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Der Israelit · 1881-03-09 · Heft 10 (9.3.1881) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 10 (9.3.1881)
Date
1881-03-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Judenthum als dies ewige Wiederholen längst derj brauchter, und vielfach gründlich widerlegter Schlag- > Worte gegen dasselbe. Würden dem jüdischen Volks-; und Familienleben, seiner socialen und politischen - Berufsstellung, wirklich so vielfache Makel anhaften, j als ihre Gegner die Welt gerne glauben machen j wollen: warum müssen sie stets in diese alte Rumpelkammer hinabsteigen, um Waffen gegen dieselben zu holen, wenn das Geschick des Gegners neue, thalsächliche Beschuldigungspunkte entdecken könnte? Weil aber eben dies nicht geht; weil das sittlich moralische Leben der Juden keine Anhaltspunkte für neue Beschuldigungen bietet, ist man gezwungen, im mittelalterlichen Schlamm zu wühlen oder zu den Lügen und Verlänmdungen Hamans znrückzugreisen. um den Haß, den Neid und die Mißgunst der Massen gegen dies Volk zu erregen. Sehen wir uns die Anschuldigungen, die Haman seiner Zeit gegen das israelitische Volk erhob, etwas näher an und wir werden finden, daß dieselben denen der jetzigen Judenfeinde ähnlich sehen, wie ein Ei dem andern. Was beschuldigte Haman das israelitische Volk? Was machte er ihnen hauptsächlich zum Vorwurfe? D'oyn misoi inso ihn oy uz” Seht, sagte er, diese bilden ja eine eigene Nation, obgleich getrennt und zerstreut unter vielen andern Nationalitäten und Völkerschaften! und was wird heute Anderes gegen dasselbe geltend gemacht als, indem man dieses alte Schlagwort, in die moderne Phrase vom Staat im Staate umgesetzt: „Das sind keine echten Staatsbürger, keine Vaterlandssreunde; sie stehen fremd den Sitten, den Gebräuchen und dem Staate gegenüber, den: sie Schutz und Freiheiten verdanken!" ' Und auf welchen thatsächlichen Beweisen gründet sich dieser schwere Vorwurf? auf den des m« oy Es wird ans das feste Zusammenhalten der Juden, trotz ihres Getrenntseins in verschiedene Länder, Hingewiesen, auf das Institut der Alliance isrelite gezeigt, um zu beweisen, daß die Juden aller Länder sich nicht schlicht und recht als Vaterlandssöhne fühlen können, fühlen mögen; daß sie einen sonderstaat erstreben, Sonderinteressen verfolgen. Wie widerlegen wir diele thörichten Wahngebilde einer erhitzten Fieberfantasic? Am besten, durch die herrlichen Worte unserer Weisen im Midrasch: in« /_i 12 iD«:r in-« — in« Dy Wohl fühlen sich die Juden obgleich getrennt und zerstreut unter verschiedene Nationen als in« Dy, als ein einheitliches Volk; aber nur in Bezug auf den Glauben, an den einig einzigen Gott. Wenn Juden der einen Nation mit denen der andern, aus diesem Boden gemeinsam fühlen, so bezeugt dies noch keinen Mangel an Patriotismus, an selbstloser Hingabe j für die Interessen der Nation, in der er geboren und > erzogen; weil nur der gemeinschaftliche Glaube das i Band ist, welches sie verbindet, die gleiche Hoffnung, - in der ihre Herzen zusammenschlagen. Wo man Js- > raeliten verschiedener Länder zu einander in Bej ziehung treten sah, geschah es stets — bei voller Wahrung der Treue für das Vaterland, dem sie angehörten — zum Zwecke der Wohlthätigkeit und der Förderung edler Werke, zur Hebung der Sitten und geistiger Zwecke, zur Beseitigung der Vorurtheile und der Intoleranz, unter welcher viele ihrer Brüder in andern Länder leiden und schmachten. Oder sind es etwa andere, als die Verfolgung gemeinnütziger Zwecke, die das ausschließliche Band dieser Vereinigungen bilden? Ist es etwa ein politisches Princip, welches diese Vereinigungen auf ihre Fahne geschrieben? — „in«" ist die Devise dieser Vereinigungen, der Glaube an den in« das Gefühl dieser Zusammengehörigkeit, das Ziel dieser Verbindungen. Jeder Jude, der sich einer solchen Vereinigung anschließt, liebt sein staatliches Vaterland und ist — wie unzählige Beispiele beweisen — bereit, sein und seiner Kinder Gut und Blut für dasselbe hinzugeben. Und wenn diese gesonderten Staatenglieder, dennoch sich als in« Dy fühlen, so geschieht dies aus einem Boden, an dem die gesonderten Nationalitäten Halt machen müssen: auf dem Boden, der Treue für den angestammten Glauben. Gesetzt, die Israeliten einer Nation stünden gefühl- und theilnahmlos den Bedürfnissen der Gesammtheii ihrer Glaubensbekenner gegenüber, stünden ungerührt bei der Noth, die noch vielen ihrer Bekenner ihres Glaubens wegen bereitet wird, hätten kein Interesse für das Wohl und die Ehre ihres Glaubens, für die Bedingungen seines Bestandes und seiner Geltung: würden sich selbst bei Ausübung dieser Pflichten der Liebe und der Menschlichkeit, auf den eng gezogenen Kreis ihrer Nationalität beschränken und den Bedürfnissen der Gesammtheit, soweit dieselbe nicht in diesen Rahmen fällt, ihre Theilnahme, ihren liebenden Beistand entziehen; wäre eine solche Handlungsweise wohl geeignet, ihre Achtung in den Augen ihrer Gegner zu vergrößern, oder würde man sie nicht vielmehr selbstsüchtig und herzlos schelten, weil sie aus falsch verstandenem Patriotismus, ihre brüderliche Theilnahme demjenigen versagen, der einem andern Staatsvcrbande als dem der ihrigen angehört? — Und jetzt wieder, macht man ihnen einen Vorwurf daraus, weil sie sich als Ringe in der Kette des ganzen Kreises fühlen, der die Bekenner ihrer Lehre und ihres Glaubens umfaßt; weil sie sich in brüderlicher Eintracht zusammenfinden, da wo es gilt, Unglücklichen zu Helsen, den von Haß und sittlicher Erniederung bedrängten Brüdern beizustehen, den Unglauben zu verdrängen, Vorurtheile zu verscheuchen, weil sie

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