Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 13 (30.3.1881)
- Date
- 1881-03-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447850-2447863--17401-2473421- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
305 sich täglich, selbst beim schlimmsten Wetter, sowohl zum Beten als auch zu den on--yv, die in der Klaus von seinen zwei College«, Klansrabbiner Herr I. M. Cohn und E.Munk, c.-vo’ cne'.i abwechselnd vorgetragen werden, hinführen. Schreiber dieses hat oft Gelegenheit, dessen noch starke Geistes- und Gedächtnißkraft zu bewundern, mit welchem Scharfsinn er manche 4,ir.p beantwortet, wobei er sein rvsnn bekundet. Bei ifim bewährt sich mit Recht der Ausspruch unsrer Weisen 'ui rJ’pJ-55' i"a. Möge der Atlgütige seine geistige sowie auch seine körperliche Kraft stärken und mögen sich die Worte des Psalmisten ms1 loro p*ns u s. w. bei ihm bethätigen. Memel, 21. März. „Hüte Dich vor des Märzen Jdus!" Diese Warnung soll auch Alexander II. vor seinem entsetzlichen Ende zugegangen sein. Unglücklicherweise und zu seinem Verderben wurde sie aber von ihm ebensowenig beherzigt wie einst vom römischen Feldherrn und Imperator Cäsar. Gleich diesem erkannte auch Alexander II. leider zu spät, daß der Schrecklichste der Schrecken der Mensch in seinem Wahne sei und wurde wie jener auf grauenvolle Weise das Opfer einer meuchelmörderischen Bande Halb-Wahnsinniger. Di^ außerordentliche Theilnahme und die hohe «Sympathie, welche die Nachwelt Cäsar ausbewahrt, wird Alexander zu Dhcil werden. Die Weltgeschichte wird ihn einst zu den hochherzigsten und edelsten Monarchen zählen, die Rußland je regiert. Das ungeheure Entsetzen über die scheußliche Missethat, über welche nur eine Stimme herrscht, wie der Schmerzensschrei, der dem Hingeschiedenen Czaren aus dem Munde der gesummten civilisirten Welt, mögen sie Juden oder Christen sein, nachtönt, legt davon hinreichend Zeugnis; ab. Das Bewußtsein seines Todes hat seinen Nnierthanen am lebhaftesten in's Gedächtnis; zurückgerusen, was er ihnen gewesen und was er für sie gewirkt und geschaffen. Ein kleines Beispiel hiervon hat die hiesige russsisch-jüdische Gemeinde gegeben. Gestern, Abends, wurde nämlich im hiesigen c-ncn rua zu Ehren des aus diesem Leben gegangenen Kaisers von Rußland, Alexander II', ein Tranergottesdienst abgehalten Die hiesige jüdische Einwohnerschaft wohnte dem Gottesdienste fast voltzählich bei. Unter Anderen war auch das Kaiserlich Russische Consulat durch seinen gcgewärtigen Vertreter, Herrn v. Pilipowitz, repräsentirt. Drei Capitel aus den Psalmen (Cap. 20. 14. 40.) vorgesprockcn vom Eantor der hiesigen Synagogen-Gemeinde und von allen Anwesenden wiederholt, leiteten den Gottesdienst in würdiger Weise ein. Hieraus hielt auf Einladung des Vorstandes der russisch-jüdischen Gemeinde, Herr Rabbiner und Prediger Dr. Rülf eine feierliche und höchst ergreifende Predigt, welcher die Versammelten tiefernst und mit hoher Andacht lauschten. Nach der Predigt sprach der Cantor das übliche Gebet cpom «5a und nachdem als Huldigung ,ür Alexander III. noch das 72. Psalm-Capitel in obiger Weise von letzterem und der Gemeinde recitirt und njnpn nun gesagt worden war, erstieg Herr Dr. Rülf abermals die Kanzel, um das Gebet für das Leben und das Heil des deutschen Kaisers wie des neuen Czaren aller Reußen in deutscher Sprache zu verrichten. Möge sich eine Gelegenheit zu einem derartigen Gottesdienste unter solchen traurigen Umständen znr Ehre der Menschheit niemals wieder bieten Gerson Millner. Hannover. Dem Rechenschaftsbericht über die Verwaltung des Wohlthätigkeitsvereins der Synagogengemeinde Hannover (a’pin mpa yr man cp-ion n^cy) im 119. Jahre seines Bestehens — vom Jahre 1880 entnehmen wir: Die Gesammteinnahme des Vereins (12736) ist ca. 1300 Mark größer als die vorjährige und die größte, die der Verein bis jetzt in einem Jahre gehabt hat. Die Einnahme an Beiträgen und Einkanfsgeldern hat zwar zum ersten Male abgenommen, weil die Einkaufsgelder geringer als im Vorjahre waren; dagegen haben wir an größern Schenkungen 1630 Mark — 1030 Mark mehr als im Vorjahre — erhalten; darunter, wie wir dankbar hervorheben müssen, 200 Mark durch den hiesigen Magistrat vom Ertrage des Reiterfestes. Auch für die Erbbegräbnisse sind über 500 Mark mehr eingegangen und die Zinsen um ca. 150 Mark gestiegen. Die Büchse bei Beerdigungen hat ca. 165 Mark mehr cingebracht; wogegen die andern Büchsen, namentlich bei Festlichkeiten, Mindereinnahmen, wenn auch nicht bedeutende, aufweisen — weshalb wir unsere vorjährige Litte um gütige Berücksichtigung dieser Büchsen hierdurch zu wiederholen uns erlauben Für Bcerdigungsgelder sind ca. 330 Mark und für Leichenkteider ca. 65 Mark weniger ausgenommen — die übrigen Positionen aber ziemlich unverändert geblieben. Die Gesammtausgabe <8462 Mk.)ist wiederum, wenn auch nur um 155 Mark, höher. Die Verpflegung hiesiger Kranke — ist nur wenig gestiegen — die Unterstützung fremder Kranken dagegen um ca. 140 Mark. Beide Positionen zusammen betragen allein mehr als die Beiträge (incl. Einkaufsgelderder Mitglieder, so daß letztere nicht einmal ausreichen die Ausgaben zu decken, welche unmittelbar und direct den armen Kranken zu Gute kommen. Das dauernd belegte Vermögen des Vereins beträgt 65,400 Mark; sämmtliche Obligationen zu