Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1881-03-16 · Heft 11 (16.3.1881) · page 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 11 (16.3.1881)
Date
1881-03-16
Page
– (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447850-2447861--17362-2473380
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

272 „Sehr gut — doch unterwegs mehr davon; es ist Zeit, der Zug wird in 10 Minuten gehen, wir wollen gleich hinüber zur Bahn. — —" Kohn waren diese Enthüllungen in mehr als einer Beziehung von großer Bedeutung, aber auch derart, daß sie seinen ganzen Zorn über den Elenden wachriesen, welcher mit so großem Behagen einem Eomplicen von seiner Schurkerei erzählte. Er hätte aufspringen und den Schurken auf der Stelle packen mögen, der die Schwester seines besten Freundes so schändlich hintergangen hatte. Aber, was sollte er, der Fremde, in einer fremden Stadt thun? Jedenfalls wollte er es versuchen, das Gesicht des Schurken sich zu merken, und er bat darum Somberg, mit ihm den beiden Männern nach dem Bahnhof zu folgen. Diese waren mit ihrem leichtenHandgepäcke schon an dem Portal des Bahnhofs angelangt, so daß die Verfolgenden sich sehr eilen mußten, wenn sie sie noch erreichen wollten. Kaum hatten diese den Perron betreten, als sie die Fremden schon einsteigen sahen, cs war der letzte Moment, die Locomotive pfiff und der Zug ging ab. Kohn lief noch die sill langsam bewegende Wagenreihe entlang, ob ihm nicht doch noch eine Entdeckung gelänge, da legte sich ein Gesicht an eines der Wagenfenster, das volle Licht der Gaslaterne fiel auf dasselbe, in demselben zog cs sich, als wäre es von einer Viper gestochen, blitzschnell zurück, aber dieser eine Moment hatte genügt, um Kohn das glattrasirte Gesicht eines ehemaligen Kommilitonen erkennen zu lassen, und zwar das desjenigen, welcher in Berlin so viele Leute dnpirt hatte, das — des pseudonymen Grafen v. Roterskoff. Kohn machte sich die bittersten Vorwürfe, daß er nicht schnell zugegriffen, als er die schamlose Unterhaltung des Betrügers gehört, oder daß er nicht wenigstens ihm schneller nachgecilt war. Somberg, dem er in Kürze eine Charakteristik dieses Menschen entwarf, erbot sich, ihn zum Polizeiherrn zu führen, der den Verbrecher, auf den ja ein Steckbrief lief, gewiß werde telegraphisch verfolgen lassen. Sie eilten dorthin, es war schon nach elf Uhr, als sie das Polizeigebäude betraten. Der dienstthuende Beamte hörte der Erzählung Kohn's mit Interesse zu, er durfte aber aus eigener Machtvollkommenheit nicht handeln. Bis die Erlaubnis; zur Verfolgung vom Polizeiherru gegeben war, waren zwei Stunden verflossen , so daß der Zug fast schon Eoblenz erreicht hatte, als der Befehl zur Absuchung der Waggons eiutraf. Die Recherche verlief rcsultatlos, die Conducteure vermochten auch nichts anzugeben, da bei Bingen bereits der Dienstwechscl eingetretcn war. Rur so viel ergab die spätere Untersuchung, daß ein Condueteur zwei .Herren, die nach Paris Billete gelöst hatten, zwischen Mainz und Bingen nicht mehr im Zuge gesehen hatte. Es war also klar, daß die Gauner den Zug in Mainz verlassen hatten. Kohn's Erstes aber war es, daß er sogleich, als er in sein Hotel kam, einen ausführlichen Brief an seinen Freund Arno nach Madrid schrieb, den er, da erdessen genaue Adresse nicht wußte, cm die preußische Gesandtschaft richtete. Er hielt dessen Gegenwart sowohl seiner Mutter und Schwester wegen, als auch wegen einer Suche nach den Verbrechern in Deutschland für nöthig Er wollte seinen Freund in Frankfurt erwarten, um mit ihm die nöthigen Schritte zu berathen. Bei Mayer ließ er sich am andern Abend entschuldigen, somberg mußte allein die Aussprüche Banmann's bekämpfen, was ihm auch mit entschiedenem Erfolg gelang. Zwei Tage nach Absendung des Briefes erhielt Kohn eine Depesche von Arno, daß er bereits nach Frankfurt abgereist sei, und am dritten Tage umarmten sich die treuen Freunde. (Fortsetzung folgt.) ANZEIOEir. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Zucker nDD 7$ en gros. Prompte Aufträge effectuiven noch zu billigsten Tagespreisen. Samuel Baer's Söhne, Haiberstadt. Offene Lehrlingsstelle für einen jungen Menschen aus anständiger Familie, mit den nöthigen Borkennrnissen versehen, in einem Golonialwaarengescliäst en gros & on detail (Samstag geschlossen) unter annehmbaren Bedingungen. Offerten unter Nr. 962 besorgt die Gxp drtioir d. Bl. C^n einer streng reüg., sehr anständigen <y3 Familie in Hamburg findet ein junger Mann billigst Beköstigung, Logis und familiären Berkehr. Adr. an S.J. Meyer, Hamburg, Mühlenstr. 44. (961 /£in leb. Lehrer wünscht wegen Austritt aus seiner Function in ein passendes Geschält hinelnzuheiratheil oder in einem solchen Stellung. Offerten unter Nr. 971 besorgt die Erpev. d. Bl. 976)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.