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Der Israelit · 1881-04-13 · Heft 15-16 (13.4.1881) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 15-16 (13.4.1881)
Date
1881-04-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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354 ganzen Menschengeschlechtes, und der Sabbat ist das vorzüglichste Mittel zur Erziehung und Vervollkommnung Israels. In ihm hat Gott uns einen Schmuck der Größe, eine Krone des Heils, Ruhe und Heiligung verliehen. Giebt es eine größere Auszeichnung als die, daß Gott uns zu Zeugen seiner Weltschöpfung berufen? Gibt cs eine herrlichere Krone als die, daß Gott uns gewürdigt hat, einen ganzen Tag mit Ihm in inniger Gemeinschaft zu leben? Diese gottgebotene Ruhe ist eine Heiligung, die uns emporhebt aus allen Niedrigkeiten und allen Sorgen des alltäglichen Lebens. cn-cx, schon Abraham hat nach der Tradition den Sabbat gefeiert; aber diese Feier blieb nicht Gemeingut füralle seine Nachkommen, my*o deßhalb war seineFreude an dem Sabbat keine ungemischte, in' pnsr, auch Jizchak feierte den Sabbat, jedoch auch von seinen Nachkommen löste sich die Hälfte los vom Dienste des einzigen Gottes und somit auch von der Feier des Sabbats, wie cs heißt: "12 dv’"^ *on, „Ihr frommen, jauchzet dem Ewigen! Aber Jakob und seine Söhne sind alle treu gebliebendem Gotte der Väter -2 ino* spr „Jakob und seine Söhne ruhen an ihm." Diese Ruhe ist eine Ruhe der Liebe; wir bezeugen durch sie die Liebe zu Gott; diese Ruhe ist eine freiwillige vom Herzen kommende rinn nrvjo ra-w Diese Ruhe ist eine Ruhe der Wahrheit. Die Wahrheit ist das Siegel Gottes, und der Sabbat ist ein Symbol derselben; mit der Sabbatruhe hat Gott das vollendete Weltall besiegelt. Diese Ruhe ist eine Ruhe des Glaubens, der Ueberzeugung und der Zuversicht. Wenn auch die Zeit der Verheißung noch nicht da, so leben wir doch der unerschütterlichen Zuversicht, daß sie herannahen wird. 'i>?y .12.-1 ,2w' ypb ns'i ->yun jun n-y o .-'HX’ X1? X2' X3 „Denn, wenn auch die Verheißung erst in späterer Zeit eintrifft, so verkündet sie doch das Ziel und täuschet nicht; wenn Er auch zögert, so harre Sein, denn Er wird kommen, kommen und nicht ausbleibcn. (Chabakuk C. 2 V. 3.) — In dieser festen Ueberzeugung soll uns jeder Sabbat bestärken. Der Verheißende ist ja der allmächtige Weltenschöpfer, dem nichts unmöglich ist. Daher ist unsereRuhe eine Ruhe der Wahrheit sund des Glaubens rnuo nrcx? pdx, eine Ruhe des Friedens, der Friedlichkeit, der Ungestörtheit und der Sicherheit oor rnuö opern noeri. O, möchte sie sein eine vollkommene Ruhe, an der Gott Wohlgefallen findet, durch die wir erkennen und wißen, daß von Gott diese Ruhe stammt und daß durch sie wir Gottes Namen heiligen. Die Sabbatruhe ist das Kriterium geworden, durch das Diejenigen erkannt werden, welche in echter, rechter Weise treu geblieben sind dem Glauben der Väter Wie einst der götzendienerische König Achab an die Pforte seines Palastes schrieb:?x sxn« p"n iS „Achab hat keinen Antheil an dem Gotte Israels", so verkünden es heuzutage die offenen Läden und Geschäftslokalitäten, daß deren Inhaber abgefallen fiub von einem der wichtigsten Grundsätze des Judenthums. Die Treugebliebenen aber, die kein Opfer scheuen, die von Gott gebotene Sabbatruhe nach Vorschrift zu feiern, die alle au sie herantretenden Versuchnngen siegreich überwinden — sie heiligen den Namen Gottes nernp’ ornuo yy, 120 nx. ' (Schluß folgt.) Seder-Aetrachtungen. Von Naphtali Simon. Ein jeder Bolksstamm hat seine Geschichte. Im innern genetischen Zusammenhänge stehen die Erscheinungen der Gegenwart mit den Ereignissen der Vergangenheit. Alle pxn nn^n haben ihren Keim 0x1212; was der Tag gebiert, ruhte im Schooße des Gestern. Würde die Erkenntniß dieser einfachen Wahrheit die Menschen und die Völker bei ihrem Handeln stets gegenwärtig sein; wurden sie die eigene Vergangenheit zu begreifen sich bemühen, um an der Hand der Erfahrung bewußtvoll sich den gegenwärtigen Augenblick zu gestalten; würde man nicht gedankenlos „in den Tag hineinlebcn" — so würde manche Thorheit vermieden: mancher Fehltritt unterlassen werden, so würde das Leben der Einzelnen und der Staaten in größerer Weisheit sich vollziehen; so würde weniger Leid und Mißgeschick, weniger Unrecht und Vergehen die Blätter der Geschichte füllen. So aber trägt fast ein jedes Volk das Signum Pwy "DX u, eines stets neue Unterlagen für die Begründung seiner Existenz und seiner Wahlfahrt sich erklügelnden Volkes, welches aus der früheren Zeit nicht die rechte Lehre zu ziehen weiß, und darum nichts Bleibendes zu schaffen vermag und darum an dieser kurzsichtigen Weisheit untergeht. Die Söhne verfallen in die Fehler der Väter und häufen zu der alten Thorheit neue Mißgriffe Wohl werden die vergilbten Pergamente hervorgesucht und verwitterte Grabsteine an das Tageslicht gezogen, wohl versucht sich der Scharfsinn der Gelehrten an der Entzifferung längst vergessener Schriftzeichen und Hieroglyphen; aber nur spärlich dringt ein Lichtstrahl echter Geschichtswahrheit in das werdende Leben, um für die Gegenwart und Zukunft die rechte Erkenntniß zu vermitteln. Nicht also sollte es mit Israel sein. Die Erfahrungen der Väter sollten auch die spätesten Enkel belehren. Die bedeutungsvollen Begebenheiten des jüdischen Stammes sollten nicht in Archiven

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