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Der Israelit · 1881-02-23 · Heft 8 (23.2.1881) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 8 (23.2.1881)
Date
1881-02-23
Page
– (sequence 18)
Language
German
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194 Neuftettin, 19. Febr. Am letzten Sonntag traf der eigens von Berlin, hichcr bestellte Dr. Henrici liier ein , um gegen die Juden zn predigen. Vom Antisemiten - Comitv, (Fabrikbesitzer Paul Ehncke, Rendant a. D. Meyer, Gemcindecaffen - Rendant Nöske, Gastwirt!) Hertzberg und Schänkwirts) Bandow) wurde am Bahnhofe empfangen und in festlicher Schlittenfahrt zum Hotel Mundt geleitet. Dort versammelte sich Nachmittags 4 Uhr eine eigens eingeladcne Gesellschaft, zu der auch der Landrath v. Bonin gehörte, um sich von dem Antisemiten-Apostcl vor allem geschäftlichen Verkehr mit Inden abrathen und warnen zu lassen. Um 6-% Uhr wurde diese Clubsitzung mit dem Liede „Deutschland, Deutschland über alles" geschlossen Der Vorsitzende Ehncke schlug vor, mit Musik und unter dem Gesänge des Liedes „Schmeißt ihn 'raus, den Juden Jtzig!" durch die Stadt nach Hertzbergs Hotel zn märschiren, aber der Stadtsecretär Kasch, der die polizeiliche Aussicht ausübte, verbat sich diesen Unfug aufs entschiedenste. Am Abend um 10 Uhr hielt Dr. Henrici in Mündts Hotel abermals einen kleinen Eirkel Die Tische wurden zusammengerückt und allen sonst anwesenden Gästen laut verkündet, das sei der Antisemitentisch, an den keine Mauschels heran dürften. Ein Postbote brachte ein Packet, das Henrici mit den Worten „Das sind die Dynamitpatronen für Israel!" sin Empfang nahm und öffnete. Der Inhalt war eine große Anzahl Blätter, auf denen zum Abonnement eingeladen wurde auf die in Dresden erscheinende antisemitische Zeitschrift „Deutsche Reform." Unter stürmischem Hephepruf stieß die Gesellschaft mit den Biergläsern ~ati. Am Montag predigte Dr. Henrici in Ratzebuhr. Die hier erscheinende „Nordd. Presse" .zollte dem „tapfern Kämpfer" Lob und Beifall. In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag brach in der Synagoge, die seit mehreren Tagen durchaus verschlossen gewesen war, Feuer ans. Als man es gestern früh bemerkte, hatte es schon so gewaltig um sich gegriffen, daß an ein Löschen nicht mehr zu denken war. Das ganze Gebäude ist mit seinem Cultus-Jnventar vollständig von den Flammen zerstört worden. Das angrenzende Wohnhaus des israelitischen Kaufmanns Heidemann war schwer gefährdet, konnte aber durch'die Löschmannschaften geschützt werden. Da die Synagoge seit mehreren Tagen von keinen: Befugten betreten worden ist, eine Unvorsichtigkeit also nicht die Ursache des Feuers sein kann, so nimmt man ziemlich allgemein an, daß ein ruchloser Bube absichtlich den Brand gestiftet hat. Die Untersuchung wird wohl ergeben, wie weit diese Vermuthung gerechtfertigt ist und in welchem Zusammenhänge das Bubenstück mit den „Dynamitpatronen für Israel" steht, die der Brandprediger Henrici einige Tage vorher unter das Volk gestreut hat. (Köln. Ztg.) Neustettin, 20. Febr. Vor einigen Tagen hielt der bekannte Dr. Henrici aus Berlin hier eine Agitationsrede gegen die Juden. Am vergangenen Freitag, den 18. Februar, wurde die hiesige Synagoge, wahrscheinlich von ruchloser Haud, an gezündet; dieselbe ist total niedergebrannt. — Der Synagogen-Vorftand hat eine Belohnung von 1000 Mark und eine Anzahl Christen des benachbarten Städtchens Ratzebuhr haben eine solche von 2000 Mark behufs Entdeckung des ruchlosen Brandstifters ausgesetzt. Die Stadt befindet sich in furchtbarer Aufregung. Die „Neustettiner Zeitung" richtet an das Oberpräsidium von Pommern und an die Eösliner Negierung das dringende Ersuchen, einen Eommiffär nach Neuftettin zu senden, um die Vorgänge der letzteren Tage der strengsten Untersuchung zu unterwerfen, und fragt, ob die Polizei in der Lage ist, die jüdischen Bewohner Neustettins gegen die'Jnsulten der scandalsüchtiaen Menge zn beschützen. Aus Sachsen, 17. Febr. Unsere Antisemiten haben einen merkwürdigen Erfolg zu verzeichnen. Nachdem die öffentliche Henrici-Versammlung, die sie in der Residenzstadt abzuhalten gedachten, jämmerlich verunglückt war, hat der „Deutsche Reformverein" dem Berliner Reiseprediger hinter verschlossenen Thüren gelauscht und am Schluffe dieser in voriger Woche stattgefundenen Versammlung wurde das nachstehende Telegramm an den Fürsten von Bismarck gerichtet: „Die zmn elften Vortragsabend des Deutschen Reformvereins zu Dresden versammelten 2000 der besten Einwohnerschaft Dresdens und der Provinz angehörenden Anwesenden sprechen Eurer Durchlaucht die feste Zuversicht ans, daß unter Ihrer bewährten Leitung die Rückkehr besserer socialen Verhältnisse in unserem lieben deutschen Vaterlande angebahnt werden wird. Pinkert-Waldegg, derz. Vorsitzender." Der Letztere hat darauf, wie die „Deutsche Reform" unterin 17. d. M. triumphirend mittheilt, folgende Antwort erhalten: „Berlin, den 11. Febr. 1881. Euer Hochwohlgeboren danke ich für das in: Namen des Deutschen Reformvereins mir zugesandte Telegramm und bin bereit, mit Ihnen die Hoffnung auf Anbahnung besserer socialer Verhältnisse zu theilen, sobald wir aufhören, die Besserung derselben durch spontane Entstehung abzuwarten, v. Bismark." — Im Anschluß hieran wird bemerkt, daß ähnliche Schreiben bereits von „hoher, höchster und allerhöchster Stelle" in den Händen des Herausgebers der „Deutschen Reform" sich befänden, dieselben würden indeß nicht veröffentlicht werden, weil die

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