Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 15-16 (13.4.1881)
- Date
- 1881-04-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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357 Denn er ist es, der uns schirmet und schützt, der uns die Freiheit des Lebens gewährt, daß wir seit onso r>«'L', trotz allen Elends und Jammers, den wir so oft ertragen mußten, dennoch niemals wieder zur Sclavenkaste herabsanken. Ein Spielball in der Hand der Mächtigen schien wohl oft der Juden Geschick zu sein — in Wirklichkeit aber war es stets geborgen und sicher unter dem mächtigen Fittiche seines Herrn. Und es war sich dieses besonderere Schutzes bewußt — das ist die wesentlichste Segnung der Pessachfeier; in beit finstersten Zeiten der rachsüchtigsten fanatischsten Verfolgung ertönte in Israels Hütten und Häusern das Freiheitslied seiner Erlösung jubelnd in die Nacht hinaus. n*?i«n D’DJn to n« U’no«1? nryttf 'Qd 2'v cwi> bsKO nnoBO pa'v rinn1? nnayo UK»snn najwot ^ab n^&xo) „Ihm, der unseren Vätern und uns alle diese Wunder erzeigt, — der uns von der Knechtschaft zur Freiheit geführt, vom Jammer zur Freude, von Trauer zur Festeszeit, vom Düster zum hellen Lichte, von der Sclaverei zur bleibenden Erlösung-" Zeitungsnachrichten und ®Dttefpvnbenien. Deutschland. Mainz, 7. April. Herr Dr. Emanuel Leser von hier, bisher Privatdocent an der Universität Heidelberg, ist vom Großherzoge von Baden zum außerordentlichen Professor für das Fach der Nationalökonomie an der erwähnten Universität ernannt worden. Furch (Bayern), 7. April. Herr Dr. Bloch, welcher seit 15 Jahren an der hiesigen isr. Bürgerschule als Oberlehrer sungirt, hat einen Ruf an das in Colmar im Elsaß neu zu errichtende Rabbinerseminar erhalten und angenommen. Derselbe wird schon gleich nach den: herannahenden Feste in seinen neuen Wirkungskreis eintreten. Wir sehen Herrn Dr. Bloch nur ungern von hier scheiden, und wird dessen segensreicher Thätigkeit von uns stets ein gutes Andenken bewahrt werden. Altona. Der „Allgemeine deutsche Arbeiterverein" hatte gegen 30 Pf. Entrtz auf gestern Abend in Koppelmann's Salon eine. Versammlung einberufen, in welcher der bekannte Agitator Dr. Henrici über „Hetze und Nothwehr" einen Vortrag loslassen sollte. Gegen 8s/4 Uhr eröffnete der Vorsitzende des genannten Vereins, Cigarrenarbeiter Mohr, mit einigen unverständlichen Redensarten die Versammlung und ertheilte Herrn Dr. Henrici das Wort. Der Antisemiten-Apostel, sofort mit Pfeifen, Zischen und Bravoschreien empfangen, begann ungefähr wie folgt: „Es wäre furchtbar eingebildet, wenn wir Deutsche uns einredeten, ohne Fehler zu sein. Der Nationalfehler ist, schon Opposition zu machen, bevor sie wissen, was kommen soll. Die bedeutendsten Fehler der Deutschen sind außerdem Trunk- und Spielsucht; wir sitzen ganze Nächte beim Biertrinken und Kartenspiel (Rufe: „Gerade wie Sie es machen", „Aus Erfahrung"). Da wir es nicht unterlassen, unsere eigenen Fehler einzugestehen, müssen sich die Juden auch mal gefallen lassen, vor das Secirmesser genommen zu werden". — Er will es auch unterlassen von den guten Eigenschaften der Juden zu sprechen. „Wenn auch Altonaer Wurst- und Käseblätter (Ruse: „Sind Sie Made oder Käse?) behaupten, es gäbe keine Judenfrage, so behaupte er, daß gerade, wo die meisten Juden wohnen, eine solche Frage existire. Obgleich es Herrn Henrici nicht gelingen wollte, zehn Worte ununterbrochen vorzutragen, entstand jetzt ein solcher Scandal, daß der Vorsitzende sich genöthigt sah, die Versammlung auf 5 Minuten zu suspendiren. Doch auch dieses Mittel half nichts. Das Pfeifen und der Lärm nahmen;so erhebliche Dimensionen an, daß der überwachende Polizeicommissär Engel die Versammlung auflösen mußte. Das Ende war, daß ein Herr, der von Henrici zu wissen verlangte, ob er Käse oder Made sei, durch einen Polizeibeamten unter Assistenz einiger Anhänger des Henrici zum Saal hinaus complimentirt wurde. An einigen Stellen des Saales konnte man nur über umgeworfene Stühle den Ausgang erreichen. — Mit diesem Fiasco wird wohl auch in Altona die Semitenhetze ihren Abschluß gefunden haben; an der Elbe ist für solchen Trödel kein Raum. Mögen die Herrschaften ihre Allotria in Spreeathen allein weiter treiben! (Hamb. Fremdenblatt.) Rußland. Libau (Kurland). Bis vor einigen Jahren war unsere Stadt ziemlich bedeutungslos und unbekannt. Erst in jüngster Zeit, seitdem sie durch eine Bahnlinie mit dem Innern Rußlands verbunden, hat der Libau'sche Hafen die Aufmerksamkeit der Geschäftswelt im In- und Auslande immer mehr auf sich zu lenken begonnen. Die Einwohnerzahl der Stadt ist von 10,000 auf über 30,000, also mehr als um das Dreifache, gestiegen. In noch größerem Verhältnisse aber hat der enorme überseeische Handel unsere Glaubensgenossen herangezogen; die jüdische Gemeinde, welche früher blos aus circa 6—700 Seelen bestand, zählt gegenwärtig viele