Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 15-16 (13.4.1881)
- Date
- 1881-04-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2447850-2447864--17425-2473446- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
356 nur die Gänge der Sphären lenkt und in der Natur waltet, daß er nicht nur über Leben und Tod der Geschöpfe beschließt, — daß er vielmehr auch gegenwärtig sei dem Kreise der Menschen, daß Er die Menschen sieht und ihre Thaten beurtheilt, daß Er eingreife in das Geschick der Einzelnen und der Staaten in liebender Vaterhuld, in strafender Richterstrenge. Nicht ein blind handelndes Fatum regiert über der Menschen Geschick — das sehende Auge eines allmächtigen Gottes wacht über seine Geschöpfe und kennt jeden Einzelnen und beschirmt, die sich Ihm in Gehorsam hingeben. Wie der Tod in Egypten „hinwegschritt über die jüdischen Häuser", in welchen sich die Weihe des Lebens an Gott vollzog, also schirmt und schützt seine Allmacht zu allen Zeiten die Ihm Treuen und rettet sie aus dem Verderben, das Seine Gerechtigkeit über die Tyrannen verhängt. ' Als TW das Lamm der Gottesheerde hat der Sterbliche sich zu fühlen und Gott als seinen Hirten, welcher für ihn wacht und sorgt. In Egypten waren wir von den Menschen aufgegebcn. Unter dem Sclavcnjoche keuchten unsere Männer, die Fluchen des Nil waren das Grab unserer Säuglinge — ohnmächtig schienen wir zu werden unter dem Fußtritte unseres gewaltigen Bedrückers. Da drang unser Angstschrei zu dem Ohre unseres Hirten — Er trat für uns auf, er vindicirte sich sein älteres Anrecht, an den sich unter der Peitsche windenden ^claven, ‘jioiff1 noa „Mein erstgeborenes Kind ist Israel" sprach Er zu dem machtstolzen Könige, gib es Mir heraus oder Ich weiß Dich zu treffen in allen den Beziehungen, auf welchen deine Stärke beruht, — deinen Königssohn für Mein Kind, das du mißhandelst! Und aus dem allgemeinen Sterben der „Erstgeburt" im Lande Mizraim rettete Gott den Sclaven als „Seinen Erstgeborenen" zur Freiheit, zum Leben! Wer ist so elend, wie das egyptische Israel, wer so arm und unterdrückt?! nom mm Pa! O, Zhr Annen und Elenden, Ihr, die Ihr seufzet unter der Gewalt des ungerechten Mächtigen, kommet und lernet das Peßach feiern, kommet nnd lernet Gott kennen als den nimmer schlummernden Wächter meiner Kinder, der Menschen, als den sorgenden Hirten Seiner Heerde, als die rvtaiB nmtta als die ewig und überall schauende specielle Vorsehung Seiner Schöpfung. P'SO5> DW by no üw by O'dai8 unk* 11 nao n'a'p'n 'r'd'q orpty n'pjjtp -iy ponnP ijthdn bw npya .□PfOl Aber Gott ist nur denen der starke Annehmer, die sich ihm rückhaltlos hingeben. Wir sind aus dem egyptischen Sclavendienste in den Dienst Gottes getreten, und nur deshalb ward uns die wunderbare Rettung zu Theil. Wir sind frei geworden, um Gottes Diener fortan zu sein. Ihm gegenüber haben wir jedes Zeichen der selbstständigen Macht aufzugeben. Im Gefühle der Menschenherrlichkeit und Menschenmacht (pvki) können wir den Peßachgedanken nicht in uns aufnehmen. Wir waren ohnmächtig und trugen noch die Sclavenkette, als Gott uns zur Freiheit rief. So wenig ist unser das Werk der Befreiung, daß wir im Momente derselben nicht einmal Herr über die winzige Spanne Zeit waren, um uns das Brod ^ür unsere Nahrung zu bereiten. Gott demüthigte unsere Zwingherren, Er nöthigte ihnen den Freibrief für ihre Knechte ab; d'-'3dd wu »a unsere Herren trieben uns in die Freiheit. — Was hätten wir auch, die Schwachen, gegen die gewaltigen Egypter vermocht? Nur weil es Gott gefallen „an uns die Allmacht Seiner Wallung zu offenbaren" wurden wir frei, und nur so lange wir vor Gott mit dem nso, dem Zeichen der Abhängigkeit, erscheinen wollen, so lange wird sich auch ferner über uns und in unserm Geschicke Seine besondere Führsehung kundgeben. Der Mensch bewahrt sich den besonderen Schutz Seines Gottes nur durch den treuen Gehorsam gegen Gottes Gebot; nur wenn er sich als Diener Gottes begreift, ist Gott ihm der mächtige Schirmherr; nur als nay wandeln wir frei auf Erden und keine menschliche Macht hat Gewalt über uns. niBtsr Dip py no dw by cpPaiK UNcy nr nno .OnSDD 1J’ni3N "R 518 0”R30R Aber auch dem sich Gott ganz hingebenden Menschenkreise werden die ernsten Stunden des Lebens nicht versagt. Gott ist der Erzieher Seiner Menschen und Er erzieht nach Seiner Weisheit durch ernste Prüfungen. Auch die Bosheit der Feinde hat oft theilweise und zeitweilig die Kraft uns wehe zu thun — vernichten kann sie uns aber nicht. Wir haben in Mizraim den bittern Kelch des Leids bis zur Neige geleert — und sind dennoch erhalten geblieben. Was seitdem Uebles über uns verhängt worden ist, war gering gegen das Elend in Egypten. Wir haben dort gelernt, daß Gott über uns und über unsere Hasser und Unterdrücker waltet — mit starker Hand, mit ausgestrecktem Arme" — wir erkennen in dem Bittern die Prüfungen unseres Gottes, welcher Seinem Kinde keine schwerere Last auferlegen wird, als es zutragen vermag. Und wenn der mächtigen Feinde Haß sich anschicken möchte, den vernichtenden Streich gegen uns zu führen, und wenn wir scheinbar wehrlos ihm gegenüber stehen — so schauen wir ruhigen vertrauensvollen Sinnes zu Gott empor. Er, der uns von Egypten erlöst hat, Er weiß uns auch heute noch zu retten; — und wir genießen gern das „Maror" das „Bitterkraut" der Prüfung und des Schmerzes, das Gott uns sendet.