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Der Israelit · 1881-03-23 · Heft 12 (23.3.1881) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 12 (23.3.1881)
Date
1881-03-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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279 düngen auf die engere Wahl gestellt und die betreffenden drei Rabbiner zu einer Probepredigt eingeladen. Obgleich nach dem Gemeindestatute die Wahl zur Machtbefugniß des Vorstandes gehört und die Repräsentanten das Bestätigungsrecht haben, die Gemeindemitglieder aber überhaupt gar nicht zu einer Mitwirkung berufen sind, so fühlte mau doch sich gewissermaßen moralisch verpflichtet, der Gemeinde die Gelegenheit zu gewähren, durch die Vorstellung der erwählten Kandidaten sich ein Urtheil zu bilden. Es würde dadurch sich eine „öffentliche Meinung", auf die man gebührend Rücksicht nehmen könnte, erzeugen.^ Dieser modus procetlendi fand in allen Kreisen beifällige Aufnahme und es machte sich eine gewisse Aufregung bewerklich, welche mit der sonstigen Gleichgiltigkeit in Gemcindeangclegenheiten contrastirte. Männer, welche sonst den Vorgängen innerhalb der Synagogengemeinde gar keine Beachtung zu widmen pstegten, bezeigten das lebhafteste Interesse für die Wahl; es bildeten sich verschiedene Ausschüsse, um der Gemeindeverwaltung die geeignete Direction zu geben und dieselbe über „die wahre Stimmung der Mehrheit der Gemeindemitglieder nicht im Unklaren zu lassen." „Die israelitische Cultusgeincinde" bildete eine stehende Rubrik in den politischen Zeitungen. Die „Orthodoxie" wurde heftig bekämpft, die Öthodoxie, welche in der Gemeinde dominiren sollte! Du lieber Himmel! unsere zahme Orthodoxie, und dominiren! Wenn die Bestrebungen, welche durch dergleichen aufreizende Artikel gefördert werden sollten, nicht geradezu auf die Vernichtung des Judenthums hinausgingen, — wenn das Mittel der Verdächtigung und Entstellung nicht so verwerflich wäre, so hätte man über diese Kundgebungen in der Presse lächeln können. Da hieß es unter Anderem: „Es gilt jetzt, endlich dem Lichte zum 'Siege zu verhelfen, es gilt der Befreiung des Geistes! Schon zu lange haben die Elemente der hiesigen jüdischen Gemeinde den Despotismus der Orthodoxie ertragen. Mit einem Fanatismus sonder Beispiel terrorisirt diese kleine aber rührige Parthei die aufgeklärte, fortgeschrittene Majorität. In unvergleichlicher Friedfertigkeit hat diese sich bisher; gebeugt; Rücksichten, welche dem Herzen zur Ehre gereichen, legten den berechtigten Anforderungen einen Hemnischuh an. Unser Vorstand ist der Hort der Orthodoxie, unsere Repräsentanten sind deren Schildträger, unser Rabbiner gehört ganz und gar zur strengsten orthodoxen Richtung. Wenn wir nicht auf unserer Hut sind, so wird durch die bevorstehende Wahl das orthodoxe Regiment bei uns für die Ewigkeit begründet und unsere Enkel werden darunter, gleich ihr^n Großvätern, zu seufzen haben. Darum laßt uns dahin streben, daß ein Mann berufen wird, welcher dem Fortschritte, der Aufklärung huldigt!!" u. s. w. u. s. w. Dabei muß constatirt werden, daß unser Vorstand ausschließlich aus Mäunern besteht, welche mit dem Judenthum in Leben und Gesinnung längst gebrochen haben; sie sind Alle roy keines Einzigen Haushalt wird nnaoa geführt! Das Gleiche ist der Fall bei zwei Dritthcilen unserer Repräsentanten; and unser Rabbiner ist ein schwankes Rohr, welches von einer Festigkeit, geschweige denn von einer „Starrheit" kein Atom in sich trägt! Wir haben „die Richtung" unserer Lenker und Leiter schon kennen gelernt, auch den angeblichen Fanatismus unserer Orthodoxen, wie solcher in dem „Haupte der Orthodoxie" zum Ausdruck gelangt. „Da haben Sie es," mit diesen Worten trat das eben genannte „Haupt" bei mir ein. Der alte Herr war'so erregt, daß er den Gruß vergaß. „Ich habe es Ihnen immer gesagt, — Sie wollten aber nicht hören. Daß ich das erleben muß! Fanatismus der Orthodoxen! Sie tragen die Schuld, Herr Simon; Sic haben gehetzt, Sie haben die Gemüther erbittert. Sie haben das Feuer geschürt, welches uns jetzt sicher vertilgen wird! Wir erhalten ganz bestimmt einen Ultraradikalen zum Adjuncten — das ist Ihr Werk!" „Mein Werk?" entgegnete ich erstaunt. „Ja, Ihr Werk," erwiderte der Erregte. „Sie haben jetzt überall und bei jeder Gelegenheit über unsere Gemeindeverwaltung geklagt, Sie haben jetzt überall hin die Parole ausgegeben, daß man vor allen Dingen darauf halten müsse, einen echt frommen Rabbiner zu berufen, der mit Eifer und Hingebung für das alte von den Vätern uns überkommene Gesetz eintrete und im Geiste des tradirten Judenthums wirken würde, damit unsere Kinder und Enkel streng nach den Satzungen des Judenthums leben; daß sie besser werden als ihre Väter; daß sie nicht nur ein jüdisches Herz, sondern auch einen jüdischen Haushalt haben; die ihre Geschäfte am Sabbath geschlossen halten u. dgl. m. Haben Sie nicht also fortwährend und bei jeder Gelegenheit gesprochen?" „Gewiß", antwortete ich. „Aber ist denn dieses ein Verbrechen, ist denn das Fanatismus? -Habe ich denn nicht damit nur dasjenige ausgesprochen, was recht und wahr ist?" „Aber unklug ist es gewesen," brauste der alte Herr auf, „und fanatisch in einem Kreise wie dem ünsrigen. Ich habe Sie immer gewarnt — jetzt haben Sie die Folgen vor Augen!" „Rein, geehrter Herr!" entgegnete ich. „Ich halte

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