Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 11 (16.3.1881)
- Date
- 1881-03-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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258 % Deutschland. Kettwig. Herr Lehrer Wiesen in K e t t w i g erhielt von Sir Moses Montesiore für die ihm zugesandten Photographie-Bilder in 5 Gruppen, die rühmlichst bekannten m;::, c -ä-r.«* u. s. w. darstellend, aus der Kanzlei zu Ramsgate ein belobendes Anerkennungsschreiben. — Diese Anerkennung für seine mit großen Schwierigkeiten und Mühen zufammengetragene Bilder der'^^r, uw, der großen Denker, der berühmten Männer der Vorzeit ist Herrn Wiesen um so mehr zu gönnen, da derselbe lediglich nur ans dieses Geschäft angewiesen ist und damit seine Familie ehrenhaft durchbringt. Herr W. ist auch schriftstellerisch thätig. Derselbe hat n-»n ’jjr rrsn und ■~€rr\ n.-y verfaßt und sind diese Werke für den Lehrer und den Schüler bequem; die darin ausgcführte Methode ist anerkannt. Diese Schulbücher sind in Recensionen von namhaften Pädagogen empfohlen worden. Oefterr. - Ungar. Monarchie. Budapest. Die Volkszählung hat eine Menge von „ältesten Menschen," die weit über 100 Jahre zählen, zu Tage gefördert Aus Kecskenwt kommt die Nachricht, daß dort zwei Personen, ein Mann und eine Frau, leben, die sich der besten Gesundheit erfreuen und vollkommen rüstig sind, trotzdem er 100, sie sogar 111 Jahre alt ist. Der Mann heißt 'Nathan Springer, die Frau Katharina Hirsch. — Aus Tyrnau wird uns gemeldet: Im sinne des in jüngster Zeit an die Jurisdictionen herabgelangten Ministerial-Rescriptes bezüglich der Constituirung der isr Cultusgemeiudeu hat gestern hier behufs Feststellung des der Behörde gegenüber anzunehmenden Charakters (Schomre Hadoith, Status-quo, Eongreß), wiewohl die hiesige Judengemeinde sich bereits im Jahre >860 als Status-quo- Gemeinde erklärte und ihre Statuten vom Ministerium genehmigt sind, eine Abstimmung der Gemeindemit-; glieder stattgefunden. Von 192 Stimmberechtigen j wurden blos J60 Stimmzettel abgegeben, davon er-! hielten die Status-guorianer rund 100, die schomre- - Hadalhparthei GO und die Eongreßler auch nicht eine Stimme. Die Schomre-Hadathparthei wird nun eine besondere Gemeinde bilden und sich von der bisherigen gänzlich lossagen. R u m ä n i e n. Bukarest. Als vor etwa anderthalb Jahren j der Kompromiß wegen der Gleichstellung der rumä-! nischen Juden mit den übrigen Bürgern Rumäniens zu Stande kam, wiesen wir darauf hin, daß derselbe den Leschlüssen des Berliner Kongresses in keiner Weise entspreche. Die Richtigkeit dieser Behauptung ist durch die Ereignisse vollständig bestätigt worden,! wie wir bereits mehrfach zu constatiren Gelegenheit : gehabt haben. Namentlich seitdem die Antisemiteuj bewegung in der Hauptstadt des deutschen Reiches > größere Dimensionen angenommen hat, fühlen sich i die rumänische Regierung und die Kammer nicht! mehr verpflichtet, rumänischen Juden das Bnrger-! recht zu crthcilen. lieber die Art, wie die Kammern! sich ihrer Verpftichtung zu entziehen suchen, gibt nun 1 ein „namhafter rumänischer Politiker" in einer Zuschrift an den Hann. Courier" Aufschluß. Derselbe schreibt: „Da das Gesetz ganz bestimmte Anordnungen für die Einbringung von Gesuchen, für deren Begründung und Behandlung trifft, so ist es nur auf Umwegen möglich geworden, der Ausführung dieser völkerrechtlich sanktionirten Bestimmungen sich zu entziehen. Und das ging folgendermaßen zu: Das Budget für 1880 enthielt als Einnahmeposten die Summe von 20,000 Frcs. für die Ausstellung von Naturalisationsdiplomen. 200 Frcs. pro Diplom berechnet, heißt also im Laufe eines ganzen Jahres nicht mehr als 100 Nachsuchenden das Bürgerrecht gewähren, bei der zahlreichen jüdischen Bevölkerung eine ganz verschwindende Ziffer. Zum Ueberfluß wird aber noch durch die Geschäftsordnung der Kammer einer beschleunigten Erledigungen ein wirksamer Riegel vorgeschoben. Sämmtliche Gesuche . sollen ttunnnerweise, an jedem Sonnabend nur eine beschränkte Zahl, zur Verhandlung kommen. Die Majorität Hai es also stets in der Hand, die Berathung zu verschleppen, und sie thut dies so geflissentlich, daß thatsächlich seit Monaten keine Naturalisation stattgefnnden hat. Unter den nichtigsten Vorwänden ist erst vor wenigen Tagen dem bekannten Bukarester Baron Neilschatz, einem verdienten und geachteten Manne, die Verleihung des Bürgerrechts versagt worden. Solche Zustände wirken deprimirend auf die nicht nationale Bevölkerung und nicht znm wenigsten auf die fremden Staatsangehörigen christlicher Eonfeffion, denn auch diese leiden unter der offenbaren Umgehung des völkerrechtlich garantirteu Naturalisationsgesetzes " Thatsächlich ist Alles beim Alten geblieben, denn die Naturalisation von einigen hundert activeu Mitgliedern der Armee, welche den türkischen Feldzug mitgemacht hatten, kann schwerlich als eine Erfüllung der Verpflichtungen angesehen werden, welche Rumänien gegenüber den Unterzeichnern des Berliner Vertrages eingegangen ist. (Fr. Ztg.)