Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1881)
- Date
- 1881-03-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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230 den allgemein wissenschaftlichen Fächern ist der Aufsicht der königl. Regierung von Unterfranken unterstellt und ist es der so thätige und pflichteifrige Herr Jnspector aller Erziehungs- und Bildungsanstalten des Kreises, welcher sehr oft die Schule iuspicirt, dem Unterrichte stundenlang beiwohnt und der sich stets mit großer Anerkennung und Würdigung über den regen Fleiß der Lehrer und Schüler und über die erzielten Resultate ausgesprochen. Es ist in der That ein Hochgenuß, den noch in später Abendstunde lebensvollen Eifer der Schüler mitanzusehen und ist der Anblick dieser Jünglings- Schaar mit ihren Freude und Lust zum Lernen ausstrahlenden Blicken ein unvergleichlicher Hochgenuß. Möge sich der edle Wohlthätigkeitssinn unsrer biedern Glaubensgenossen im reichlichsten Maße dieser Anstalt immer mehr und mehr zuwenden, damit diese segensreich wirkende Anstalt den Ansprüchen des Bildungsbedürfnisses in unserer Generation immer mehr entsprechen könne, damit sie immer reichlicher ihr segenreiches Wirken zu entfalten im Stande sein möge. Wenn nach dem Ausspruche unsrer hl. Weisen D’:nn ipnsD V't auf Lehrer zu beziehen ist, weil sie in ihren stillen Räumen, entzogen waan und — den Sternen gleich, die in Nachtesstille ihr Licht ansstrahlen — gewissenhaft und in treuester Hingebung ihren schwierigen Beruf erfüllen und dem Horizonte der kommenden Generation wie Sterne voranleuchten, so dürfte das umsomehr auf die Leiter und Lehrer dieser Schule anzuwenden sein, die auf einem so stillen Platze, wie Höchberg, an dem nur wenige Glaubensgenossen wohnen und an welchem ihre Wirksamkeit nicht in die Oeffentlichknt gezogen ist, so treu und tüchtig ihre schwere Aufgabe erfüllen, auf diese bescheidenen Männer, die nicht bloß durch ihren hingebenden Unterricht, sondern auch durch ihr edles Beispiel der heiligsten Gottesfurcht und Menschenliebe und durch das Band innigster Liebe, das sie mit ihren Zöglingen verbindet, die glänzendsten und edelsten Früchte von bleibendem Werthe bereits erzielt und fernerhin n"io erhoffen lassen. Rußland. Petersburg, 22. Febr. Der Gouverneur von Wilna hat vor einiger Zeit dem Kriegsminister bezüglich der „Wehrpflichtigen jüdischer Herkunft", welche sich der Militärdienstpflicht unter allerlei Vorwänden zu entziehen trachten, der Wiener „Presse" zufolge, folgende Maßregeln in Vorschlag gebracht: 1) Die Juden müssen ihre Wehrpflicht in ihrem Heimathsort ableisten und sich, wo sie sich immer befinden mögen, in ihrer Gemeinde zur Assentirung melden. 2) Die „Wolost" hat für jebert Juden, der sich der Wehrpflicht entzieht, 300 Rubel zu zahlen. 3) Werden alle Juden in der Heimath des Schuldigen, die im Alter von 21—26 Jahren stehen, für ihn zum Dienste herangezogen. Die Regierung hat diesen ebenso genialen als unparteiischen Vorschlag in allen Punkten abgelehnt, den Punkt I. darum, weil Juden in Erfüllung ihrer Wehrpflicht im selben Verhältniß absentiren wie andere Russen, und weil man die Juden verhindern darf, dem Zaren und dem Kaiser allerorts ebenso zu dienen, wie jeder andere treue Sohn des Vaterlandes, die Abdienung der Dienstpflicht an dem Heimathsorte aber einen Ausnahmezustand schaffen würde, welcher mit dem Staatsgesetze collidirt und eine ganze Religionsgenossenschaft in ihrer Ehre und ihrem bewährten Patriotismus kränken müßte; den zweiten Punkt darum, weil man die „Wolost" doch nicht für das Vergehen des Einzelen verantwortlich machen kann; der dritte Punkt wurde abgelehnt, weil man nicht alle Juden für einen Feigling asseutiren könne, weil der Militärdienst keine Bestrafung bilde, ferner aus dem ethischen Grunde, weil, wenn ein Ersatzmann im Kriege auf dem Schlachtfelde fallen würde, während sich der durch gerechtfertigte Umstände verspätete Militärpflichtige nachträglich zur Fahne stellt, das Leben eines Staatsbürgers in unnöthiger und in nicht zu rechfertigender Weise geopfert worden wäre. Die Gesetze seien gegen alle Militärpflichtige sehr scharf und müsse deren gewissenhafte Handhabung allein genügen, um alle Militärpflichtigen von der Entziehung der Wehrpflicht abzuhalten. Diese Anschauungen der russischen Regierung in Verbindung mit dem Verbote in der Presse, irgend eine Religionsgenossenschaft in ihrem Ansehen und ihrer Ehre zu kränken, sind geeignet, die Frage anzuregcu, ob Deutschland den Russen wirklich so sehr weit vorausgeschritten sei in liberaler Objectivität, wie es dies gar so stolz von sich selbst behauptet. P a l ä st i n a. Aus Jerusalem schreibt Professor Sayce dem „Athenäum": Soeben ist Mr. Shapira von einer zweiten Reise nach Minen hierherzurückgekehrt, auf der es ihm gelungen, über 120 hebräische Original- Manuskripte, von zum Theil großem Werthe zu erwerben. Eines derselben, das sich durch ein besonderes Systenl der Vokal - Punktation auszeichnet, stammt nach einer Angabe aus dem Jahre 945. Viele derselben enthalten Auszüge aus verlorenen Kommentaren des Saadia und Maimonides. Auch eine umfangreiche arabische Handschrift hat Shapira mitgcbracht, welche genealogischen Inhalts ist.