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Der Israelit · 1881-03-09 · Heft 10 (9.3.1881) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 10 (9.3.1881)
Date
1881-03-09
Page
– (sequence 18)
Language
German
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242 irgendwie proüoctrt worden, noch bedachte er, daß die von ihm beschimpfte Dame ihn früher mit Wohlthaten überhäuft hat, worüber interessante schriftliche Belege cxistiren. In Verbindung mit diesem noblen Benehmen gegen eine Dame verübte Herr Glabisch gegen die jüdische Bevölkerung Zittau's (die etwa V'2 Procent der Gesammtbevölkerung ausmacht) die gröblichsten Jnvektiven. Am nächsten Abende wurde das Spiel fortgesetzt. (Aue am Arme des Hrn. Amtsblatt-Redakteurs daberschreitcndc Dame insultirte beim Verlassen des Theaters einen jungen israelitischen Kaufmann, indem sie ihm den Hut vom Kopf herunterschlug. Die Quittung erhielt nicht sie, sondern ihr mehrfach genannter Begleiter in Gestalt einer Ohrfeige. Feuilleton. Me Jugendfreunde. Von A. Königshofen. IX. (Ai' war ein heißer Tag gewesen, einer jener Septembertage, der uns noch die volle Kraft der sommerlichen Sonne fühlen läßt, ehe ihre Strahlen anfangen nur leise den Thcil der Erde zu streifen, den wir bewohnen; noch ein warmer Scheidegrnß des dahingehenden Sommers, daß wir ihm ein freundliches Andenken bewahren. Jetzt war aber die Sonne dein Untergänge nahe, und ein frischer belebender Hauch breitete sich über Thal und Berg. Tie Stadtbewohner zogen in Schaaren zu den Thoren hinaus, um von den Mühen des Tages in der freien Natur sich zu erholen, und bei einem Glase Bier im freundschaftlichen Gespräche mit Bekannten ein gemächliches Stündchen zu verplaudern. Auch in einem der Biergarten vor den Thoren der alten Kaiser- und .Krönungsstadt Frankfurt hatte sich ein zahlreiches Publikum eingefunden; die Kellner konnten kaum den Anforderungen der Gäste genügen, und cz wollte dem dort unbekannten Dr.Kohn, welcher heute nach der Mainstadt gekommen und eben in den Garten eintrat, nicht gelingen, einen freien Stuhl zu finden. Als er so zwischen den Tischreihen hinimb herging, ein Plätzchen für sich zu entdecken, sah er sich von einem Herrn, der seine Gesellschaft verlassend ans ihn zueilte, angehalten: „Du hier, Kohn? Sckwlaum alcichem!" Er schaute den ihn Anredenden betroffen an; doch schnell erinnerte er sich des Freundes, mit dem er so traute Stunden auf der Universität verlebt, des jungen Mannes, den er durch die Vermittelung jenes Rabbiners, welcher ihm so große Hochachtung vor bem Indentlmm eingeflößt, kennen gelernt hatte: „Somberg, treffe ich Dich hier? Wie freue ich mich, daß mein Weg mich hierher geführt hat." ‘ Er erzählte ihm, daß er sich vor einigen Wochen entschlossen habe, Berlin zu verlassen, daß er jetzt noch einige andere Universitäten aufsuche, und die Ferien dazu benutze, die größeren Städte Süddeutschlands kennen zu lernen. Jener theilte ihm in kurzen Worten mit, daß er jetzt die Berliner Universität zu beziehen gedenke, die Ferien aber in Frankfurt bei Verwandter: zubringen werde. Arlch einige gegenseitige Vorwürfe, daß die anfangs eifrig gepflegte Eorrcfpondenz sobald anfgehört habe, fielen; cs war ihnen gegangen wie so vielen Universitätsfreunden, deren Eörrespondcnz gewöhnlich nicht von langer Dauer ist. „Was stehen wir aber hier so lange? Komm an unfern Tisch, es ist noch Platz für Dich, Tn wirst eine merkwürdig zusammengesetzte Gesellschast dort antreffen." Es war in der That eine Gesellschaft, in welcher alle Schattirungcn der Indenbeit vortreten waren: der Herr Banmann, eil: Ultra-Radicaler, welcher in einen gelinden Wuthanfall gericth, wenn man in seiner Gegenwart das Wort Talmud fallen ließ; diese Antipathie hatte er von seinem. Vater geerbt, welcher einen hervorragenden Antheil an der seiner Zeit stattsindenden Schließung der Talmudschule in Frankfurt genommen hatte. Dann sah man an dem Tische in behäbiger Ruhe, selbstgefällig vor sich hinlächelnd, den Herrn Weißhelm; auch dieser gehörte der radicalen Partei an, aber nicht ans Princip. sondern aus Indifferentismus. Er hatte nur eine Leidenschaft, das waren seine eigenen Gedichte, wir denen er jedes Stadtvorkommniß besang, die das Publikum in eine recht fröhliche Laune versetzten, und in welche er bis zuw Sterben verliebt war. Herr Di-. Lion war ein nicht zu unterschätzendes Mitglied der Tischgesellschaft; er spielte den zerstreuten Gclchrten. so daß Manche ihn nicht für zurechnungsfähig hielten. Genauere Kenner wollten aber wissen, daß diese Zerstreutheit nichts anderes als ein Deckmantel gewesen sei, hinter welchem er am sichersten und besten die sich in Sicherheit cinwicgenden Personen um sich herum beobachten und ausforschen konnte; wenn es wahr ist, was Einige sicherzählten, daß der Herr Doctor mit der einheimischen und der damals noch fremden Berliner Polizei iit Verbindung gestanden haben soll, so weiß man, was eine Beobachtung hinter gedeckter Stellung bedeutet. Das Bücken und Verneigen verstand er auf's Beste. Seine religiöse Gesinnung soll schon manchem Wechsel unterworfen gewesen sein, gegenwärtig hielt er es mir der gesetzestreuen Richtung. Eine hochinteressante Persönlichkeit war der schon im hohen Mcmnesalter stehende Herr Mayer. Er gehörte der Reform an,

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