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Der Israelit · 1881-03-23 · Heft 12 (23.3.1881) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 12 (23.3.1881)
Date
1881-03-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Religion der Gegenwart, des einzigen Glaubens, welcher überhaupt noch eine Zukunst hat," äußerte sich ein Mitglied des Vorstandes; und ähnlich dachten und sprachen Viele. Die vorhin erwähnte Absicht einer imposanten Kundgebung zu Gunsten dieses Redners wurde verwirklicht. Eine Reihe hochaugesehener Gemeindemitglieder bat den, Vorstand, diesen ausgezeichneten Mann den Repräsentanten als alleinigen Kandidaten zu präsentircn. Zur Ehre des Führers der orthodoxen Richtung must ich bemerken, daß derselbe eine außerordentliche Thätigkeit entwickelte, um diesem Vorgehen der Radicalen entgegenzuwirken. meinem Eifer ist es zu danken , daß eine mit noch zahlreicheren Unterschriften versehene Vorstellung an den Vorstand abging, in welcher die Bitte ausgesprochen wurde, im Hinblicke auf die eminente Bedeutsamkeit der Wahl bei bem ursprünglichen Entschlüsse zu beharren und außer diesem ersten Kandidaten auch noch zwei Andere zu berufen, bevor definitiv zur Wahl geschritten werde. Als der Vorstand sich entschieden hatte, der letzteren Vorstellung Folge zu geben, konnte es sich der wackere alte Herr nicht versagen, mich wiederum anszusuchen, um mir diesen von ihm erkämpften „Sieg" mitzutbeilen. „Lessen Maxime ist die bessere," ries er triumphirend, „die weinige oder die Ihrige? Was Sie mit Ihrem blindem Eifer gefährden, das muß mein versöhnliches Auftreten wieder paralysiren. Denken Sie sich doch nur, wenn dieser onp’EN gewählt worden wäre, wie wäre dadurch für ewige Zeit Misere heilige Sache geschädigt worden! Wir hätten hier nach und nach die schlimmste Reform erhalten. Das ist nun glücklich zu Nichte geworden." „Ich erkenne dankbar und willig das große Verdienst an, welches Sie sich erworben haben," entgegnete irf). „Aber die Gefahr ist noch nicht beseitigt; — sie ist vorläufig abgewendet, ja eigentlich nur vertagt worden. Wenn es Ihnen schließlich nicht gelingt, die Wahl auf einen wirklich gewissenhaften Rabbiner zu lenken, so haben Sie wenig erreicht." „Sic sind aber auch niemals zufrieden zu stellen," erwiderte er nnwuthig. „Ich danke Gott, daß ich dieses wahrlich schwere Werk vollbracht habe. Dieser Herr, welcher offen erklärt, daß das ganze Judenthum mit Ausnahme der Gottesidec veraltert ist, welcher die Göttlichkeit der Thora leugnet, — der wird hier nicht gewühlt. Daraus können Sie sich verlassen; unser Herr Rabbiner würde niemals neben ihm amtircn. So viel Einfluß besitzen wir beide — der Herr Rabbiner und ich — nun doch noch, uni eine solche Wahl zu verhindern. — Der Vorstand I hat bereits den zweiten Eandidaten berufen. — Wir! werden siegen, darauf dürfen Sie fest bauen." „Ich will es hoffen," antwortete ich; „aber! ich verhehle Ihnen nicht, daß ich nicht allzu sangui-! nisch bin. Ich habe kein großes Vertrauen zu der Entschiedenheit unserer Orthodoxen. Ich fürchte die; diplomatischen Kunst, welche so gern Compromiffe l schließt; ich fürchte die Zaghaftigkeit, welche es nicht; wagt, ein offenes männliches Wort zu reden; ich; fürchte die Unentschiedenheit unseres Herrn Rabj biners." „Sie scheu, wie gewöhnlich, auch dieses Mal : zu sckwarz, bester Herr Simon," meinte der würdige : Herr. „Unser Herr Rabbiner sowenig wie ich, lassen; uns einen Reologen ausdrängen." Einen Reologen nicht, dachte ich, als mein Bej such sich entfernt hatte. Ein Redner, der offen sein ' nihilistisches Glaubensbekenntniß ablegt, wird von euch verworfen werden. Wer cs aber klüger anzuj fassen weiß, als jener junge Doctor, welcher sich j allzusehr aus die große Anzahl der Radicalen stützte, ' der wird euch düpiren, das fürchte ich. Ob meine Befürchtungen gerechtfertigt waren? Der weitere Verlauf unserer interessanten Wahlgeschichte wird hierauf die Antwort geben. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Wresche«, 16. Mürz. Der 7. Adar hat für! die hiesige jüdische Gemeinde, als um niro nmo o« n"y und als Stiftnngstag des so segensreich wirken-; den Armenvereins eine doppelte Wichtigkeit. Wie : alljährlich fand auch in diesem Jahre im amen rva | eine Generalversammlung statt, in welcker über Ein-; nähme und Ausgabe im verflossenen Jahre Rechnung : gelegt wurde. Statt des damals erkrankten Rabbi-! nats-Verwesers, Herrn Israel Wißkowski, hielt! der Lehrer Kut cn er einen auf die Feier des Tages ' bezüglichen religiösen Vortrag. In der Einleitung mit! dem nvrr? p-ntpn erst ,\>rr ctcu sich entschul-! digend und die Zuhörer an das Psalmenwort | Hn n-sp Tnnp w vwan nobo erinnernd, sprach Redj ncr zuerst über die Größe und Sendung Moses an ' der Hand der Bibel und der rabbinischen Schriften, erklärte mehrere daraus bezügliche dunkle Stellen im Talmud, beklagte die traurige Erscheinung, daß : n*? tp-20 »*n n.'n ppa nrwo m;nn und ermahnte dringend, die Lehre, die uns Moses als heiliges Erbe für die Gemeinden Jacobs hinterlaffen, se'ftzuhalten und nachzuahmen unfern Vorfahren, die mit dieser göttlichen Lehre wanderten von Ort zu; Ort, von Land zu Land, von Weltrheil zu Welttheil, vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenniedergange, für die sie Gut stmd Blut willig Hingaben, Kränkungen und Zurücksetzungen geduldig ertrugen und

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