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Der Israelit · 1881-03-02 · Heft 9 (2.3.1881) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 9 (2.3.1881)
Date
1881-03-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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207 Nach einigen Tagen gelangten sie in die Nähe der großen Hauptstadt der Welt. Schon von weitem härten sie das Getöse der lärmenden Menge. „Nur durch Israels Sünde," sagte Nachum zu Akiba, „ist Edom groß geworden. Ursprünglich war das untere Italien eine meerumflossene Insel. An dem Tage, au welchem Salomo die Tochter des ägyptischen Königs als feine Gemahlin heim führte, flieg der Engel Michael vom Himmel hernieder und stieß ein Rohr ins Meer; dieses setzte Schlamm an, und so entstand allmählich das feste Land, welches Oberitalien mit Unteritalicu verbindet. — Als Jerobeam die zwei goldenen Kälber aufstellte, eins in Don und eins in Beer Scheba, und sprach: Dies sind Deine Götter Israel, welche Dich aus Aegypten geführt haben! da wurden die Zwillingsbrüder Romolus und Remus, die Erbauer der Stadt Rom, geboren. Ihre Mutter starb bei ihrer Geburt, und eine Wölfin säugte sie. — Als um Israels Sünde willen der Prophet Elijahn hinweggenommen wurde, gelangte Rom zu Macht und Ansehen. Jemehr Israel 'sündigte, desto größer und mächtiger wurde Rom. Am ersten Januar feiert es das Fest der Kratesis, der Weltherrschaft, und hat deshalb diesen Tag zum ersten Tage des Jahres bestimmt. Und jetzt beherrscht es den größten Theil der Welt. Judah hat es niedergeworseu, und das heilige Hans unseres Gottes liegt in Trümmern." Die Gesandten kaincn nach Rom und wurden vom Kaiser Domitian in feierlicher Audienz empfangen. Nachum wünschte dem Kaiser zu seinem Regierungsantritt Glück und überreichte ihm das Geschenk der Inden. Der Kaiser bewunderte das prachtvolle Kästchen. Als er es aber öffnete und den Inhalt erblickte, fuhr er zurück. „Die Juden wollen mich verhöhnen," schrie er. „Führt diese wahnsinnigen Menschen, welche mir ein Kästchen mit Erde überbracht haben, zum Tode." Als Nachum die Worte des Kaisers vernahm, sprach er: „Auch dieses zum Guten." Die Leibwächter des Königs stürzten herbei, ergriffen die Inden und führten sie hinweg. Unter den Großen Roms befand sich auch Flavins Clemens, der Vetter des Kaisers. „Großmächtiger Kaiser," sprach er, „Du göttergleicher Beherrscher des Weltalls, gestatte mir ein Wort zu Gunsten der Juden zu sagen. Ich habe in Gesellschaft dieser Juden die Seereise zurückgelegt und habe sie als vernünftige, besonnene Männer kennen gelernt. Sollten sie so thöricht sein, Dich, den Herrscher des Weltalls verhöhnen und den Zorn des gewaltigen Löwen reizen zu wollen? Als wir über das Meer fuhren, erhob sich ein furchtbarer Sturm; das Schiff drohte zu zerschellen; ich brachte Domitilla, meine verzagende Gattin, in den untern Schiffsraum. Als ich wieder auf das Verdeck emporstieg, fand ich den Schiffshauptmann und alle seine Leute entmuthigt und zum Sterben bereit; da erhob einer der Juden seine Hände gen Himmel und betete zu seinem Gotte. Und siehe da, der Sturm schwieg, die Wellen beruhigten sich — wir waren gerettet. So gestatte mir denn, o Kaiser, meine Ansicht über dieses Geschenk der Juden Dir anszusprechen. Der Stammvater derselben hieß Abraham. Dieser führte mit wenigen Knechten Krieg gegen vier siegreiche Königes und besiegle sie. Die Juden haben eine Tradition, daß Abraham eine Hand voll Erde gegen die Feinde geworfen und nur dadurch sie überwunden habe. Vielleicht haben die Juden diffe Erde wieder aufgefunden und Dir damit ein Geschenk gemacht, welches werthvoller ist als Gold und Edelsteine." Der Kaiser hörte aufmerksam die Worte seines Verwandten. Domitian hatte sich im Kriege noch keine Lorbeeren erworben; sein Vater Vcspasian hatte ihm nie gestattet, an Kriegeszügen Theil zu nehmen; cs war ihm geweiffagt worden, daß Domitian durch das Schwert fallen würde, und der alte Kaiser hatte so sehr an das Eintreffen dieser Prophezeiung geglaubt, daß er, als sein jüngerer Sohn einst bei Tafel sich weigerte, Schwämme zu essen, zu ihm sprach: „Iß nur, mein Sohn, Du brauchst Dich vor Vergiftung nicht zu fürchten; der Stahl ist es, der Deinem Leben ein Ende machen wird." — Auch während der kurzen Regierung des Titus hatte sich für Domitian keine Gelegenheit geboten, sich auf dem Schlachtselde auszuzcichnen. Domitian aber dürstete nach Kriegsruhm; sein heißester Wunsch war, in Rom, gleich seinem Vater und seinem Bruder, als Triumphator eiuzuziehen. — Aus Germanien waren beunruhigende Nachrichten eingetroffen. Tie wilden Chatten'(Hessen) hatten einen Einfall in die römische Provinz gemacht und und sich der römischen Festung Mogimtiacum (Mainz) zn bemächtigen gesucht. Domitian hatte beschlossen, einen Feldzug gegen die Chatten zu unternehmen und als Anführer seiner Heere den heißersehnten.Kriegsruhme zn erwerben. Wenn Clemens die Wahrheit sprach, so konnten die gefürchteten, tapfer» Germanen gefahrlos überwunden werden, und der Kaiser durfte, als Sieger zurückkehrend, im Triumphe in Rom einziehen und den Titel Germanicus als Ueberwinder der Deutschen annehmen. „Wohl," sprach er, „ich will es versuchen, ob dieser Erde die Kraft innewohnt, die Tn ihr zuschrcibst, mein Clemens. Unterdes; magst Du die Gefangenen in Verwahrung nehmen bis zu meiner Rückkehr von den Ufern des Rheins; dann will ich weiter über sie verfügen." Clemens b^ab sich sofort zu den Gefangenen

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