Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 12 (23.3.1881)
- Date
- 1881-03-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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282 elbst dem Scheiterhaufen muthig trotzten. Diesen-»^, deren Element Licht, deren Geist Liebe und Gerechtigkeit, deren Siegel Wahrheit, deren Anfang und Ende der einig-einzige Gott ist, soll den Kindern schon in frühester Jugend tief eingeprägt werden, damit sie nicht von ihr lassen, wenn sie alt werden. Dann ging der Vortragende über auf die Zwecke und auf die'Wirksamkeit des Armenvereins, der im verflossenen Jahre so manche Thräne trocknete, so manche Wunde heilte, so manche Noth linderte, so manche Wittwe und Waise unterstützte und forderte dringend auf, dieses Werk der Liebe und Barmherzigkeit zu fördern und den Eifer im Wohlthun nicht erkalten zu lassen, erinnernd an das Wort der Alten: D’*on ^D'31 cjom binz"");cd. Herr Kuttner wird am I. April c. in den Ruhestand treten. Derselbe wirkte in hiesiger jüdischer Gemeinde 33 Jahre lang in seinem Amte und Berufe, nachdem er schon früher eine Reihe von Jahren als Lehrer und Prediger theils in Westphalen, theils in der Rheinprovinz, theils im Regierungsbezirk Bromberg fungirt hatte. Der hiesigen jüdischen Gemeinde gereicht es zur hohen Ehre, daß sie dem im Amte ergrauten Lehrer, dessen Sehkraft durch langjährige Anstrengung in letzter Zeit sehr geschwächt wurde, fast 3A seines bisherigen Einkommens als Pension festsetzte, was auch die Königl. Negierung bestätigte. Möge dieses edle Benehmen der hiesigen Gemeinde andern Gemeinden bei Pensioniruug ihrer Lehrer als Muster zur Nachahmung dienen! — Der treue Lehrer, der seine Säfte und Kräfte dem Dienste der Schule geopfert, sollte überall so gestellt werden, daß er nicht genöthigt sei, am Abende seines Lebens am Hungertuche zu nagen. Dies sind ihm die Gemeinde und der Staat schuldig. Feuilleton. U k i b a. XII. Akiba hatte in Jabneh anfangs einen sehr schweren Stand; vielfach hafteten ihm noch die Gewohnheiten seines frühem Lebens an, die nicht der Reinheit und Heiligkeit der Lebensweise der großen Männer entsvrachen, welche sich um Rabbon Gamliel, Rabbi Elicser, und Rabbi Josua schaarten. Rabbon Gamliel führte sein Fürstenamt mit großer Strenge; selbst die großen Männer, die ihm zur Seite standen, entgingen manchmal, wie wir später sehen werden, der Zurechtweisung nicht; um wie viel härter wurden die Schüler von ihm behandelt! Und Akiba fehlte in so manchen Dingen, theils aus Unwissenheit, theils aus alter Gewohnheit. Rabbi Jochanan ben Nur! war es, der die Verfehlungen des nicht mehr jungen Schülers unerbittlich zur Kunde des Fürsten brachte und ihm dadurch oftmals harte Strafe zuzog, wie Rabbi Jochanan es selbst bezeugt: (Erechin 16 b.) „Ich rufe Himmel und Erde zu Zeugen an, daß Akiba vielemal um meinetwillen bestraft wurde, da ich ihn bei Rabbon Gamliel verklagte; aber er liebte mich deßhalb um so mehr, ganz, wie es heißt: Weise den Spötter nicht zurecht, er möchte Dich sonst hassen; strafe den Weisen, und er wird Dich lieben." Auch in wissenschaftlicher Beziehung hatte Akiba einen harten Stand; er durste es nicht wagen, inmitten dieser großen gelehrten Versammlung den Mund zu öffnen und sich an den gelehrten Discussionen zu betheiligen; er fühlte, daß sein Wissen noch zu gering war. So saß er zwölf lange Jahre zu den Füßen seiner Lehrer, wie ein Stummer, der den Mund nicht öffnet, und oftinals gab Rabbi Elieser seiner Mißachtung über diesen stummen Schüler Ausdruck; aber Rabbi Josua ben Chananja erkannte die Größe seiner Aufmerksamkeit trotz seines Schweigens. Akiba, erzählen die Weisen, glich während dieser ganzen Zeit einem Händler, der, einen großen Korb aus seinem Rücken tragend, Alles einkauft, was nur zu kaufen ist: Waizen, Gerste, Flachs re.; er nimmt es und legt Alles in seinen großen Korb. Wenn der Händler, schwer beladen, nach Hanse znrückkehrt, dann sortirt er die gekaufte Maaren; er legt den Waizen besonders, die Gerste besonders und so all die übrigen Gegenstände, die er cingekauft. In dieser Weise verfuhr Akiba; er nahm in sein Gedächtnis; Alles, auf, was im Lchrhause verhandelt wurde, und in d'er Einsamkeit suchte er sich alles Erworbene znrecht zu legen. Bei diesem ungeheuren Wisscnsdurste verfuhr er manchmal mit der größten Kühnheit. Er folgte seinem Lehrer Rabbi Josua überallhin, lim dessen Benehmen zu beobachten- — Einst hätte er sich durch seine Wißbegicrde beinahe ernstlichen Unannehmlichkeiten ausgesetzt. Er begegnete eines Tages einem der größten Männer jener Zeit, Rabbi Nechuniah, den man wegen seiner grcßen Gelehrsamkeit „den Großen" nannte. Rabbi Nechuniah war ein Genosse des Rabbi Jochanan ben Sackai gewesen und stand daher zu jener Zeit schon im hohen Alter. Ihm trat Akiba entgegen und fragte ihn: Rabbi, wie hast Du es angefangen, daß Du so alt geworden bist? — Die Diener des Rabbi Nechuniah sahen in dieser Frage eine Beleidigung ihres Herrn, ivollten den kühnen Frager ergreifen und ihn für seine Keckheit bestrafen. Akiba entfloh und kletterte auf einen Baum. Von der Spitze des Baumes herab rief er: Rabbi, da schon Kebes ein Lamm bedeutet, warum steht noch einmal echad (ein)? (4. B. M. C. 28). — Laßt ihn, sprach darauf Rabbi Nechuniah _ zu seinen Dienern, er ist ein Gelehrter und hat nicht aus müssiger Neugierde gefragt, wieso ich so alt