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Der Israelit · 1881-03-02 · Heft 9 (2.3.1881) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 9 (2.3.1881)
Date
1881-03-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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210 wohl allgemein bekannt, daß die unter Aufsicht des hiesigen Rabbinats stehenden Schlachtereien und Bäckereien nichts zu wünschen übrig lassen in Bezug auf nmo. Ebenso bekannt ist es auch, daß unser Herr Oberrabbiner nicht so leicht einen Schlächter öder Bäcker protegirt, resp. unter seine Aussicht nimmt, es sei denn, daß er den genügenden Nachweis führt, bis dahin nur streng orthodox gelebt zu haben — Vor 272 Jahren etwa kam nun ein Galizier hierher, eröffnete Hierselbst eine sogenannte „Wiener Bäckerei" und gab dem Herrn Oberrabbiner Stern '"j den Wunsch zu erkennen, sich unter seine Aussicht zu stellen. Derselbe erklärte sich dazu bereit, verlangte jedoch erst den erwähnten Nachweis. Der Bäcker erbrachte diesen über sein ganzes verflossenes Leben; in Bezug auf ein halbes Jahr jedoch fehlte dieser Nachweis; daraufhin wurde ihm sein Wunsch nicht gewährt. Dem Herrn Bäcker erging es nicht besser, wie seinen Vorgängern, den Schlächtern Jacob und Witt. Auch dieser betrieb trotz der verweigerten Inschutznahme eine sogenannte Bäckerei, aber trotzdem er, wie man sich durch den Augenschein überzeugen konnte, sehr schönes Gebäck lieferte, konnte er sich nicht halten. Bei Nacht und Nebel verschwand er von hier unter Zurücklassung einer Schuldenlast, und was noch das Schlimmste bei der Sache ist — nachträglich stellte sich heraus, daß dieser -)&so - Bäcker mit sammt der ganzen Familie — getauft war. Nenftettin, 20. Febr. Der Br and der Synagoge kann kaum anders als böswillig angelegt worden sein; denn wie der „Neuen Stettiner Zeitung" gemeldet wird, ist das Feuer an allen vier Ecken gleichzeltig aufgegangen; auch wurde sofort bemerkt, daß an der Hinterseite des seit Montag geschlossen gewesenen Hauses ein Fensterflügel ausgehoben war. Die jüdische Gemeinde (übrigens eine der größten in Pommern) hat einen Preis von 1000 Mark auf die Ermittlung des Thäters ausgesetzt. Nicht am frühen Morgen, sondern in der Hellen Mittagsstunde war der volle Ausbruch des Feuers erfolgt. Die hiesige „Norrd. Presse", ein Blatt, das sich an der Judenhetze sehr eifrig betheiligt, enthält sich „vorläufig jeder Meinung über die Urheberschaft", verspricht aber, „die an der Feuerstelle von Juden und Judengenossen gemachten hämischen Bemerkungen einer eingehenden Besprechung zu unterziehen," da „ein Mann, der seiner Stellung nach zu den Gebildeten zählt, die verdrehte und gehässige Ansicht geäußert" hatte, der Brand sei durch die Schürpredigten des Dr. Henrici veranlaßt worden. Es gibt sehr viele Männer, die ganz derselben Ansicht sind. Die „Nordd. Presse" fährt übrigens fort, in ihren an die Bauern gerichteten Vermahnungen, die Juden durchzuprügeln. ihnen alles Geld abzunehmen u. s. w.; ja heute knüpft sich an die dreifache Mordthat, welche am 12. d. in dem Dorfe Vandsburg bei Jastrow ein Unhold an dem jüdischen Kaufmann Neumann, dessen Frau und Magd verübt hat, die Bemerkung -.diese That liefere den Beweis, wie tief im Menschen das Innerste (durch das Semitenthum) empört sein müsse, wenn es zu einer solchen wahnsinnigen Rache schreitet." Der Mörder wird also noch gewissermaßen entschuldigt, und zum Schluß des Berichts steht wörtlich zu lesen: „Nun, Judenpartei! Vivat sequens!" Der Vandsburger Fall ist laut der „Cösliner Zeitung" folgender: Am 12. d., Morgens 5 Uhr, drang cm Kerl in das Neumann'sche Haus, brachte der Frau schwere, dem Manu tödtliche Verletzungen bei und zerschmetterte der Magd den Schädel. Er ist entkommen, soll aber Müller sein, der wegen Beiseitcschassnng einer Urkunde von Neumann denuncirt und zu vier Monaten Gefängniß verurtheilt worden war. Nenftetlin, 22. Febr. Die hier erscheinende „Norddeutsche Presse" bringt eine Bekanntmachung des Staatsanwalts mit der Bitte um weitere Mittheilungen über den Brand der Synagoge. Hinzugefügt ist die Bemerkung, zu der vielfach verbreiteten Annahme, daß der Brand von einer der streitenden Parteien vorsätzlich veranlaßt sei, liegt bisher und hoffentlich überhaupt keinerlei thatsächlicher Anhalt vor. Oesterr.- Ungar. Monarchie. Wien. Dem Jahres-Vericht der Wiener öffentlichen israel. Vereins-Volks-Schule „Talmud-Thora" (erste israel. Armenschule) für das Schuljahr 1880 entnehmen wir: Die Vermögensverhältnisse unseres Vereines sind noch immer ungünstig, und wir müssen immer und immer an die Opferwilligkeit der Gemeinde und der Mitgliederderselben appelliren; wahrlich das behördlich anerkannte Wirken unserer Schule verdient ebenso wie der angestrebte und zumeist glücklich erreichte Zweck, die Kinder der ärmsten hier lebenden Glaubensgenossen zu bilden, ihnen insbesondere die denselben mangelnde jargonfreie Aussprache beizubringen, allseitige Unterstützung. In dieser Richtung freuen wir uns auch berichten zu dürfen, daß unsere Schule an Sympathien immer mehr gewinnt, und daß die financielle Lage sich, wenn auch sehr langsam, doch stetig bessert. Nicht wenig hat dazu das Entgegenkommen der Sahgläubigerin beigetragcn, für die der Kaufschillingsrest per fl. 24,000 — von ursprünglich fl. 40,000 — bereits fällig geworden, und welche für die Zeit von 1880—1800 sich gegen dem, daß der bisherige

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