Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 11 (16.3.1881)
- Date
- 1881-03-16
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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271 Däne m a r k. Kopenhagen. Herr Elias Prager, der mlläugst gestorben, soll der hiesigen Gemeinde die Summe von über eine Million Frank vermacht haben. Feuilleton. Pie Jugendfreunde. Von A. Königshofen. X. Die beiden jungen Leute, welche sich nach langer Trennung heute zum ersten Male wieder gesehen, wollten den Rest des Abends noch miteinander zubringen, und Kohn begrüßte cs aus vollem Herzen, als Somberg, der Frankfurt einigermaßen kannte, den Vorschlag machte, das herrliche Wetter zu einem Spaziergang durch dst wunderbaren Promenaden zu benützen, welche die -Lckadt von drei Seiten wie mit einem Blüthengürtel umgeben. Sie setzten sich auf eine der Bänke nieder, um ungestört zu plaudern, als von einer seitwärts stehenden, ganz vom Gebüsch umgebenen Bank, deren Gestalten durch das Buschwerk verdeckt waren, Worte sielen, die Kohn's ganze Aufmerksamkeit erregten. (h stieß seinen Freund an, sich ruhig zu verhalten, das; sie nicht bemerkt würden. „Die Frau v. Hauenstcin," so hörte Kohn unter gespannter Erwartung sagen, „ist eine Närrin, die mit Schmeicheleien vollständig zu kirren ist. Ich ''Vielte den Baron so gut bei ihr, und verstand ihr stzu schmeicheln, daß sie mit der Zeit gegen meine zärtlichen Aufmerksamkeiten gegen ihre Töchter nichts mehr einzuwenden hatte. Das Mädchen gefiel mir, ste ist ein bischen hochnäsig Fremden gegenüber, mir gegenüber aber die vollste Zutraulichkeit." „Nun, und Du heirathest sie nicht?" fragte der Andere scherzend. „Unsinn! Wenn ich alle die heirathen sollte, denen ich schon Liebesschwüre geleistet, dann müßte ich unter die Mormonen gehen. Du weißt, ich hatte Ursache/, wenn ich nicht nach Amerika wollte, einige .Feit mich incognito in Deutschland aufzuhalten; das abgelegene thüringische Dörfchen diente ganz meinen Zwecken, dort fand ich die Frau v. Hauenstein mit chrer reizenden Amanda, die wegen ihrer Trauer die Sommerfrische in der Abgeschiedenheit halten wollten, ich benutzte die Gelegenheit, die Langeweile nur anaenefmtjn kürzen: vuihi tout!" „Seid ihr denn bis zu einem Verlöbniß gelaugt?" „Bis dicht daran. Das war denn so; die Mutter sah, daß wir uns gern hatten, d.h. ihr Töchterchen mich; meine Familie, d. h. die, welche ich als die meinige gelten ließ, gefiel ihr, ihre Andeutungen, mich um ihre Tochter zu bewerben, wurden immer deutlicher, nun so that ich ihr denn den Gefallen, eines Tages in optima torma als Werber um die Hand ihrer Tochter aufzutreten. Natürlich formelle Bedenken, sie müsse erst. aus den Briefen meiner Eltern ersehen, daß sie mit der Wahl übereinstimmten, auch müsse sie erst ihren Sohn Arno, der sich gegenwärtig in Madrid anshalte, davon in Kenntniß setzen u. s. w. u. s. w. Nun war ein Brief meiner sogenannten Eltern zu beschaffen—da half mir dieNoth aus der ganzen Verlegenheit heraus. Am andern Morgen ist in dem Hause, wo mir wohnen, eine auffallende Thätigkeit zu bemerken; die ganze Dienerschaft, zwei stämmige Mägde und ein Knecht, ist in fieberhafter Bewegung begriffen, es wird gekehrt, gescheuert, Schränke und Betten werden gerückt, die zwei schönsten Zimmer werden hergerichtet, man sieht, hoher Besuch wird erwartet. Der Wirth läuft schweißtriefend treppauf, treppab, und auf Befragen, was denn eigentlich vorgehe, thut er recht wichtig geheimnißvoll, bis er nach und nach damit herausrückt, Herr o. d. Heydt habe Zimmer bestellt, er wolle vier Wochen dableiben, aber ganz zurückgezogen, Niemand dürfe es wissen, in drei Tagen werde er da sein. Das war für mich das Signal zum Aufbruch, es wäre mir nicht lieb gewesen, wenn der Mann mein Incognito verrathen hätte. Was nun zu thun, ich fahre nach der nächsten Stadt H., telegraphire an mich nach dein Dörfchen, fahre gleich wieder zurück, und wie ich Abends ankomme, kommt mir schon Amanda entgegen mit einem Telegramm in der Hand, das fei während meiner Abwesenheit für mich angekommen. Ich breche das von mir an mich abgesandte Telegramm auf, erschrecke natürlich sehr, denn es enthält von einem sorgsamen Freunde die Nachricht, daß er brieflich erfahren, mein Vater liege bedenklich krank, man wolle mich schonen, aber er hielte es für Pflicht, nur den Sachverhalt anzuzeigen. Die Frauen bedauern mein Mißgeschick sehr, Amanda treten die Thränen in die Angen. Da gibt es keinen Ausweg; Kindespflicht gebietet mir zu reisen. Am andern Morgen sind meine Sachen gepackt; ich verabschiede mich, bitte um baldige Briest nach meinem angegebenen Wohnort, stecke der kleinen Amanda einen Brillant an den Finger — woher der stammt, kann ich bei meiner großen Kundschaft nicht wissen — einen Abschiedskuß — es war der erste in Gegenwart der Mutter — Amanda weint hell auf und Adieu!" „Das ist wirklich zum Ergötzen — aber das arme Mädchen!" „Ah, bah doch wie stehtst mit Deinen Geschäften?"