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Der Israelit · 1881-02-23 · Heft 8 (23.2.1881) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 8 (23.2.1881)
Date
1881-02-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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188 und dort die Sorge für dasselbe guten Menschen überläßt. In früheren Jahren ging das wohl so. Wenn auch das Ziel nur in den wenigsten Fällen erreicht wurde, so wurde doch für das Kind gesorgt, und wenigstens etwas jüdisches Wissen in den künftigen Beruf, zu welchem Verhältnisse oder Zufall führten, mit hinüber genommen. Jetzt ist die Sache schwieriger geworden und solches primitives Verfahren nicht mehr am Platze. Wir erlauben uns unseren jedenfalls gut gemeinten Vorschlag der wohlwollenden Erwägung zu empfehlen. (Nachbemerkung der Nedaction: Es wäre sehr dankenswerth, ir.cn:: man in Frankfurt a. M. und Fürth darauf besondere Rücksicht nehmen wollte, daß Schüler der dortigen Realschulen zmn Rabbiner- Berns vorbereitet werden sollten: allein gründliche Abhilfe würde nicht dadurch geleistet; wir bedürfen besonderer Anstalten, in welchen die künftigen Rabbinen schon im zarten Atter nach beiden Seiten hin vorbereitet werden. Die Realschule muß zu viel Zeit ans Realien und moderne Sprachen verwenden; sowohl die talmndische wie die klassische Vorbildung werden dadurch beeinträchtigt. —) Feuilleton. pie Iuge^ dsrcnnde. Von A. Königshofen. VII. lieber dem Haupte des Herrn Reicherssohn schwebte heute ein verhäuguißvollcr Unstern. Schon der Zweifel deS Grafenthums an dem von ihn: so verehrten Roterskoff brachte ihn in üble Laune. Nicht so als ob auch sein Herz von diesen: Zweifel angesteckt worden wäre — konnte er sich irren, er, der gewiegte Menschenkenner? Daß der junge Mann die Autorität seines erfahrenen Onkels so geringschätzte, daß er ihm so wenig Menschenkenntnis; zntraute, mit seinen: scharfen Auge einen Betrüger nicht sogleich durchschauen zu können: das wurmte ihn tief. Und heute hätte er so ganz besonders der inner:: Herzenssreudigkcit bedurft,' die dem Menschen für große Actionen erst den reckten Muth und die nothwcndige Elasticität zur Besiegung eines Widerstandes verleibt. Es war in der That eine große Action, auf welcke er sich vorbereitet hatte: er wollte mit seiner Frau über die Zukunft Emiliens sprechen, und was er für diese geplant hatte, haben wir bereits aus seinem Gespräche mit Posener erfahren. Er verhehlte sich nicht, daß er einen schweren Stand haben werde, er unterschätzte die Gegnerschaft seiner Frau durchaus nicht, denn so sehr er Fremden gegenüber sich stets als den Herrn im Hause anfspielte, so führte in Wirklichkeit doch die Frau das Regiment, und er war bisher in allen Controversen noch immer der Besiegte geblieben. Diese Herrschaft verdankte sie nicht einem heroischen Wesen oder einer alles überwältigenden Zungenfertigkeit, sondern ihrer geistigen Ueberlegenhcit und einer eisernen charakterfestenConsequenz, die gerade durch die größte äußere Ruhe die oft närrischen Allüren ihres sich gebildet dünkenden Gemahls überwand. Was ihm aber den Muth gab, eine so unerhörte Angelegenheit, wie er sie vorhatte, seiner Frau nur vorznbringen, das war die Rechnung aus die Eitelkeit einer Mutter. Wie, sie als Mutter sollte Bedenken hegen, wenn sich der Tochter die Aussicht, Gräfin zu werden, eröffncte? Mußte die Mutter nicht vor Entzücken außer sick kommen, wenn sie ihre Tochter sich als Frau Gräfin geehrt, in die höchsten Streife eingesührt, dachte, vielleicht auf einem Hofballe als Schönheit gefeiert, vom Fürsten selbst gar mit Huldigungen überschüttet? Diese Eitelkeit zog er in seine Berechnung, nicht aber, daß es Prinzipien geben könne, die auch durch die glänzendsten Aussichten nicht erschüttert werde;: Was konnte er von Prinzipien wissen? Die Frömmigkcit seiner Frau hielt er für eine Gcwohnheitssachc, nicht für den Ausdruck einer ernsten Ueberzengung. Nur das wollte ihn: nicht aus dem Köpf, daß sein Neffe sich in Bezug ans den Grasen so ungläubig gezeigt hatte, und wenn der nun gar feiner Frau schon von der Begegnung erzählt und seine Zweifel geäußert, seiner Frau, die den Grafen immer mit mißtrauischen Angen betrachtet hatte. Als das Mittagessen beendet war und Emilie das Zimmer verlassen hatte, suchte Reicherssohn seine Angelegenheit vorzubringen. Die ewigen Wiederholungen von des Grafen Roterskoffs großen Verbindungen, seinen Brillanten, seinen Pferden, die er als Plänkler dem eigentlichen Angriff vorausschicktc, langweilten die Frau sosehr, daß sie endlich unwillig meinte, der ganze Gras interessire sie so wenig, daß sie die Worte, die seinetwegen gesprochen würden, als eine heillose Verschwendung betrachte. Nun hatte Herr Reicherssohn den richtigen Punkt gefunden, wo er einsetzen konnte: seine Frau solle nur nicht so wegwerfend über den Grasen urtheilen, sie wisse noch gar nickt, in welche nahe Beziehungen sie zu einander treten könnten, und fing nun an, den ganzen Plan von einer Verbindung des Grafen mit Emilie der starr dasitzenden Frau zu entwickeln. Sie wußte nicht, sollte sie am Verstände ihres Mannes zweifeln, oder erlaubte erstich einen höchst unpassenden Scherz, dafür aber sprach er zu ernst; sie wollte jedoch gern das Letztere glauben, und äußerte sich auch dahin, „was er denn für dumme Späße treibe?"

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