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Der Israelit · 1881-03-23 · Heft 12 (23.3.1881) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 12 (23.3.1881)
Date
1881-03-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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286 die man zubringen muß, um manche Stelle aufzuzusuchen, könnte man dem Werke selbst widmen. Es wäre sehr bedauerlich, wenn diese Praxis eine allgemeine werden sollte; die außerordentliche Erleichterung, die unsere Talmudausgaben, durch ihre Gleichmäßigkeit in Bezug auf den Seiteninhalt — eine Ordnung, die seit der ersten vollständigen Venezianer Ausgabe eingehatten wurde — wäre dadurch ganz illusorisch. Nach c'pns citirten unsere Rischonim, weil es noch keine allgemein gültige Einteilung der Seiten gab. Gleich in der zweiten Response beruft sich der Verfasser auf den bekannten Unterschied zwischen und xnjvn: letzteres ist eine totale Widerlegung, erfteres läßt die Frage offen, und bringt dazu mehrere Belegstellen, alle nach o’p-s ohne Seitenzahl citirt; unter anderen auch Raschbam o’nun nptn '£3. Nun wäre es keine kleine Mühe diesen bekanntlich sehr großen Perek und den noch größeren Raschbam durchzusuchen, um die betreffende Stelle zu finden. Die Stelle befindet sich in diesem Perek S. 52 a., aber merkwürdigerweise behauptet Raschbam hier das Gegentheil, von dem was ihn der Verfasser sagen läßt. Er bekämpft beit genannten Unterschied und nennt einen ganz anderen. Wahrscheinlich hat der Verf. mit seinem Eitat die dort vom Raschbam bekämpfte Ansicht des n"i gemeint. Nebenbei sei bemerkt, daß Raschbant sich zu widersprechen scheint; denn S. 127 a. gibt er die von ihm oben bekämpfte Ansicht ohne Widerspruch. Immerhin ist es auffallend, daß der Verf. nicht auch, und in erster Linie, die Ansicht Raschi's: Synhedrin 72 a., 112 a. citirt, der sich auch der des n"n anschließt, welche übrigens Zuerst im Aruch 8. v. t*rcpn angeführt wird. Ferner bringt der Verf. als Belegstelle, deit aus seinen Responsen und itnNff '2 's Die Stelle findet sich im »"an, soweit mir bekannt, E. 10; es werden aber dort nur die Worte des zu Gittin 67 a. citirt; er hätte also denselben nicht erst aus den msirn anführen müssen. Dies; Alles legt nur umsomehr Zeugniß für die Größe des Verf. ab, der solche Citate aus dein Gedächtniß niedergeschrieben hat, aber Pflicht des Herausgebers wäre es gewesen, diesem Uebelstande abzuhelfen. Soll doch das Werk Gemeingut aller Lernenden und nicht nur einiger auserlesener Geister werden. In der Response Nr. 4 wird die bekannte Stelle des '’d \vm nenn, die auch Beth Schmuel 17,5 anführt, citirt, welcher aus dem Bibelvers Leviticus, 20, 10 — *61 ,injn — die Entscheidung einer rituellen Frage ableitet. Der Herausgeber macht dazu die Bemerkung: derselbe hätte besser seine Deduction aus dem früheren »'«< gemacht, nämlich nvi »'«<, und knüpft daran eine längere Auseinandersetzung, aus die der Berichterstatter an dieser Stelle nicht entgehen kann. Nur das wollen wir bemerken, daß dem Herausgeber entgangen ist. daß s"« auch auf Engel Anwendung findet, wie: Daniel 9, 21: siehe auch Raschi zu Genesis 37, 15. Ein tieferes Eingehen auf den Inhalt des Werkes ist an dieser Stelle nicht möglich. Das Werk bietet eine Fülle des Neuen und bildet eine wahre Fundgrube sür Entscheidungen schwieriger und zweifelhafter Fälle; außerdem eine Menge Erörterungen theoretischer Themata, denen überall der Stempel eines genialen, großen Geistes aufgedrückt ist. Möge der Herausgeber für die gehabten' Kosten und für die Mühe, die die Ordnung eines solchen, voluminösen Werkes macht, reichliche Entschädigung durch den raschen Absatz desselben finden. Die Ausstattung ist eine ungleich schönere wie die des ersten Theiles. H. ZeLlrrrrgsuachrichten und Correspvndenzeu. Deutschland. Aus Kurhessen. Ü. März. Die „Hessischen. Blätter." das Organ der kurhessischen Partikularisten und Orthodoxen, 'schreiben im Anschluß an ein eingehendes Referat üher die neulich von Dr. Henri n im Thaliatheater in Kassel gehaltene Brandrede Folgendes: „Wir haben geglaubt, daß es von Interesse sein werde, eine der großen Antisemiten-Bcisammlungen, wie sie in dem gegenwärtigen (Henrici'- schen) Stadium der Bewegung in den großen Städten des Ostens an der Tagesordnung sind und jcnt offenbar auch in unseren Westen verpflanzt werden sollen, an einem naheliegenden Beispiele vorgeführt zu sehen. Deßhalb haben wir uns bemüht, in unserem Referate möglichst alle charakteristischen Symtome des gestrigen Vorgangs zusammenzufassen. Was sich aber in den Rahmen eines solchen Referats auch nicht annähernd so wiedergeben läßt, wie es der dafür empfängliche Augen- und Ohrenzeuge empfinden mußte, — das ist der Ton abstoßendster Oberflächlichkeit, Rohheit und Brutalität, der über dem Ganzen lag. Wir haben uns gesagt, daß, wenn etwas geeignet sein könnte, uns zu unbedingten Judenfreunden zu machen, es der fortgesetzte Besuch derartiger Versammlungen sein müßte. Der Gesammteindruck aber, den wir von dem Auftreten des Herrn Dr. Henrici mit hinwegnahmcn, faßt sich in der Ueberzeugung zusammen, daß eine Sache, sür welche dieser Mann in dieser Weise eintrat, durch und durch sau und schon heute rettungslos verloren ist. Gercw wir, die wir die allgemeine rechtliche, volksthümlich

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