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Der Israelit · 1881-03-09 · Heft 10 (9.3.1881) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 10 (9.3.1881)
Date
1881-03-09
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXII. Jahrgang. Zweite Äeilage tlr. 10 -es Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspouderizen. Deutschland. Duisburg, im Febr. In erfreulichem Gegensatze zu dem wüsten Treiben der Antisemiten, an! deren Spitze sich leider vorzugsweise Geistliche und j Lehrer stellen, steht das Bestreben einzelner protei stantischer Geistlichen, welche den Geist der Duldsam-! kcit und Liebe im Volke pflegen. Zu diesen Geisti lidjeit gehört Pastor Terlinden, der kürzlich in einer! ^onntagspredigt, die in weiteren Kreisen bekannt zu! werden verdiente, die Stellung, welche ein Christ in! der Bewegung gegen die Inden einzunehmen habe, > vom Standpunkt des neuen Testaments aus bej leuchtete. Als Text lag der Rede die Stelle Römer? 2, 1—10 zu Grunde. Auf die socialpolitische Seite j der Bewegung ließ sich der Herr Pfarrer selbstver-! stündlich nicht ein. Ob und wie weit dieselbe Berechtigung habe, das 31t untersuchen, stehe anderen Factoreu zu. Dagegen zeigte er auf Grund per , Textesworte, wie entschieden die heilige Schrift es verurtheile, wenn ein Christ seine Mitmenschen lieblos richte. Redner führte aus, daß das lieblose Richten eine allgemein menschliche, zugleich aber eine specielle Untugend vieler Christen sei. Der Gedanke, daß wir Christen uns von den Untugenden, deren wir die Juden anklagen, selbst nicht freisprechen können, sollte uns schon vom lieblosen Aburtheilen fern halten. t 1 Die Predigt des Herrn Pastor Terlinden, eines! Geistlichen, dem Niemand das Prädicat strenger Rechtgläubigkeit abzusprechen wagen wird, bildet ein wirksames Gegenstück zu den Agitationen des Herrn Stöcker. Die Duisburger Gemeinde aber wird ihrem Seelsorger neuen Dank entgegenbringen, daß er in einer Zeit, wo Haß und Neid die Gemüther erregen, das Panier des Friedens hochhält. Schlüchtern, 25. Febr. Die „Kinzig-Ztg."" schreibt: „Gutem Vernehmen nach ist die Antisemiten- Petition taktloser Weise auch der Bürgermeisterei zur Unterzeichnung vorgelegt worden, hat aber gebührendermaßen eine Abfertigung gefunden. Auch der k. Landrath tritt unterm 22. d. M. den thätlichen Ausschreitungen der Antisemiten in einer Bekanntmachung entgegen.'" Der Herr Landrath hätte die Bekanntmachung, in welcher er von dem „gesunden Sinn" der Schlüchterner voraussetzt, daß Ruhe und Sicherheit aller Cinwohner ungefährdet bleiben, sich ersparen können, wenn er dem Redakteur des Kreisblatts bei Zeiten das Hetzhandwerk gelegt hätte. Besagtes Blättchen hat durch seine Schimpfereien gegen die Juden die nächtlichen Heldenthaten der Herren Antisemiten geradezu provocirt, denn der weniger Unterrichtete weiß den amtlichen Tbeil des Kreisblattes nicht von den privaten Stilübungen seines , Redakteurs"" zu trennen, sondern betrachtet einfach Alles, was das Blatt bringt, als amtlich. Hoffentlich bereitet der kalte Wasserstrahl, welchen der Herr Landrath nachträglich dem bonirten Fanatismus applicirt, dem widerlichen Treiben ein baldiges Ende. Flalvw, 20. Febr. Der „Ostd. Pr."" schreibt man von hier: Dem Schulzen K. in dem Dorfe G. (hiesigen Kreises) wurde die bekannte Antisemiten- Petition von Tr. Förster mit der Bitte, recht viele Unterschriften zu verschaffen, eingesandt. Sofort ließ der Schulze durch ortsübliche Bekanntmachung die Bauern zufammenkommen und machte ihnen bekannt, daß ihm von dem Reichskanzler Fürsten Bismarck ein Brief geschrieben worden sei, in dem er alle Bauern bitte, das einliegende Schriftstück zu unterzeichnen. Wer das nicht thue, der sei ein Feind des Reichskanzlers und verdiene nicht ein Deutscher genannt zu werden. Nun, sagten die Bauern, wenn Bismarck uns bittet, dann wollen wir es auch thun, und alle unterschrieben oder ließen durch Andere ihren Namen unterschreiben. Für den Schulzen wird die Sache indeß insofern einen bittern Beigeschmack haben, als der Amtsvorsteher gegen ihn „wegen Ueberschreitung der Amtsbefugniß"" einen Strafantrag gestellt hat. Aus Sachsen, 24. Februar. In Zittau ist dieser Tage eine merkwürdige Ausschreitung eines Jüngers der Förster und Henrici vorgekommen. Der Redakteur des dortigen Amtsblattes, der „Zittauer Nachrichten"", Herr Glabisch, der in kommunalen Angelegenheiten ein eifriger Gegner des bekannten Hrn. Gustav Fränkel ist, vergaß sich kürzlich so weit, im Theater, untergeordneten Bediensteten gegenüber, die Gattin Frankens zum Gegenstände niedrigster Beleidigungen zu machen. Weder war Herr Glabisch

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