrößert und vermehrt werden. Außer der neuerbautcu großen Synagoge bestehen jetzt noch zwei größere und ein kleineres no Emon. Bei dieser so angewachsenen Gemeinde stellte sich bald das Bedürfniß heraus, auch ein entsprechendes geistliches Oberhaupt zu berufen. Mit welchen Schwierigkeiten die Wahl eines solchen verbunden war, kann man leicht ermessen, wenn man bedenkt, daß die Gemeinde durch den Zuzug so vieler Fremden eine aus den verschiedensten Elementen zusammengesetzte ist. Die Einen wünschten durchaus einen modernen Rabbinen mit zeitgemäßer Bildung ohne Rücksicht auf dessen religiöse Richtung und talmudische Fachkenntniß, während Andere ausschließlich einen mn: rna m verlangten. So drohte die in den russischen Städten zum Nachtheil der Förderung der religiösen Interessen bestehende Rabbinatstheilung, in die eines officiellen Regierungsrabbiners für die Neologen und eines nicht bestätigten 21 für die dw' auch hier einzutreten. Wenn dieser Dualismus selbst in alten längst organisirten Gemeinden sehr verhängnißvoll ist, so wäre er in einer neuaufblühenden Gemeinde, wie die hiesige, sicherlich von noch größerem Nachtheil gewesen, indem der die Macht besitzende Rabbiner dem wahren jüdischen Geiste entgegenwirkt, während die Thätigkeit des Andern, weil er gesetzlich nicht anerkannt, lahmgelegt ist. Die Einsichtsvollen unserer Gemeinde, welche auf dem Boden des wahren Judenthums stehend, auch den Anforderungen der Zeit genügen wollen, erkannten daher alsbald, daß diesen Uebelständen nur dadurch abgeholfen werden könne, wenn ein Mann berufen wird, der durch gründliche talmudische Fachkenntniß, durch zeitgemäße Bildung und über Alles durch Charakterfestigkeit geeignet wäre, die Wünsche aller Parteien zu befriedigen. Nach vielem Hin- und Hersuchen ist es den Bemühungen der an der Spitze der Gemeinde stehenden Männer, der Herren S. Salomonowitz, L. M. Deßler und Jsaac Lewinsohn gelungen, einen solchen in der Person des Herrn Rabbiner Dr. Ph. Klein aus Neutra, Ungarn, zu finden. Derselbe ist einer der hervorragendsten Schüler des Herrn Rabbiner Dr. I. Hildesheimer -"j und ist unter seinen Fachgenossen sowohl in Deutschland als in Ungarn, zum Theil auch in Rußland, seines gediegenen Wissens und biedern Charakters wegen rühmlichst bekannt und allgemein beliebt. Neben gründlicher Gymnasial- und Unviversitätsbildung sind namentlich seine talmudischen Fachkenntnisse so eminent, daß sie sogar den hier zu Lande diesbezüglich weitgehenden Ansprüchen vollauf zu genügen geeignet sind. Das bezeugen auch die ihm von Männern wie t>"jn os {*q\j3 n"?o nuDn cMn, Rabbiner : zu Halberstadt crvr» 1^3*1 'n-:xn peon Herrn Rabbiner Dr. I. Hildesheimer, Berlin und rns' p,"vj ^rosn iuon «"D’*er ijrrct, Rabbiner zu Kowno, erthcilten Rabbinatsautorisationen. In gerechter Würdigung aller dieser Vorzüge war auch der Seitens unserer Gemeinde dem Herrn Rabbiner Dr. Klein '"j bereitete Empfang ein überaus ehrenvoller und herzlicher. Der Tag, an welchem Herr Rabbiner Dr. Klein vor einigen Wochen hier eintraf, war für die ganze Gemeinde ein wahrer Fest- und Freudentag. Der Vorstand und die Repräsentanten aller emo 'ro sind ihm mehrere Bahnstationen entgegengereist und eine! nach Tausenden zählende Menschenmenge hatte sich! am Bahnhofe eingefunden, um ihr geistliches Oberj Haupt zu begrüßen. Auch in der hübsch decorirten, j im Lichtglanze strahlenden, für ihn bestimmten Woh-! nung hatten sich Viele angesammelt, die daselbst den - Herrn Rabbiner Dr. Klein und seine Gemahlin 'pp, eine Tochter des Realschnldirectors Herrn Dr. M. Hirsch v j, Frankfurt a. M, bei ihrem Eintritte i unter den Klängen der Musik in herzlichster Weise bcwillkommtcn. i Außer der Antrittsrede hat Herr Rabbiner Dr. i Klein bereits Gelegenheit gehabt sowohl in der Sy-! nagoge wie in den' Erna »r3 mehrmals zu sprechen,; wobei die betreffenden Locale jedes Mal überfüllt! gewesen und wurden sämmtliche Reden mit großem i Beifall ausgenommen. Den Inhalt derselben auch; nur in Kürze wiederzugeben, würde den Raum eines : Zeitungsberichts überschreiten. Wohl ist das Amt, wenn es gewissenhaft verl waltet werden soll, ein äußerst schwieriges und ist - ganz besonders die hier bevorstehende Arbeit keine! geringe, indem die bestehenden Gemeindeinstitutionen I einer Verbesserung bedürftig und noch neue zu schaffen; sind; doch hegen wir die berechtigte Hoffnung, daß 1 es dem Herrn Rabbiner Dr. Klein gelingen wird,! den durch sein Amt übernommenen Pflichten gerecht : zu werden und zum Segen und Heile der Gemeinde ' zu wirken. Feuilleton Ukiöa. xv. Rabbon Gamliel, der Fürst, hatte für alle Shj nagogen in ganz Judäa Gebete angeordnet und für! jeden zweiten und fünften Tag der Woche Fasttage eingesetzt; er selbst und die Freunde, die ihn nach Rom begleiten sollten, begaben sich zuvor zu der Ruine des heiligen Temp'els, um an der Westmauer desselben in heißer Andacht um das Gelingen ihrer Reise zu beten. Als sie die Höhe des Berges erstiegen hatten und die zerstörte Hauptstadt Israels vor sich liegen sahen, brachen sie in Thränen aus,

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