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Der Israelit · 1881-03-09 · Heft 10 (9.3.1881) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 10 (9.3.1881)
Date
1881-03-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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232 „ein goldnes Zeitalter in Bezug auf die Natur und ihre Gaben; aber die Menschen mißbrauchten die köstlichen Geschenke Gottes, sie ließen zügellos ihre Leidenschaften walten, eS entstand die größte Sittenverderbniß, und die Erde war voll von Gewaltthat; der Starke bedrückte den Schwachen, raubte ihm sein Weib und machte seine Kinder zu Sclaven. Da beschloß der allmächtige Gott das sündige Geschlecht von der Erde Zu vertilgen, und nur Noach und die Seinen, die fromm waren und in Gottes Wegen wandelten, fanden Gunst in dm Augen des Ewigen. Und der allmächtige Gott befahl dem Noach, eine Arche zu bauen, ein großes Schiff für ihn und seine Familie und die Thiere, die Gott retten wollte. Dann ließ Gott es regnen vierzig Tage und vierzig Nächte lang, und die Schleusen des Himmels wurden geöffnet, und die Quellen des Abgrundes stiegen empör, und eine furchtbare Fluth überströmte den Erdboden, bedeckte die höchsten Berge, und alles Lebendige ertrank bis auf die Fische, welche im Wasser leben, und bis auf Noach und die mit ihm in der Arche waren'' „Deukalion!" rief Domitilla. „Wer ist Deukalion?" fragte Akiba. „Deukalion," antwortete Domitilla, „war der Vater der Hellen, des Stanmwaters der Hellenen oder Griechen. Er war der Sohn des Prometheus und der Gemahl der Pyrrha. Als Zeus, der Vater der Götter, das Menschengeschlecht durch Wasser zu vertilgen beschlossen hatte, verfertigte er auf den Rath seines Vaters einen hölzernen Kasten, in welchem er mit seiner Gemahlin während der neuntägigen Fluth auf den Gewässern umhergetrieben wurde, und endlich auf dem Parnaß, als sich das Wasser verlies, landete. Auf seine Frage, wie er die Erde wieder bevölkern könne, erhielt er vom Orakel die Antwort, er und seine Gattin sollten die Gebeine ihrer Mutter hinter sich werfen. Diesen dunklen Ausspruch deuteten sie also, daß ihre Mutter die Erde und deren Gebeine die Steine seien. Sie thaten, wie das Orakel befohlen, und ans den von Deukalion geworfenen Steinen wurden Männer, und aus den von Pyrrha geworfenen Weiber." „Es ist möglich," sagte Akiba, „daß die Griechen sich eine Erinnerung an die große Fluth bewahrt haben; jedenfalls haben sie die Geschichte entstellt. Doch laß mich in meiner Erzählung fortfahren, Herrin. — Als die große Fluth vorüber war, und Noach die Arche verließ, gab Gott ihm und seinen Söhnen Gesetze, und eins von diesen Gesetzen ist die Pflicht, Recht und Gerechtigkeit auf Erden walten zu lassen, den Schwachen vor der Gewalt des Starken zu schützen, damit die Erde nicht wieder voll werde von Bosheit und Unrecht. Das ist das heilige Amt des Richters, das Leben und das Eigenthum seiner Mitmenschen vor Räubern und Unterdrückern zu bewahren. Wenn nur der Wille des Einzelnen Gesetz sein soll, so wird die Erde wieder voll von Gewaltthat, und kein Mensch ist seines Lebens und seines Eigenthums sicher. Nur das Gesetz soll herrschen auf Erden, und dieses Gesetz darf nicht nach Willkür gegeben werden, sondern es muß der Ausfluß sein der allerhöchsten Weisheit. Die Gesetze, die unser Leben regeln, hat uns der allgütige Gott gegeben, der Schöpfer des Weltalls. Er hat sich in seiner Majestät seinem Volke offenbart, hat uns verboten andere Götter zu haben vor seinem Angesichte, hat uns verboten, seinen heiligen Namen zu entweihen, hat uns befohlen, den Sabbat zu heiligen, die Eltern zu ehren, das Leben und das Eigenthum unserer Mitmenschen zu achten, die Ehe heilig zu halten und stets die Wahrheit zu sagen; er hat uns geboten, unsere Gedanken zu beherrschen, und kein Gelüste nach eines Andern Weib oder Eigenthum aufkommen zu lassen." „Was Du da sagst," eutgegnete Domitilla, „lautet ganz anders als die Grundsätze, in denen wir sind erzogen worden." Ein Diener erschien und meldete, daß die Mahlzeit bereitet sei. „Willst Du nicht unser Gast sein, Akiba?" fragte Domitilla. „Ich danke Dir, Herrin," entgegnete der Gefragte: „ich darf nicht an Deiner Tafel speisen. Gott hat uns besondere Gesetze gegeben in Bezug auf Speise und Trank. Viele Thiere, deren Fleisch Ihr genießet, sind für uns unrein, und auch die reinen Thiere müssen in besonderer Weise geschlachtet und bereitet werden." „Und wo speisest Du?" fragte Clemens. „Mein Lehrer und ich," antwortete Akiba. „wir begnügen uns die ganze Woche hindurch mit Brod und Früchten; am Sabbat speisen wir bei einem jüdischen Gastfreunde, dessen Haus am Tiberflusse liegt." „So werde ich Dir," sagte Domitilla, „von den köstlichen Früchten senden, die auf unseren Landgütern gewachsen sind. Dich aber bitte ich, recht häufig zu uns zu kommen, und uns von den Lehren des Juoenthums zu erzählen." (Fortsetzung folgt.) Hierzu vier Beilagen. Verantwortliche Redaeti««: 0r. Lehmann in Main». — Verlag und Expedition des .Israelit" gwße Bleiche 45. Z. ErttSleden's ©wfebrudeiet (Mainzer Anzeiger).

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