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Der Israelit · 1881-03-30 · Heft 13 (30.3.1881) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 13 (30.3.1881)
Date
1881-03-30
Page
– (sequence 13)
Language
German
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313 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 15. März. In dem benachbarten Jugenheim (bei Partenheim) sind in der verflossenen Nacht wieder einige Schändlichkeiten verübt worden. Den in der Gemeinde wohnenden Israeliten wurden während dieser Zeit ca. 60—70 Obstbäume zum größten Shell mittelst einer Säge mitten durchgeschnitten. Die giftige Saat der fromm-christlichen Judenhetzer trägt, wie man sicht, bei dem Pöbel tausendfältige Früchte. (Mainzer Anzeiger.) Pappercherm, 5. März. Die bekannte Petition an den Reichskanzler Fürst Bismarck in der antisemitischen Bewegung ist auch hierher gelangt, cs soll aber au maßgebender Stelle beschlossen worden sein, ihr keine weitere Berücksichtigung zu Theil werden zu lassen, indem hervorgehoben wurde, daß durch die Israeliten der Wohlstand der Stadt gehoben worden -und ihr Wegzug uach größeren Städten recht fühlbar geworden ist. F e n L l l e t o n. Iie Jugendfreunde. Bon A. .Königshofen. XII. Somberg batte bald uach seiner Ankunft in Berlin der Mutier Kohns seine Aufwartung gernacht. Sie freute sich aufrichtig, den Freund ihres Lohnes kennen zu lernen und lud ihn zum häufigen Besuche zu sich ein. Auch in den Familienkreis ihres Bruders fand er Eingang, obwohl er sich nicht sosehr darum bemühte, denn durch das, was ihm Kolm von dem Verhältnis;, in welchem er zu seinem Onkel stand, erzählt hatte, war er für die Persönlichkeit Reicherssohns nicht allzu sehr eingenommen. Die Frau Kohn hatte aber solange in Somberg gedrungen, sich ihrem Bruder vorstellen zu lassen» bis er endlich nachgab. Emilie hatte er schon öfter bei ihrer Tante gesehen, und um seines Freundes Herzensgeheimniß wissend, gewährte es ihm eine große Freude, das junge Mädchen kennen zu lernen. Seinem Freunde berichtete er Alles, was für ihn vou Interesse sein konnte aufs Gewissenhafteste. Ueber die Angelegenheit mit dem Schwindler, der jetzt zum dritten Male Heinrichs Lebensweg gekreuzt hatte, hatte dieser ausführlich seiner Mutter berichtet, die sich aber wohl hütete, ihrem Bruder davon etwas zu erzählen. Er wollte au seine Fehlbarkcit in Betreff der Menschenkenntnis; nicht erinnert werden. Es^ wurde auch Somberg gebeten, dieser Affäre vor Herrn Reicherssohn nicht zu gedenken, wenn er sich das Wohlwollen, dessen er sich, obgleich ein frommer, junger Mann, bei demselben zu erfreuen hätte, nicht verscherzen wollte. Während man sich nun aufs Strengste hütete, in Gegenwart des Herrn Reicherssohn den Namen Noterskoffs, rectius Nothkopf, zu erwähnen, sprachen Mutter und Tochter oft unter sich von dem Menschen, an den der Vater das Glück Emiliens hängen iuoUtc. Eincs Nachmittags — Herr Neickwrssohn war zu einem Freunde gegangen — traf somberg bei den Frauen ein junges Mädchen, das ihm als ein Fräulein von Botho vorgestcllt wurde. Es war eine Waise ans einer verarmten adligen Familie, welches in dein Hause eines kinderlosen Onkels in Berlin Aufnahme gefunden hatte. In dem Eonservatorinm, das sie und Emilie besuchten, waren sie bekannt und befreundet worden, und der Onkel, ein schlichter, vorurtheilsloscr Mann, sah cs nicht ungern, daß feine Nichte sich der Tochter Reicherssohn arisch lost: die jungen Mädchen bc)itd)tcu sich öfters gegenseitig. Frau Reicherssohn, die durch ihre Schwägerin den Inhalt des Briefes, welcher von Rolerskoff handelte, kannte, wünschte jedoch noch Genaueres zu wissen und glaubte. Solches von einem Augenzeugen wie Somberg gut erfahren zu rönnen. Die Gegenwart ihres Mannes hatte sie bisher gehindert, die Bitte, den Hergang zu erzählen, an den jungen Mann zu stellen, jetzt glaubte sie die Gelegenheit günstig und bat Somberg um ausführliche Mittheilnng. Dieser erzählte nun Alles, was er gesehen und gehört, als er aber des Namens Hancnstein erwähnte, entging cs ihm nicht, daß eine leise Rothe daS Gesicht des Fräulein v. Bothe bedeckte, welche bald einer auffallende Bläffe wich. Kaum hatte er geendet, als das Fräulein unter dem Vorwände, die Zeit sei schon zu weit vorgerückt, ansbrach. Auch den Frauen siel die Hast aus, wit welcher das Fräulein sich verabschiedete, und Somberg war cs durchaus nicht zweifelhaft, daß seine Erzählung eine empfindliche Seite in dem Herzen der jungen Dame berührt hatte. Natürlich wagte er es nicht, hier irgend eine Vermuthung auszusprechen, aber er fand den Vorgang für so bedeutungsvoll, daß er Alles haarklein in einem Briefe an Heinrich mitthcilte. Unterdes; hatte dieser eile ausführliches Schreiben von Arno erhalten. Es lautete:

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