Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1881-03-23 · Heft 12 (23.3.1881) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 12 (23.3.1881)
Date
1881-03-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447850-2447862--17378-2473397
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

287 und gesellschaftliche Nivellirung aus das Enschiedenste bekämpfen, . . . gerade wir können dieser modernen Barbarei eines krankhaften überspannten germanischen Nationalismus, welche von der Weltanschauung des Ehriftenthums ganz eben so weit entfernt ist, wie von der rein weltlichen edlen Humanität eines Lessings und seiner großen literarischen Zeitgenossen, nicht vsttig genug unseren schärfsten und schneidigsten Pro- :eft entgegensetzen." Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Deirlsch-Kreirz (Conr. Oedeuburg). Eine traurige Kunde aus unserer Gemeinde ist es, die mir heute rer Oefsentlichkeit übergeben. Die Zierde der Gemeinde, der Wohlthäter tausender von Wittmen und -vaisen, der wahrhafte Mokir Nabanim, Herr Heinrich Schiff ist plötzlich Mittwoch Nacht den 24. d. M., nachdem derselbe Mitternacht seinen Schiur 'mua^beendete — uns entrissen morden. Unsäglich ist der schmerz, der sich sämmtlicher Gemeindemilglieder ermächtigte. Unser Rabbiner, Herr Joachim Katz, anntte fast keine Worte finden, um seinen Gefühlen der T rauer am Sarge des Verblichenen gehörigen Ausdruck ul verleihen. Geradezu erschütternd wirkten auch die Worte des Rabb.-Assessors D. Friedmann, der die Worte des Dahingeschiedenen, „daß er bereit sei seinen 'Besitz für Limnd Hatorah sofort hinzugeben" zitirte. 'Möge ein solch edler Charakter und biederer Jude ein leuchtendes Vorbild unserer Nachkommen sein. Simon Halemi. Feuilleton. Die Jugendfreunde. Von A. Königshofen. XI. Wir haben Arno von Hauenstein verlassen, als er im Begriff stand, nach der Residenz überzusiedeln, um sich dort auf die Richtercarrivre vorzubereiten. Es war anders gekommen, als er gewollt. Schon waren alle Vorbereitungen zur Abreise getroffen, als der alte Hauenstein plötzlich verschied. Hatte Arno an seinem Vater immer mit großer Verehrung gehangen, so hatten die letzten Monate, da zwischen beiden ein Verkehr geistigen Schaffens und Strebens entstanden war, in dem der Sohn immer mehr den riefen Schatz der Kenntnisse seines Vaters zu bewundern lernte, und in welchem der Vater wiederum den Sohn zu sich so heraufhob, daß dieser sich wie der Genosse eines älteren Freundes betrachten durfte:! das Band der Liebe und Anhänglichkeit fester gei schlungen und inniger verknüpft. Darum war es gerade Arno, der den plötzlichen Verlust seines Vaters am; tiefsten und heftigsten empfand. Vater, Freund,! Rathgeber, Lehrer — Alles war ihm mit einem > Schlage verloren gegangen. Er war untröstlich, er > fühlte sich zu irgend einer Arbeit unfähig, seinen sonst so regen Geist, glaubte er erlahmt, denn er war nicht im Stande nur einen Gedanken zu fassen, nur einem nachzudenken. Ein Gedanke war es, der sein ganzes Sein erfüllte, der, daß sein Vater gestorben und er oer unglücklichste, verlassenste Mensch auf Erde sei. Mutter und Schwester, die sich gefaßter zeigten, suchten ihn zu trösten, aber bei aller Liebe, die er für sie empfand, bei aller Verehrung, die er seiner Mutter bewies, fühlte er sich ihnen doch nicht so vertraut gegenüber, daß ihr Einfprechen auf ihn eine Wirkung hätte üben können. Die Verschiedenheit der Anschauungen über die Werthschätzung der Menschen, trennte Arno von seiner Mutter und Schwester. Letztere stolz, aristokratisch exclusiv, die den Menschen nach dem Range, den die Geburt ihm in der Welt eingeräumt, achteten: Arno in bürgerlicher Gesinnung den Menschen nach seinen Verdiensten, seiner geistigen Größe beurtheilend. Das waren Gegensätze, die sich wohl einmal unangenehm hätten begegnen können, und die in Wirklichkeit zu manchem Mißton Veranlassung gegeben hatten. Einen solchen Mißton hatte es auch gegeben, als kurz nach seiner Rückkehr ins Vaterhaus Arno den seinerseits dringend gewünschten Besuch seines Freundes Kohn empfing. Während der alte Hauenstcin voller Leutseligkeit und Liebenswürdigkeit gegen den Freund seines Sohnes war und sich gern mit dem jungen Manne unterhielt, der bei einem erstaunlichen Wissen ein sehr bescheidenes Wesen an den Tag legte: konnten Mutter und Tochter es nicht über sich gewinnen, sich zu einer freundlichen Unterhaltung mit Kohn herbeizulassen, der in ihren Augen doppelt unwürdig für ihre Salons erschien: als Unadliger und als Jude. Kohn hatte es herausgefühlt, hatte es aber seinen Freund nicht merken lassen, wie tief das Benehmen der Frauen ihn verletzte. Doch Arno waren die eisigen, ja feindlichen Blicke nicht entgangen, die Kohn trafen, und wie sehr ihn dies gegen Mutter und Schwester verstimmte, so gab es andererseits ihm wieder die Gelegenheit, den Freund höher zu schätzen, da dieser auch nicht ein Wort der Mißbilligung über ein solches Betragen dem Sohne gegenüber fallen ließ. In seinem Schmerz über den ihm so plötzlich entrissenen Vater, war ihm das Erscheinen eines entfernten Verwandten, welcher der preußischen Gesandtschaft in Madrid attachirt und im Begriff dort-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.