Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 13 (30.3.1881)
- Date
- 1881-03-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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306 pari gerechnet. Außerdem sind vorläufig belegt 3000 Mark 4V20/0 Hessische Landescreditcassen-Obligationen, wovon jedoch ein kleiner Cassenvorschuß von ca. 125 Mark abgeht. Außerdem besitzt der Verein ein kleines Haus am alten Friedhöfe im Werthe von ca. 2400 Mark, jetzt zu 120 Mark iat)vüd)t vermiethet, und den halben Antheil an den Baulichkeiten auf dem neuen Friedhofe, wofür aus der Vereinscasse ca. 16,800 Mark beigetragen sind. Der Verein hat ferner drei d^-:o mit den dazu gehörigen silbernen Geräthschaften, einen neuen Leichenwagen, Mäntel, Grab- und sonstige Utensilien und eine silberne Armenbüchse. Der mit uns verbundene Verein zur Errichtung eines Kranken- und Altersversorgungshauses schreitet still, aber beharrlich, seinem Ziele entgegen. Derselbe hat jetzt ein Vermögen von über 45,000 Mark. Die Aussicht, ein eigenes Hans für Aufnahme einiger Kranken und Alten zu erwerben, ist in nicht zu weite Ferne gerückt. Der Frauenverein der hiesigen Synagogen-Gemeinde fährt unverändert fort, den Theil unserer Verpflichtungen, der die Kranken, Sterbenden und Todten weiblichen Geschlechts betrifft, mit ausdauernder Liebe und segensreichstem Erfolge zu erfüllen. Ergibt sich aus Vorstehendem eine in Bezug auf die materiellen Mittel und die erzielten Erfolge befriedigende Entwickelung unseres Vereins, so können wir leider! von der persönlichen Theiluahme der Mitglieder an den freiwillig übernommenen Liebespflichten nicht dasselbe sagen. Zur Leichensolge findet sich freilich noch immer eine ziemlich genügende Betheiligung, so daß noch stets, trotz des weiten Weges bei jeder Witterung jede Leiche eine anständige Begleitung gefunden hat. Aber auch dabei schließen sich viele aus, kommen gar nicht oder zu spät; so daß die bisher musterhafte Präcision bei der Beerdigung darunter zuweilen leidet, man sich zuweilen mit 8 oder gar nur 6 Begleitern, statt der vorgeschriebenen 10, begnügen muß und von der früher als Ehrensache betrachteten Regel, daß lediglich Vereinsmitglieder als Leichenbegleiter zugelassen werden, öfter abgewichen werden muß. Zu unserm Friedhofe gehören jetzt zwar ca. 3750 Seelen, etwa 750 Familien, und ist daher auch naturgemäß eine größere Zahl von Beerdigungen vorauszusetzen — aber wenn jedes Mitglied seine Schuldigkeit thäte, würde an Jeden doch nur etwa 2, höchstens 3 Mal im Jahre die Reihe kommen. Schlimmer noch ist's, daß die anderen Pflichten, die Leichenwaschung und das Gräbermachen, mehr und mehr einigen Wenigen überlassen werden — so daß jetzt, wo so viele rüstige Mitglieder da sind, doch die ganze schwere Last auf einigen Schultern ruht. Möchte diese Mahnung genügen, die werkthätige Liebe und das Pflichtgefühl zu wecken, das in Erfüllung einer rvso nicht eine Last, sondern eine Freude findet! Holland. Leeuwarderr, 13. März. Der König hat den Abgeordneten der 2. Kammer, Herrn Dr. jur. M. H. Godefroi, zum Staatsminister ernannt. Diese hohe Auszeichnung wurde dem von allen Parteien hochgeehrten Manne zu Theil in Anerkennung seiner Verdienste als Präsident der Kammer-Commission, die über den in der Sitzungsperiode 1879/80 bei der zweiten Kammer eingekommenen Strafgesetzbuchentwurf Rapport zu erstatten hatte. Herr Godefroi war Anfang der 60er Jahre während 3 Jahre Justizminister und ist außer mit mehreren andern hohen Orden auch mit dem niederländischen Löwenorden geschmückt. Dieser neue Beweis, wenn es dessen noch bedurfte, zeigt wieder einmal, daß die Juden hier zu Lande, nicht nur in der Verfassung, sondern auch in der That den andern Bürgern vollkommen gleichgestellt werden. S. I. E. Frankreich. Paris. Die Deputirtenkammer hat das frühere Gesetz, wonach tit Gemeinden mit Bekennern verschiedener Eonfessionen jede Eonfession ihren eigenen Friedhof haben muß, oder wo nur ein Friedhof vorhanden, dieser je für die betreffenden Eonfessionen durch eine Mauer oder einen Zaun abgetheilt werden soll, aufgehoben. Dieser Beschluß ist nach allen Richtungen zu bedauern und seine Folgen sind namentlich für den israel. Cultus ungerecht. Das neue Gesetz wird unter den Israeliten Frankreichs große Aufregung verursachen. (Arch. Jsr.) Paris. Herr Dr. Jules Oppert, der berühmte Forscher in der Geschichte der alten assyrischen Race, wurde von der französischen Akademie zu einem der 40 Sitze dieser berühmten Versammlung gewählt. England. London. Die „Times" meldet: Die in London wohnenden russischen Israeliten haben einen besondern Trauergottesdienst zum Andenken an den Hingeschiedenen russischen Kaiser abgehalten. Auch Herr Dr. H. Adler nahm in seiner Predigt Anlaß, von dem tragischen Geschick des verstorbenen Czaren zu sprechen.