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Der Israelit · 1881-03-02 · Heft 9 (2.3.1881) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 9 (2.3.1881)
Date
1881-03-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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202 was den Schnittern entfällt, deßhalb sollst du nicht zurückkehren, um die vergessene Garbe zu holen — das Alles sollst du den Armen überlassen (rm-2. nnpff, 13p1?). Ist nun das Getreide in die Scheuer gebracht und zum Dreschen bereit, so tritt ein sechstes Gebot dir entgegen: -w mDnn ab. Früher verwendete man die Ochsen zum Dreschen des Getreides. Da durfte man dem Ochsen beim Dreschen das Maul nicht verbinden. — Gott ist der Herr des Weltalls, und Er hat uns befohlen, auch die vernunftlosen Geschöpfe rücksichtsvoll zu behandeln.*) Ist nun das Getreide gedroschen und gereinigt, so tritt die Pflicht an uns heran, die Priestergabe (nenn), den Levitenzehnten (pcpn-i ’wyc), den zweiten Zehnten (w iuv), der in Jerusalem von uns verzehrt werden mußte, abzusondern. Und wenn das Getreide gemahlen und das Mehl zum Teige geknetet worden ist, so ist noch die zehnte Pflicht zu erfüllen, die Pflicht, den Priesterkuchen (mn) vom Teige abzusondcrn. Dann erst darf das Brod gebacken und zum Genüsse bereitet werden. Wir sind leider nicht mehr im Stande, all' die obenerwähnten Gebote, deren Mehrzahl sich an das heilige Land knüpft, auszuführen. Aber gedenken können wir ihrer, und um uns daran zu erinnern, fassen wir das Brod mit allen zehn Fingern, indem wir Gott, den Herrn, den König des Weltalls preisen, der da aus dem Erdboden das Brod hervorbringt. Jeder Mensch, welcher bedenkt, daß Gottes ist die ganze Welt, daß Er uns nur zu Verwaltern dessen eingesetzt hat, was wir unser Eigenthum nennen, ist wahrhaft weise. Er wird sich nicht von der Leidenschaft Hinreißen lassen, gegen den allmächtigen Herrn des Weltalls zu sündigen, Geiz, Habsucht, Stolz werden seinem Herzen fern bleiben; er wird sich nicht vergreifen an Unrechtem Gute und wird zufrieden sein mit dem, was Gottes Gnade ihm spendet, wenn es auch nur wenig sein sollte. Der Neid gegen andere, bessersituirte Menschen wird sein Herz nicht verbittern. Vor Allem aber wird er voll Liebe gegen seine armen Mitmenschen sein. Viele von den oben angeführten Gottesgeboten, die an die Beschaffung des Brodes sich knöpfen, und dieWohlthaten gegen unsre armen Mitmenschen in sich schließen, können wir nicht mehr erfüllen. Dem Wohlthun aber ist deßhalb keine Schranke gesetzt. In früheren Zeiten glaubte kein Familienvater sich fröhlich und vergnügt an den Sabbattisch niedersetzen zu dürfen, wenn er nicht einen Armen theil- ) Jnftatt /swirb im Xut Orach Chajim C. caif£. "d)lt. d. Quelle dafür ist jedoch J.rufchalmi, am Schluss, dl' a*ftm Abschnittes b.Z Traktats rin, wo sich dishp f>b vorfindet. Vergleiche wz 1. c. nehmen ließ an dem, was Gott ihm beschieden. Heute ist diese schöne Sitte vielfach aus den Häusern selbst der Frommen und Wohlhabenden geschwunden. Namentlich in den großen Städten denkt nur selten Jemand daran, einen armen Glaubensgenossen am Mahle theilnehmen zu lassen. Wenn es hoch kommt, werden die Armen in der Küche abgefüttert oder es wird in einem Speisehause für sie bezahlt. Und doch ist es eine so unendlich große Mkzwah, den Armen an den Familientisch zu nehmen und ihm so gleichsam das Bruderrecht zu gewähren, ihn durch freundliche Reden aufzumuntern, und ihm so sein schweres Geschick zu erleichtern. Auch für den Reichen ist solche Liebesthat ein großer Gewinn. Er lernt das Elend in der Nähe kennen und sammelt wichtige Erfahrungen; er lehrt dadurch seine Kinder und Familienangehörigen, die Armen achten, ehren und als Brüder anerkennen. Wechselvoll ist das Geschick der Menschen. Manche Arme haben selbst bessere Tage gesehen; andere stammen von Eltern oder Großeltern ab, die in hohem Ansehen standen und reichlich mit irdischen Gütern gesegnet waren; alle sind Nachkommen unsres Vaters Abraham, der so reich war, daß er sich 318 Knechte halten konnte. Wenn wir dies bedenken, muß uns da nicht das Geschick des bedauernswerthen Bettlers mit erbarmungsvoller Theilnahme erfüllen? Wohtthun rettet vom Tode, Wohlthun schützt vor Verarmung, Wohltyun gehört zu den Dingen, deren Früchte der Mensch in dieser Welt genießt und deren Hauptsumme ihm für die Ewigkeit bleibt. Freilich, mancher Arme beleidigt durch seinen schmutzigen, zerlumpten Anzug, durch wenig höfische Manieren, durch den Herbergsgeruch, die verwöhnten Sinne. Aber je liebevoller wir diese kleinen Unannehmlichkeiten ertragen, desto höher wird uns unsre Liebesthat angerechnet vom Herrscher des Weltalls, der uns gelehrt hat: njos? nbbpo dtp*n pdjdh nbm. Als Abraham vor seinem Zelte saß, da erschien ihm Gottes Majestät, und dennoch durste Abraham sortgehen, um die Fremden einzuladen, von denen er glaubte, daß sie arme Wanderer, daß sie Götzendiener seien. Daraus lernen wir, daß die Bewirthung fremder Gäste größer ist als das Glück, der Erscheinung der göttlichen Majestät gewürdigt zu werden. (Fortsetzung folgt.) Aus dem jüdischen Hemeindeleben. Von Naphtali Simon. I. „Was ist eine jüdische Gemeinde?" — Diese Frage wagte ich kürzlich dem Präses des Vorstandscollegiums meiner Synagogengemeinde vorzulegen.

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