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Der Israelit · 1881-03-30 · Heft 13 (30.3.1881) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 13 (30.3.1881)
Date
1881-03-30
Page
– (sequence 11)
Language
German
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311 men; indessen kann die hier zum Theil schon eingeführte Reform im Interesse der Einigung der conservativen Partei in einzelnen Punkten beseitigt werden. „Hm genau ermessen zu können, welcher Raum für den Gottesdienst nach altem Ritus, sowie für den reformirten nothwendig ist, beschloß die Verwaltung, die Gemeindemitglieder zur Abgabe einer Erklärung zu veranlassen, welchem Gottesdienste sie sich anschließen wollen. „Diese Erklärung ist aus dem beifolgenden Formular, verschlossen, binnen 14 Tagen abzugeben. „Rach dem Ergebniß dieser Abstimmung wird die Verwaltung in der Lage sein, die Frage des Synagogenbanes definitiv zu entscheiden. „Die Verwaltung spricht die sichere Erwartung aus, daß die Gemeindemitglieder ihre Stimmen vollzählig abgeben werden. Würde sie sich darin täuschen, so müßte sie, nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne den wichtigsten statistischen Behelf, die Baukrage zur Erledigung bringen und für diesen Fall schon jetzt die Verantwortung Denjenigen zuschreiben, deren Lässigkeit die genaue Feststellung des Bedürfnisses beider Hauptrichtnngen der Gemeinde verhindert." Obgleich mir die Gesinnung' der Gemeindeverwaltung in ihrer Majorität hinlänglich bekannt war, obgleich ich der Charakterfestigkeit des Rabbinats nicht allzu großes Vertrauen ' entgegenbrachte, so traute ich meinen Augen kaum, als die Post auch mir diese Kundgebung bchändigte. Eine solche Gewissenlosigkeit von Seiten des Rabbinats hatte ich für unmöglich und undenkbar gehalten, eine Gewissenlosigkeit, welche nicht davor zurückschreckt mit dem Heiligsten ein frivoles Spiel zu treiben! Beide „Riten"— der Ritus der Alten, welche um rwo n'tro heiß und innig stehen, und der Ritus der Reformer, welche diese theuerste jüdische Hoffnung als Dhorheit belächelt und diese Grundsäule des Judenthums leugnet — unter Aufsicht und Leitung eines und desselben Rabbiners gestellt! Derselbe „Geistliche," welcher heute im Dienste der Apostasie bei den Reformern sungirt, besteigt am nächsten Sabbat die Kanzel der Gesetzestreuen, um die Lehre zu predigen, welche er vor acht Tagen verworfen! Wie ein Schauspieler die Rolle wechselt, also alternirt der Rabbiner in seinem Amte mit seinem Gewissen; — doch nein — er hat kein Gewissen, keine Ueberzeugung; ihm ist die „Reform" so gleichgiltig, wie die „Orthodoxie"; ihm gilt die Religion nur als Erwerbsquelle; er nutzt die „Religionsbedürftigkeit des Volkes" nur aus zu seinem Vortheil; er ist der „Pfaffe" in des Wortes schlimmster Bedeutung! Doch mein Erstaunen sollte noch gesteigert werden. Unser „orthodoxes Oberhaupt" trat bei mir ein. Aus seinen Minen strahlte eine stolze Zufriedenheit, als ob er einen neuen Sieg erkämpft hatte. „Jetzt endlich hoffe ich es auch Ihnen recht gemacht zu haben und einen Anspruch auf Ihren Dank und Ihre Anerkennung zu besitzen!" begann er. „Dieses Mal habe ick keine halbe Arbeit gethan, wie Sie mir so häufig zum Vorwurfe machen; dieses Mal habe ich etwas Ganzes erreicht!" Ich sah verwundert auf, — mir war diese Expectoration vollständig unbegreiflich. Der würdige Herr fuhr aber fort: „Sie verstehen mich nicht, bester Herr Simon? Natürlich; — Sie haben ja keine Ahnung von der unsäglich schwierigen und aufregenden Arbeit, welche hinter mir liegt, deren reise Frucht aber Sie gerade in Händen haben. — Während Sie und die Anderen sorglos schliefen, habe ich für Alle gewacht und gerungen, — allein, ohne Hilfe und Beistand! Es ist mir gelungen! Noch die spätere Zeit ist mir zu Dank verpflichtet." — „Doch ich komme nicht deßhalb zu Ihnen — ich begehre keinen Dank und keine Anerkennung, weder von der Gegenwart, noch von der Zukunft! Weil es aber nunmehr darauf ankommt, daß der von mir glückich angebahnte Weg von uns Allen einmüthig betreten wird, deshalb wollte ich Sie von dem Geschehenen genau unterrichten. Sie müssen die Situation vollständig begreifen können." „Ich hatte schon vor mehreren Monaten in Erfahrung gebracht, daß die Gemeindeverwaltung den Umbau der Synagoge zum Behufe der Vergrößerung derselben beschlossen und den Ankauf des daranstoßenden Bauplatzes in Aussicht genommen habe. Zugleich erfuhr ich, daß mit der Wiedereröffnung der erweiterten Synagoge eine durchgreifende Reform des Gottesdienstes inaugurirt werden solle." „Ich erkannte, daß es hier vor Allem darauf ankomme, energisch und rasch zu handeln. Ich begab mich unverzüglich zu unserem Präses, der, wie Sie wissen, meinen Anschauungen aus besonderer wohlwollender Gesinnung gern Rechnung trägt. Ich wußte ihn zu bestimmen, daß der gefaßte Beschluß einstweilen inhibirt wurde. Ein Ausschuß wurde ernannt, bestehend aus dem Präses, dem Rabbinatsadjuncten, je einem Vorstands- und Repräsentantenmitgliede und mir, welcher eine Verständigung zur Erhaltung des Friedens und Gemeinde-Einheit anbahnen sollte." „Um alle Aufregung in der Gemeinde zu vermeiden, wurde uns strengste Verschwiegenheit in Bezug aus unsere Verhandlungen bis zur Erledigung zur Pflicht gemacht." „Ich muß rühmend hervorheben, daß ich im

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