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Der Israelit · 1881-03-30 · Heft 13 (30.3.1881) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 13 (30.3.1881)
Date
1881-03-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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310 und fein tiefes Verständniß für das Bedürsniß der Zeit. , . So war Alles wieder in dulci jubilo; die kurze Erregung der Gemüther hatte sich in schönste Harmonie aufgelöst; wir lebten wiederum im tiefsten Frieden unser stilles behagliches Gemeindedasein. Unser Rabbiner war von seinem Adjuneten, welcher in allen Stücken mit ihm übereinstimmte, sich in keiner Weise vordrängte, vielmehr ihm überall den Vorrang und die Ehre des Amtes ließ und aus! seine Schulter die ganze Last der Amtsgeschäfte! übernahm, außerordentlich entzückt. I Inzwischen vermehrte sich die Zahl unsrer Gemeindemitglieder von Quartal zu Quartal, so daß die schon lange hervorgetretene Rothwendigkeit der > Erbauung einer zweiten Synagoge immer äugenj scheinlicher wurde. ' j An den D’öntj D’O1 mußte in verschiedenen Lokalen ein Gottesdienst eingerichtet werden, weil die Synagoge nicht dem Ansprüche auf Plätze zu genügen vermochte. Eine Anzahl von Gemeindemitglie- - dern wandte sich Beschwerde führend an den Vorstand j und betonte einerseits das Recht eines jeden Gemeinde-! Mitgliedes auf einen Synagogenplatz für sich und die i Seinigen, während andrerseits auf das wenig Ziemliche des augenblicklichen Rolhbehelfs mit öffentlichen Sälen für den Festtagsgottesdienst hingewiesen wurde. Die Frage eines Synagogenbaues war hiermit auf die Tagesordnung der öffentlichen Meinung gestellt worden und beschäftigte alle Kreise der Gemeinde. Das Verlangen nach weiter gehenden Reformen inachte sich hierbei bemerkbar. * Die „Radikalen" erhoben den Anspruch, daß jetzt endlich ihren „berechtigten", so lange hintenangesetzten „Forderungen" Gewährung zu Theil werde. Die Verwaltungsorgane hüllten sich in tiefes Schweigen. Weder von Seiten der Collegien, noch von Seiten des Rabbinats erfolgte eine Kundgebung, bis endlich eines schönen Tages die Gemeindemitglieder durch das folgende Eircularschreiben überrascht wurden. Die Collegien des Vorstandes und der Repräsentanten richteten dasselbe an jedes einzelne Gemeindemitglied. Es ist zu charakteristisch, um es nicht in seinem vollen Wortlaute mitzutheilen: „An die geehrten Mitglieder der israel. Gemeinde Hierselbst! „Um dem bei dem raschen Wachsen der Gemeinde immer dringender werdenden Bedürfnisse abzuhelfen, ist von der Gemeindeverwaltung schon seit mehr als einem Decennium die Rothwendigkeit erkannt worden, einen neuen Tempel zu errichten, da die Gemeinde- Synagoge nicht den für die Gemeinde nöthigen Raum enthält. „Es liegt auch schon bereits seit längerer Zeit ein Beschluß des Vorstandes vor, einen Neubau bei dem Repräsentanteneollegium zu beantragen. „Rach reiflicher Erwägung hat sich dieser Beschluß indessen als unausführbar erwiesen und zwar wegen der Verschiedenheit der Meinungen, die bezüglich des Gottesdienstes in unsrer Gemeinde bestehen. Ein Theil der Gemeinde hält grundsätzlich den alten Ritus fest, während der andere den Gottesdienst entsprechend den Anschauungen des Landes und des Jahrhunderts reformiren will. „EineAusgleichung diesesGegensatzes ist vorerst nicht zu erwarten. „In Erwägung dieser Verhältnisse hat die Gemeindeverwaltung, um einerseits das dringendste Bedürfniß: Beschaffung gottesdienstlicher Räume für die ganze Gemeinde, zu befriedigen, und um andrerseits der Gewissensfreiheit der Gemeindemitglieder möglichsten Schutz zu gewähren und hierdurch den Frieden und die Einheit der Gemeinde zu sichern, beschlossen: „1) Es sei für die Einrichtung zweier Gottesdienste, eines reformirten und eines nach altem Ritus abzuhaltenden Sorge zu tragen, die beide unter Aufsicht der Verwaltung und des Rabbinats stehen. „2) Für den reformirten Gottesdienst sei das Berliner Gebetbuch in dessen Gestaltung nach dem Commissionsberichte vom Jahre 1873, für den Gottesdienst nach altem Ritus die bisherige Uebung in der hiesigen Synagoge zur Grundlage zu nehmen. „Das erwähnte, von hervorragenden Theologen für die Gemeinde Berlin ausgearbeitete Gebetbuch enthält neben den hebräischen Gebeten eine Anzahl deutscher, sowie Choräle, die mit Orgelbegleitnng ausgeführt werden. „Alle Gebetformeln, welche eine Hoffnung auf Rückkehr nach Jerusalem, auf Erscheinung eines politischen Messias, auf Wiederherstellung eines jüdischen Reiches oder des Thieropfercultus aussprechen ödest andeuten, sind beseitigt. „Die Thoravorlesung geschieht nach einem dreijährigen Cyclus; die Haphthora wird deutsch verlesen. „Der Priestersegen wird vom Vorbeter und Chor vor ge tragen. „Die am Neujahrsfeste vor dem Mussaphgebete üblichen 30 Schosartöne werden auf 10 redueirt. „Durch die Einrichtung dieses Gottesdienstes glaubt die Verwaltung den Wünschen der Reform- Partei der Gemeinde Rechnung zn tragen. „Für den Gottesdienst nach altem Ritus wurde aus Zweckmäßigkeits-Gründen der bisherige Gottesdienst in der Synagoge als Grundlage genom-

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