Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 11 (16.3.1881)
- Date
- 1881-03-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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263 Ebenso verwies er auf angebliche Aeußerungen Mendelsohn-Bartholdy's und Meyerbeer's, welche sich von: musikalischen Standpunkte gegen die Orgel ausgesprochen hätten und ersuchte schließlich die Herren, doch von der Einführung dieses Instruments abzusehen, weil doch eine Anzahl von Gemeindemitgliedern;::ti einer solchen Neuerung nicht einverstanden sein möchte, sein Gefühl ebenfalls dagegen spräche und Friedensliebe doch die charakteristische Tugend der hiesigen Gemeinde sei und auch hoffentlich bleiben werde. Die lange, bewegte Ansprache hatte das Resultat, daß folgende Tagesordnung beantragt und angenommen wurde: „in Erwägung, daß die Einführung einer Orgel zur Zeit von noch vielen, namentlich älteren Gemeindemitgliedern mit ungünstigem Auge betrachtet werden würde, und in fernerer Erwägung, daß die Einführung einer Orgel, wenn auch als ein unabweisbares Bedürfniß erkannt und deßhalb für die Dauer nicht vermieden werden könne, dennoch nicht so dringend nothwendig erscheine, daß schon in der heutigen Sitzung ein endgiltiger Beschluß zu fassen erforderlich wäre, geht das vereinigte Eollegium über den vorliegenden Antrag zur Tagesordnung über". Nach der Annahme dieses Beschlusses erhob sich der Herr Rabbiner nochmals und beglückwünschte die Herren für ihre» versöhnlichen, friedlichen Sinn, — beglückwünschte die Gemeinde zu solchen Vertretern, und beglückwünschte sich zu einer solchen Gemeinde! Das ist der Sieg, den unsre Orthodoxie errungen hat! Wir sind doch sehr, — sehr bescheiden! Da ist Niemand, welcher auch nur den Muth hätte, offen und kräftig für die Unantastbarkeit des «Gesetzes das Wort zu nehmen, ja, es überhaupt zu betonen, daß durch die Annahme jenes Antrags das «besetz verletzt werden würde! Das soll Alles sein ruhig und still abgehen, beileibe kein lautes Wort. — Für den unverbrüchlichen Gehorsam gegen das Religionögesetz wagt Niemand in die Schranken zu treten. Der Rabbiner, berufen, das Gesetz zu lehren, verschweigt dessen Inhalt und führt die Gemeinde irre, verwirrt die Gewissen und gibt Alles preis, wo er mühelos retten könnte. Wenn die vorstehend mitgetheilte Tagesordnung als ein Sieg der Orthodoxie bejubelt wird, — wie sieht dann eine Niederlage aus? Unsre Orthodoxen, sie denken nur an sich; so; lange sie leben, möchten sie noch „.fromm" bleiben; ' die Zukunft ihrer Kinder und Enkel ist ihnen eine bereits verlorene, apres noüs le dgluge! Wahrlich, eine Sache ist verloren, die man seli ber aufgibt; der Feldherr wird als Feigling infam kassirt. welcher ohne Noth kapitulirt. Und wir? Unsre Sache ist niemals verloren, kann niemals verloren gehen; es ist ja nicht unsre, der Sterblichen j Sache, die wir zu führen haben, es ist ja die Sache i des ewigen Gesetzes des ewigen Gottes, welche unfern Händen anvertraut ist, auf daß wir das Wort unsers Herrn und Königs vollbringen im Leben, auf daß jeder Athemzug den Gehorsam gegen Ihn bethätige, auf daß jede Minute unsres Daseins die Treue gegen Ihn besiegle. Die Sache des Judenthums, des vollen, ganzen Judenthums ist niemals gefährdet, kann niemals gefährdet sein — aber w i r, unser Heil und bas Heil unser Kinder kann gefährdet sein, so wir die Treue brechen, so wir feige das Banner zu Boden sinken lassen, so wir nicht den Muth haben, das Bekenntniß unsrer Väter auch in der Gegenwart unseren irregegangenen Brüdern gegenüber zum Ausdruck zu bringen und dafür einzutreteu mit dem gauzell Ernste heiliger Ueberzeugung. Gott wird für Sein Gesetz andere treuere Bekenner erstehen lassen — jene Lauen aber und ihre Kinder werden der heiligen Sache verloren gehen. Wenn wir, die „Orthodoxen", die wir als die „Frommen" gelten, unfern Brüdern, den „Aufgeklärten," den „Refornlern," — wenn wir die omn nai die emsig und gewissenhaft aus Gottes Satzungen Achtenden in Wahrheit und Wirklichkeit sein wollen, wenn wir die 'n \xttn, die Träger des Gottesgesetzes, des Gottesheiligthmns, des Gottesbanners, in der That zu sein beanspruchen — dann dürfen wir nicht pactiren und diplomatisircn, dann müssen wir den festen Sinn haben, bei dem GotteSbanner auszuharren und dem Gottesgesetze Anerkennung zu verschaffen in dem Kreise unserer Genossen. Wenn es aber auch von unserer Zeit heißen müßte, daß bi ,tk ne« jo nvrcr, daß die Priester, die vor Allem berufenen Vertreter des Gesetzes, es nicht wagen den gesetzwidrigen Anforderungen mit dem Hinweise auf Gott entgcgenzntreten, und wen ’Jun’ tn'J rn?nn, und die das Gesetz noch halten und als die Frömmeren in unseren Gemeinden betrachtet werden, ihre Ausgabe verkennen — dann geht in unseren noch „frommen" Gemeinden unser Geschlecht dem Judenthum verloren. Das sollten wir beherzigen, das sollte unser Verhalten bestimmen, das sollte unsre Thatkraft stählen, das sollte unsre Seele entflammen — in Wort und That einzustchen für Gott und Sein Gebot, unbekümmert um den Beifall oder das Mißfallen unsrer abgefallenen Brüder. min Dinn n-pyn ns, „Bewahre die Bestimmung , siegele die Lehre bei denen, die von Mir sich unterrichten lassen wollen." (Jesejah 8, 16.)