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Der Israelit · 1881-03-16 · Heft 11 (16.3.1881) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 11 (16.3.1881)
Date
1881-03-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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259 Feuilleton. % fi i 6 a. XI. Der Kaiser war mit seinen Heeren an den Rhein gezogen, wo die Chatten Moguntiacum belagerten. Als die Germanen von der Annäherung des römischen Heeres unter der persönlichen Anführung des Kaisers vernahmen, zogen sie den Römern entgegen. Da ließ Domitian die in dem Kästchen des Rachum enthaltene Erde gegen sic ansstreuen; ein furchtbarer Schrecken bemächtige sich der Germanen; sie entflohen. Die Römer aber verfolgten sie und nahmen viele von ihnen gefangen. Da schickten die Chatten Gesandte an den Kaiser und versprachen Unterwerfung. Cin für die Römer sehr vortheilhafter Vertrag wurde abgeschlossen, und die großen Folgen dieses glücklichen Feldzuges sind zu erkennen aus der Ruhe, die in dieser Gegend zu herrschen fortfuhr, und aus der romanisirten Bevölkerung in den angrenzenden Distrikten, welche Rom wenige Jahre später in den Stand setzte, sie für immer mit dem Reiche zu verbinden. Voller Siegesfreude eilte der Kaiser nach Rom zurück. Der Senat schickte ihm eine Deputation entgegen und ließ ihm verkünden, daß er ihn des Triumphes für würdig erachte. Domitian blieb deshalb so lange außerhalb der Mauern der Stadt, bis die Vorbereitungen zu der Feierlichkeit beendigt waren. Darm rückte er an der Spitze seiner Truppen, angethan mit den Insignien des militärischen Commando's, durch das Siegesthor^in die Stadt ein und zog durch die vornehmsten Straßen nach dem Capitol, wo er dem Jupiter das nationale Opfer darbrachte. Der Kaiser fühlte sich durch die ihm zu Theil gewordenen Chren im höchsten Grade beglückt. Das Volk applaudirte. Die Soldaten, welche eine Zulage zu ihrer Löhnung erhalten hatten, erhoben, als er in die Stadt einzog, ein Freudengeschrei hinter ihm her nnd schwangen ihre furchtbaren Waffen. Die Dichter saugen ihm Loblieder. Der Senat gab ihm den Beinamen „Germanicus“ und legte diesen Namen dem Monat September bei. Inmitten seiner Freude ließ der Kaiser die jüdischen Deputirten vor sich kommen, dankte ihnen für die köstliche Gabe, welche sie ihm überbracht hatten und ließ reiche Geschenke an sie vertheilen. Rachum nnd seine Begleiter rüsteten sich zur Heimfahrt. Akiba verabschiedete sich von seinen gütigen Wirthen, von Clemens und Domitilla. „Du wirft nun von uns scheiden," sprach die Letztere, „aber das Samenkorn, das Du in uns gesäet hast, wird in uns aufgehen. Mein Gatte und ich, wir fühlen uns schon von der Ueberzeugung durchdrungen, daß der Gott Israels der einzige Gott ist und kein Gott außer Ihm." „Wer von den Heiden," antwortete Akiba, „zur Erkenntniß des einzigen Gottes gelangt, der gleicht unserm Vater Abraham. Auch er lebte inmitten einer heidnischen Welt. Sein Vater, seine Mutter, seine Geschwister und die ganze damals lebende Menschheit waren Götzendiener." „Und wie gelangte Abraham," fragte Clemens, „zur Erkenntniß des einzigen Gottes?" „Der König Nimrod", entgegnete Akiba, „an dessen Hofe Therach, der Vater Abrahams lebte, wollte diesen gleich nach seiner Geburt tödten lassen. Da verbarg Therach ihn und seine Mutter viele Jahre lang in einer Höhle. Als Abraham die Höhle verließ, erblickte er all die Erscheinungen, die uns alltäglich sind, mit großem Erstaunen. Er fragt^ nach der Entstehung der Sonne, des Mondes, der Sterne, der Erde, der Berge, der Flüsse, der Bäume, der Thiere, der Menschen. Er konnte nickt begreifen, daß die Götzen aus Holz und >stein, diese schone vollkommene Welt erschaffen haben sollen. — Sie haben, sprach er zu sich, einen Mund und reden nicht, sie haben Augen nnd sehen nicht, sie haben Ohren und hören nicht, sie haben eine Nase und riechen nicht; nnt ihren Händen können sie nicht greisen und mit ihren Füßen nicht gehen und kein Laut wohnt in ihrer Kehle. — Durch langes, eifriges Nachdenken gelangte Abraham endlich zu der Erkenntniß des einzigen, allmächtigen, unsichtbaren Gottes. Und Gott' offenbarte sich ihm, und lehrte ihn die höchste Wahrheit. Da zerschlug Abraham die Götzenbilder seines Vaters, und als Nimrod ihn deßwegen ergreifen und in den feurigen Kalkofen werfen ließ, rettete ihn der allmächtige Gott, und befahl ihm, auszuwandern nach den Ufern des Jordan. Hier verkündete Abraham den Rainen Gottes und erzog in seinem Sinne seinen Sohn Jizchak, den ihm Gott im späten Alter gesckenkt hatte. Jizchaks Sohn, Jacob, wurde der Stammvater unsres Volkes, und seinen Rachkommen verlieh der allmächtige Gott das Land, welches er dem Abraham verheißen hatte." „Auch wir wollen uns bemühen,' sagte Clemens, „den erhabenen Dingen, die Du uns gelehrt, eifrig nachzudenken. Meine Gattin und ich, wir finden keine Befriedigung in der Lehre von den vielgestaltigen Göttern unsrer Nation. Domitian hat keine Kinder; Domitilla und ich wir sind seinem Blute die nächsten; vielleicht wird er mich oder einen meiner beiden Söhne an Kindesftatt annehmen; und wenn ich oder mein Sohn mit dem kaiserlichen Purpur bekleidet sein werde, dann wirst Du von mir hören, Akiba!" Rachum und seine Begleiter kehrten nach Judäa zurück. Als sie nach Vrundisium kamen, vernäh inen

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