Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 11 (16.3.1881)
- Date
- 1881-03-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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255 Stadt oder in einem Kreise, wo ein neologer Rabbiner mit dem Geschlechte **0” tn harmonirt, doch noch eine fromme Minorität sich findet — oder selbst in einer Stadt, wo ein hochgebildeter frommer Rabbiner auf dem -r-.x—: xrr, daß in beiden Fällen es eine große Wohlthat sein wird, wenn eine Privat-"^-^ byi vorhanden, der mit Rath und Thal bei einer -~"cn n^vc? zu Helsen versteht. Welche herbe Verluste an -inn 'v'-u brachte uns ja leider das letzte Jahrzehnt rr-ven'v -gi! Wohl wollen wir durchaus nicht die Thatsache negiren — — und es ging dies aus meiner Correspondenz in dir. 5 auch ohne die Anmerkung der verehrl. Redaction hervor — daß der Rabbiner unsrer Zeit, wenn er Ersprießliches soll leisten können, auch ein Mann des profanen Wissens sein müsse, bestreiten aber, daß er beispielsweise in Naturwissenschaften oder altklassischen Sprachen eine Eapacität sein müsse, um nicht von einem Arzt oder Anwalt der israel. Gemeinde in den Schatten gestellt werden zu tonnen. Auch diese werden den Schwerpunkt ihres Bildungsganges in ihr eigentliches Berufsfach legen lind ich dächte, daß im eigentlichen Fache etwas Tüchtiges und Hervorragendes zu sein weit wichitger und achtunggebietender für den Rabbiner sei, und dabei ist es doch möglich auch beim jüngeren Geschlechte mit Erfolg zu wirken. G. s. D. fehlt es für diese Behauptung nicht an Beispielen bei Rabbinen der Jetztzeit, an Männern, die tüchtig in ihrem Fache und dennoch wlssenschastlich gebildet, die von sich sagen können :n»v •£■ Und die Heranbildung solcher Männer, die isl's, was wir -"r: anstreben. Ob dies aber in der von Herrn Ludwig Stern angedeuteten Weise, oder gar in isr. Realschulen möglich, möchte ich vorerst noch bezweifeln. Schüler, welche von Jugend aus allgemeine Sludien-Anstalten besuchen, und dabei auch „lernen," betrachten Letzteres immer als ein „Auch"*). Und würden Zöglinge, die eine Reihe von Jahren in Staatsanftalten zugebracht haben, um sich dem Rabbinatsfache zu widmen, nicht gar oft dem vorgesteckten Ziele untreu werden, und das „Lernen" oblegen? Und erst bei vollem Gymnasial-Besuche, mib der bekannten Ueberbürdung unsrer Gymnasien — worüber sogar in öffentlichen Gesetzgebungskörperfchaften schon Klage geführt wurde — wo wäre da so leicht (ich will außergewöhnlich körperlich und geistig begabte Ausnahmen gerne gelten lassen) Zeit und Kraft für das Thora-Studium vorhanden, wie wir es beanspruchen, daß die nämlich in Fleisch und Blut übergehe." Deßgleichen dürste es unthuulich sein einen solchen mim -.w? in einer Lehrer- Abgesehe - von den sehr rilligen Bemerkungen Ihres Herrn Correspondenten aus Unterfranken in -Nr. 9 d. Bl. bildungs-Anstalt zu erzielen. Wir verlangen mit Herrn Dr. Tachauer in Rr. 6 o. Bl. Anstalten, die ihre Zöglinge mit einem Grade von Selbstständigkeit im „Lernen" entlassen, der sie befähigt auf dem Gebiete der robn weiter arbeiten zu können. Nun stimme ich Herrn Stern vollkommen bei, daß mit frommen Wünschen, hier nichts gedient, vielmehr der reale Boden der Vorschläge betreten werden müsse, und erlaube auch ich mir diesen Weg, . indem ich die folgenden Thesen aufstellc: 1) Zunächst aeceptire ich den Stern'schen Vorschlag bezüglich der Gründung eines Vereins zur; Förderung des sraglichen Zweckes, etwa, unter dem! gewiß nicht partiknlaristischen Namen „Deutscher Talmud-Thora-Verein." : 2) Dieser Verein hätte seinerzeit in erster Linie! für Lehrkräfte und Lehrmittel zu sorgen, in zweiter - für Unterstützung der 21. > 3) An ein Ji'.ternat denke ich so wenig dabei, ' als mit Staats-Anstalten ein solches verbunden zu! sein pflegt. 4) Die Vorbildung zerfällt in zwei Perioden; von je fünf Jahren, in den ersten 5 Jahren die! Leistung in Profanwissenschasten analog den Lateini schulen, in den zweiten analog den Gymnasien, in-! haltlich des diesbezüglich speeiell festzustellendcn Lehrj planes. i 5) Diese Anstalten, nach und nach gebildet und j erweitert, müßten selbstständig, mit eigenen Lehrj trösten ausgestattet sein, sowohl bezüglich der jüdii scheu als profanen früher, wenn auch die Rabbiner! des Ortes oder Gymnasiallehrer mit verwendet wcr-! den können. Die Ortsfrage bleibe vorerst noch aus- 0) In Erwägung, daß die Ereirung solcher Anstalten, namentlich tu Rücksicht auf die nvthwendigen Geldmittel, viel Zeit beanspruchen dürfte, mache ich den Vorschlag, daß wir die Eröffnung derselben etwa in zwei Jahren in Aussicht nehmen, dieselbe dann aber gleich mit dem III. Jahres-Eours eröffnen. Hierzu bedarf es 7) Der alsbaldigen Ausarbeitung und Veröffentlichung des Lehrplanes, damit die seinerzeit Aufnahme Beanspruchenden sich das Pensum der ersten beiden Jahre private aneignen könnten, was wohl nicht so schwer sein dürfte. 8) Müßte sofort ein Haupt-EomitS sich conftituircn, welches für die Bildung von Landes- und Local-Comiws zu sorgeu hätte.' Diese hätten Mitglieder zu erwerbeu, und Gründungsbeträge zu erhalten sich angelegen sein zu lassen, während die Mitgliederbeiträge (etwa jährlich 3 bis 4 Mk. per Mitglied) erst mit der Eröffnung der Anstalt zu leisten wären. 9) Sache dieses Haupt-Eomitds wäre es ferner,