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Der Israelit · 1881-03-02 · Heft 9 (2.3.1881) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 9 (2.3.1881)
Date
1881-03-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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208 und führte sie in sein Haus. Hier nahm er ihnen das Versprechen ab, in Rom zu bleiben, und gewährte ihnen dann volle Freiheit. Akiba verbrachte den größten Theil des Tages bei seinem Lehrer Nachum, dessen Unterricht geradeso wie in Gimso genießend. Einen Theil seiner Zeit wandte er dazu an, die große Weltstadt kennen zu lernen. In Rom befand sich schon zur damaligen Zeit eine zahlreiche jüdische Gemeinde, in der es mehrere hervorragende Männer gab. Der große Lehrer der römischen Juden, Theodoros, ein Freund und Zeitgenosse des großen Rabbi Jochanan den Sackai, war kurz zuvor verstorben; von den vielen Schülern desselben suchte Akiba soviel als möglich zu lernen. Sie waren im Besitze mancher Traditionen in Bezug auf die religiösen Vorschriften, die das Leben der Juden außerhalb des heiligen Landes regeln, denen Akiba in seinem gewaltigen Wissensdurste nachforschte. Im Umgänge mit ihnen vervollkommnete er sich derart im Gebrauche der lateinischen Sprache, daß er sie bald correct und geläufig sprach. Ein römischer Jude, Namens Apella, führte ihn in der Stadt umher und zeigte ihm die bedeutendsten Bauwerke derselben. Namentlich waren es die Thermen, die öffentliche Bäder, welche die Bewunderung des Fremdlings erregten. In diesen Bädern kon'uten 8000 Menschen zu gleicher Zeit baden; 200 marmorne Säulen zierten das Gebäude, in welchem 1600 marmorne Bänke zum Sitzen aufgestellt waren. Die ciuzelueu Bäder hießen Baluca und der Bademeister Imtnentoi') welche Bezeichnung in der abgekürzten Form „Balon" häufig im Talmud vorkömmt. — Nicht allein für die körperliche Entwickelung des Menschen war in diesen Thermen durch die mannigfachsten Bäder.. _ wie durch laue, warme, kalte Waunebäder, heiße Dunstbüder, Schwimmteiche u. s. w., so wie durch große Plätze und Localitäten für die Leibesübungen gesorgt, sondern auch auf die Cultur des Geistes war im höchsten Grade Rücksicht genommen. Redner, Philosophen, Dichter und andere Gelehrte hatten in diesen Thermen eigene Bersammluugsfäle und für jede Witterung geschützte Hallen Die anmuthigsten Lusthaine, die mit hohen majestätischen Platanen bepflanzten Spaziergänge machten diese Institute zu wahren Elyseen. Aus jedes Alter und auf jede individuelle Qualität der Besuchenden war Rücksicht genommen; ein Jeder fand hier vor, was er zum Heile seiner körperlichen und geistigen Entwickelung bedurfte. .Hier sah man große herrliche Plätze (Ephebea) innerhalb des weiten Kreises, welchen die colossale Mauer der Thermen beschrieb, auf welchen Knaben sich durch zweckmäßige Leibesübungen zu tüchtigen und kräftigen Bürgern und zu tapfern Kriegern heranbildeten, ihre Gewandtheit im Wettrennen und Ringen erprobten und sich in Werfen nach einem Ziele (viserm) übten. Unweit dieser Plätze erblickte man Teiche (kiseiiwu), worin sich Schwimmende ergötzten. An einem andern Theile der Thermen hielten sich die Philosophen und Denker, Gelehrte und Künstler jenes Zeitalters auf. Unter schattigen Platanen und ätherischen Blumengerüchen bei dem Plätschern der Fontainen wurde der Geist zum Nachdenken hingezogen und das Gemüth in edler Weise angeregt. Hier hörte man gelehrte Discussionen der Philosophen, Dichter ihre Reime deklamatorisch vortragen, welche mit Bewunderung von ihrem Auditorium ausgenommen wurden. Nicht selten aber auch geißelten Satyriker ihr Auditorium mit beißenden Reden. Andere wieder begaben sich in die Bibliotheken, um ihrem Geiste in stiller Einsamkeit Nahrung zu verleihen. Durch große Platanen-Alleen gelangte man von diesem Orte der Gelehrsamkeit, der in der Regel nördlich lag, zn den östlich und westlich sich befindenden Plätzen der Leibesübungen und den Gesellschaftssälen der Jugend und zu den Teichen. Im Halbkreise errichtete Amphiiheater boten den Anwesenden Plätze dar, damit sie den Hebungen der Athleten und Gymnastiker zusehen könnten. Das eigentliche Gebäude der Thermen lag in der Mitte. Der gegen Mittag gelegene Eingang hieß Theatridiuin.; hier befanden sich Stufen, auf welchen die vornehmen Römer saßen und sich durch Plaudern und Schauen unterhielten. Bon diesen Stufeil aus, die sich rings um das ganze Gebäude erstreckten, gelangte man In den verschiedenartigsten Lokalitäten, wie zur Salbstube, wo das Einsalben und Einölen des Körpers geschah, zum Comsterium, dem Orte, wo sich die Ringer mit Sand bestreuten, zur Palästra, einem Lokal, worin die Leibesübungen für Kranke und Gesunde stattfanden, und sich die Fechter übten; ferner zu den verschiedenartigsten Badezimmern und Bädern. Außerdem war noch ein Zimmer vorhanden, in welchem Erfrischungen verabreicht wurden, und ein Lokal zum Ballspiele eingerichtet. — Das war die äußere Einrichtung der römischen Thermen, deren Umfang viele Morgen Landes einnahm; die innern Räume prangten von der Pracht des eroberten Goldes und waren angesüllt mit jenen vollkommenen plastischen Kunstwerken, welche aus Griechenland hergebracht waren. Als eines Tages Akiba alle diese Herrlichkeiten bewunderte, legte sich eine Hand auf seine Schulter, und sein Freund und Beschützer, der Prätor Flavins Clemens stand vor ihm. (Fortsetzung folgt.) Hier)« zwei Beilagen. ÄerailtwonNctze oicdaction: JJr. Lehmann tu Mainz. — Verlag uttb Expedition des „Israelit" große Bleiche 45. Z. Sotlsleben's Buchdrnclerei (Mainzer Anzeiger).

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