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Der Israelit · 1881-04-13 · Heft 15-16 (13.4.1881) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 15-16 (13.4.1881)
Date
1881-04-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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und Büchern eingesargt bleiben, sollten nicht nur als alte, vergangene interessante Historien in den Schulen vorgetragcn werden, — sondern in dem lebendigsten Bewußtsein einer jeglichen Zeit sollten sie fortlcben, um gestaltend auf das Geistesleben einer jeden Gegenwart zu wirken. Ein jedes Geschlecht sollte die ganze Vergangenheit durchleben, um.für sein Handeln das rechte Verftändniß, für seine Zeit die richtige Bcurthcilung zu erlangen. Unvergänglich wie Israels Lehre und Gesetz ist auch seine Geschichte — unsterblich, ewig jung. Hierin beruht das Geheimniß der unverwüstlichen Lebenskraft des jüdischen Volkes. Kein historisches Factum ist aber auf so wunderbare Weise mit dem Leben eines jeden jüdischen Individuums, einer jeglichen Zeit verknüpft, ist so innig mit dem Denken, Empfinden und dem Handeln des Juden verwoben worden, beherrscht so mächtig jeden Moment des Daseins — wie die Erlösung der Israeliten aus der egyptischen Knechtschaft. Vom ersten Erwachen an jedem jungen Tage bis zum späten Abend begleite: die Erinnerung an r\v-y’ onso den Inden; ihr ist sein erster Gedanke geweiht, mit ihr beschließt er sein Tagewerk; jeder Sabbath und jeder Festtag belebt diese Erinnerung, und alljährlich, wenn der Tag der Erlösung wiederkehrt, rüstet sich ganz Israel, uin während der Tauer einer ganzen Woche sich vollständig dem Gedächtnis dieser Befreiung ans Mizraim hinzugeben. Für den denkenden Geschichtsforscher giebt es keine wunderbarere Erscheinung als diejenige, welche die Juden zur Frühlingszeit gewähren. Ueberall auf weiter Erde, wo auch immer Nachkommen jener aus Egypten gezogenen Sclavenkaste weilen, wenden sich schon Wochen zuvor die Gedanken dem bedeutungsvollen Jahrestage der Erlösung zu, um demselben den Empfang in den jüdischen Häusern zu bereiten, welchen das Gesetz und die uralte Sitte genau präcisiren. So wird kein König empfangen, so schmückt keine Mutter die Räume für das Hochzeitsfest der Tochter, wie die jüdischen Frauen ihr Heim für den Pessachempfang Herrichten. Fast 3200 Jahre sind verflossen, seitdem die Israeliten aus Egypten zogen und die Erinnerung daran ist onch so mächtig in der Brust der Juden, daß sie Alle, vom unmündigen Kinde bis zum Greise, sich von ihr beherrschen lassen! Das ist keine künstliche, kalte Gedächtnißfeier, die sich in der Kirche oder Schule vollzieht, oder auf Befehl für die kurze Dauer eines Augenblicks durch ein festliches Gepränge Ausdruck empfängt; — das ist die Feier eines MenschenstammeS, der dieses Gedächtniß an eine Begebenheit aus altersgrauer Vorzeit als ein von ihm selbst erlebtes Factum begeht. Ein jedes jüdisches Haus ist buchstäblich die Festhalle, ein jeder jüdischer M a n n wird buchstäblich zum Festredner, und wer am Pessachabend in ein jüdisches Haus tritt, wird staunend zugeben müssen, daß der alte Ausspruch der Mischnah: ton its’jo r« tvsnp ein a*»n ->ni in ^33 0»3SCD 88' in jeder Zeit hat sich Jeder als selbst aus Mizraim befreit zu betrachten, als ,,ob er selbst aus Mizraim gezogen sei" von den jüdischen Männern und Frauen zur Wahrheit gemacht worden ist. Wo gibt cs ein zweites geschichtliches Ereigniß, das also auf der ganzen Erde unter jeglicher Zone seit Jahrtausenden mit der gleichen feurigen Begeisterung von allen Angehörigen einer Menschenfamilie in dergleichen Weise gefeiert wird? Und wo gibt es einen zweiten Menschenkreis, welcher so innig mit seiner Geschichte verwachsen ist, daß er aus ihr zu aller Zeit die ewigen Wahrheiten zu schöpfen versteht, die die Grundlage feiner Existenz bilde, die ihm das Auge öffne zum Verständniß der Gegenwart, zur trostreichen Hoffnung auf die Zukunft? Jene Nacht des 14. Nissan, welche aus egyptischem Boden den Israeliten die Erlösung brachte, wird in der ganzen Fülle überwältigender Erhabenheit von den Enkeln nachcrlebt. Jene erste e'-hee» d^, jene „Nacht der Hut", der waltenden vor- und fürsorgenden Allmacht Gottes, sie war bcstinunt zur steten, vorsorgenden Hut für alle Folgezeit; Dnvr '» '3 emer und also ist es geworden. Mit rsrs’ trat Israel in den Kreis der Menschheit als Verkünder der wallenden Vorsehung Gottes ein; in dieser Nacht ward Israel zum Volke geboren und in ihm der Herold, welcher die Gesammtmenschheit zu der Anerkenntniß des über die Handlungen der Menschen und Völker allmächtig waltenden Gottes ruhen soll; der Thatsachen, welche das Peßachfest fortan durch ~n-&' nso hd?, die Symbolen der Leidens- und Erlösungsgeschichte, der Nachwelt übliefcrt. In diese Symbole ist die historische Tokumentirung der unmittelbaren göttlichen Herrschaft über den Menschenkreis niedergelegt. Sie enthalten das Wesentliche, was durch die Peßachfeier vergenwärtigt wird und darum sagt auch Rabbon Gamliel: K8' SO nD22 TSt Qn31 nar^BT 3DN SÖCP 33 .ir>3>n n’ Wer diese Symbole sich nicht zum Verständnisse bringt, hat Peßach nicht recht begangen. E'P csnpDn rv3B7;o?3 o’boi« otion ivw hob ij’ni3N 'rm dp n's'p'n nDStp oup by no dw by .□nSDE Das Peßachopfer, an welches bei uns, seitdem der Tempel auf Jerusalems Höhe in Trümmer liegt, nur ein wehmüthiges Zeichen erinnert, bringt den welterlösenden Gedanken zur Beherzigung, daß Gott nicht

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