Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 9 (2.3.1881)
- Date
- 1881-03-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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205 nicht irdischer Besitz ist das „Erbe" Israels, ist der zu schirmende Schatz der jüdischen Gemeinde. Die „Lehre, welche uns Moses geboten", das Gottesgesetz allein ist die Seele der Judenheit, des einzelnen Juden, wie der Gemeinde Israels. „Gemeinde Jakobs" heißt die jüdische Gemeinde, Trägerin des Vermächtnisses, welches der sterbende Urahn seinen Nachkommen hinterlasscn. Der Segen, welchen Abraham von Gott empfangen, d. h. die besondere Aufgabe, welche ihm zum Segen für die gesammte Menschheit geworden, war von Abraham nur auf den einen Sohn Isaak übergegangen; nur er allein erwies sich dieses hehren Berufs würdig und fähig. Ebenso vermochte von Isaaks beiden Söhnen nur Jakob dieses Vorzugsrecht, welches nur schwer zu erfüllende heilige Pflichten auferlegt, keineswegs aber materielle Vorthcile bietet, auszuüben. Ihm aber war das Glück beschiedcu, seine sämmtlichen Söhne, wie verschieden auch nach Charakter- und Geistesanlagen, eins zu wissen in der begeisterten Hingabe für das Heroldsamt der echten Abrahamssöhne, den Gottesgehorsam der Menschheit zu predigen, nicht durch Worte und leeres (-vchaugcpränge, sondern durch ein ganzes Leben in allen seinen Augenblicken und Thätigkeiten. Darum versammelte er seine Söhne, die Stammhalter des künftigen Gottesvolkes, um sein Sterbelager und verpflichtete sie ans den alten AbrahamSbnnd, auf das heilige Erbe ihres Urgroßvaters^ und richtete an sie für die Erhaltung und den schütz dieses nationalen Schatzes die Mahnung Win lsapn: „Haltet zusammen und hört," hört auf euren Vater Israel!" Hierin beruht die Stärke seiner Nachkonnnen, hierin die Grundlage für das Gemeinwesen, welches die Juden, sei es Staat, sei es als GcmeMde, bilden werden zu allen Zeiten. Daß die Kräfte aller Einzelnen in Israel in einem Punkt Zusammentreffen und dieser eine Punkt nichts anderes sei, als der Gehorsam gegen ihren Vater Israel, als die Verwirklichung des Beispiels, welches unseres Stammvaters Größe und Adel gewährt, — daß die Glieder der Jakobsfamilie sich zu Gemeinden vereinigen, in welchen das geistige Element den Vereinigungspunkt bilde, — das ist das ewige Vermächtnis unseres Vaters Jakob*) Und nachdem wir zum Volke herangewachsen waren in der Schule der Leiden unter der Egyptcr Selavenjoch, in der Schule der Entbehrungen auf der Wüstenwanderung, — und Gott uns Sein Gesetz durch Moses hat verkünden lassen, da empfingen wir von des sterbenden Führers Mund die an des Urahns Mahnung anknüpfende Lehre, daß diese Thora, dieses Gottesgesetz fortab für alle Ewigkeit das einzige, *.! Bergt. Hirsch's Commcirtar zur Genesis, creite 606—7. ewige, unsterbliche Erbgut Israels und aller Gemeinden Jakobs sei. Es sei das Lebenselement des jüdischen Stammes, zu seiner Wartung und Wege seien die Gemeinden Jakobs berufen. So belehrt uns der einfache Fibelvers über das Wesen unserer jüdischen Gemeinden und macht es uns klar, daß eine jüdische Gemeinde nichts anderes ist, als eine Vereinigung von Juden, zur Pflege des Gottesgcsetzes in Geist und Leben. Daß wir diese einfache Weisheit vergessen haben, ist unser Unglück; hieran krankt unsere Zeit. Gedankenlos zahlen wir unsere Steuern, weil ein Staatsgcsetz dazu nöthigt, weil sonst der Executor bei uns erscheint — und wir glauben mit meinem würdigen Gemeindesecretär, bic Gemeinde sei nur wegen der Steuererhebung da. Gedankenlos wählen wir die Gemeindevorsteher undGemeinderepräseutanten als „VcrwaltungSkörper," welche niit Ehre und Ansehen umgeben sind — und wähnen mit tneinem Gemeindevorstandspräsidenten, die Gemeinde sei nur zur Befriedigung des Ehrgeizes der Herren Vorsteher und Repräsentanten da. Daß aber Gemeinde, Vorsteher und Verwaltungsorgane lediglich im Dienste des Gottesgesetzes stehen, daß sie nur dem einzigen Zweck dienen sollen, den Geist des Gesetzes zu Pflegen, die Institutionen zu schaffen und zu erhalten, welche zur Erfüllung der Gesetze des Judenthums erforderlich sind, daran denken wir nicht. So rühmen wir uns eines blühenden jüdischen Geineinwesens, wenn unsere Finanzen gut stehen, wenn unser VcrwaltungSkörper im Staate angesehen und geachtet sind; wie es in Wirklichkeit mit dem jüdischen Geiste und Leben unserer Gemeinde bestellt ist, das liegt weit ab voll den Erwägungen, welchen wir uns hingcben. Einige flüchtige Betrachtungen nach dieser Richtung hin werden uns erkennen lassen, wie wenig unsere jüdischen Gemeinden in Wahrheit ihrer Aufgabe gerecht werden, wie furchtbar cs sich gerächt hat, daß uns der Begriff einer jüdischen Gemeinde abhanden gekommen ist, daß wir nicht wissen, was eine jüdische Gemeinde ist, daß wir den einfachen Satz unserer Lesefibel vergessen haben: neno n&D .ts rrn r6np. Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Herrfenfeld (Franken), 9. Febr. Dieser Tage wurde dahier die Antisemiten-Petition durch den Gemeinde-Diener zur Unterzeichnung colportirt. Einer der ersten Unterzeichner war Herr Bürgermeister und Hopfcnhändler Mörtel, der übrigens recht froh ist, wenn ihm Nürnberger Semiten seinen Hopsen ab-