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Der Israelit · 1881-02-23 · Heft 8 (23.2.1881) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 8 (23.2.1881)
Date
1881-02-23
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXII. Jahrgang. Zweitk Beilage zu ilc. 8 -es Israelit. Zeitnngsnachrichleu «nd Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 18. Febr. Wir hatten heute das Vergnügen, den Herrn Rabbiner B aruch Mandelbaum aus Jerusalem ^"o"ui bei uns zu sehen. Derselbe ist einer der ehrwürdigsten und gelehrtesten Rabbinen der heiligen Stadt. Möge er überall freundliches Entgegenkommen und die Achtung und Ehrerbietung finden, die er in so reichem Maaße verdient. Mainz, 18. Febr. Wir erhalten aus Jerusalem eine Zuschrift von dem „Vereine für Erziehung der Waisen der Aschkenasim-Gemeinden in der heiligen Stadt," unterzeichnet von dem Secretär, Herrn Jesaias Orenstein, und untersigelt mit dem Sigel des genannten Vereins. In dieser Zuschrift wird die Verwunderung darüber ausgesprochen, daß Herr Bezirksrabbiner Dr. Salven di zu Dürkheim in einer Beilage des „Israelit" einen Aufruf für ein unter der Direction des Herrn Herzberg stehendes Waisenhaus erlassen hat. Ein solches Waisenhaus exiftirt gar nicht. Bei dem genannten Herrn Herzberg sind lediglich vier sephardische Kinder untergebracht; es sei ferner zu befürchten, das; diese armen Kinder nicht so erzogen werden, wie es die Vorschriften unserer heiligen Religion erfordern. Dagegen berichtet uns das erwähnte Schreibe«, daß in den; obengenannten Vereine für 50 Waisenkinder gesorgt wird, welche Kost, Kleidung, Wohnung und Unterhalt erhalten. Dieselben werden später zu Handwerkern in die Lehre gegeben und werden auch dann noch täglich zwei Stunden in der Thora unterrichtet. In Be^ug auf die Wahrheit der gemachten Angaben möge man sich bei den Consuln der deutschen und österreichischen Staaten erkundigen. Ein Schreiben ähnlichen Inhalts erhalten wir von Herrn Jonas Lob Mendelsohn, welcher bereits 45 Jahre im heiligen Lande wohnt. Auch dieser vcrurtheilt die neue -Schöpfung unter der Leitung des Herrn Herzberg mit den stärksten Ausdrücken, und bedauert, daß diesen: Unternehmen Gaben zugewendet werden sollen, welche den vorzüglichen Anstalten zur Erziehung und zum Unterrichte der Kinder wie z. B. der Blmnenthal-Schule, entzogen werden würden. Wir haben zu Obigem zu bemerken, daß Herr Bezirksrabbiner Dr. Salvendi die Spendenlisten, die derselbe dem „Israelit" beilegen läßt, in Dürkheim zum Drucke befördert und sie dann der Expedition des „Israelit" zusendet. Wir können demgemäß für den Inhalt derselben keinerlei Verantwortlichkeit übernehmen. Mainz, 20. Febr. Die Judenhetze in verschiedenen unserer Nachbargemeinden scheint eher im Zuals im Abnehmen begriffen zu sein. So wurden am Mittwoch Abend um 11 Uhr an dem Hause eines in Hechtshcim wohnenden Israeliten die Fenster mit Pflastersteinen derart zertümmert, daß sogar das Fensterkreuz in Stücke flog. Auch einem Christen wurden die Fenster cingeworsen, doch wohl nur aus Jrrthum, denn bis vor Kurzen! war die Wohnung des Christen von einem Israeliten bewohnt und war dieser Wohnungswechsel wahrscheinlich noch nicht zur Kenntniß der Fenstereinwerfer gelangt. — Auch in Heideshcim wurden vorgestern die Fenster eines dorten wohnenden Israeliten während der Nacht mit Steinen eingeworfen. — In Nieder-Olm ferner, wo man erst kürzlich die einem Israeliten gehörigen Obstbäume gewaltsam zerstörte, wurde vorgestern Nacht ein Zettel an das Haus eines Juden geklebt mit dem Inhalte, daß, wenn binnen 8 Lagen die Juden nicht ansgewandert seien, man denselben den Hals abschneidcn würde. Das sind die Folgen des zelotischeu Wahnwitzes gewisser Leute und ihres Anhanges, sowie der unter dem Deckmantel des Chriftenthums verübten Hetzereien in gewissen Blättern! Gott besser's! Mainzer Anzeiger.) Mainz, 21. Febr. Wir sind in der angenehmen Lage, unfern geehrten Lesern die freudige Mittheilung zu machen, daß wir heute 3280 Mark 00 Pf. für die Armen, Nothleidenden 2C; des heiligen Landes an das Central- Comits zu Amsterdam geschickt haben. Die Summe der von uns in diesem Jahre für obige Zwecke gesammelten und übersandten Gelder beträgt nunmehr 6108 Mark 51 Pf. — Wir constatiren mit großer Freude, daß die spenden in jüngster Zeit wieder reichlicher fließen und verfehlen nicht, jene von der bittersten Noth heimgesuchten Armen dem fernern Wohlwohlen unsrer mildherzigen Leser zu empfehlen.

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